Ausgabe 
20 (23.9.1860) 39
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308
 
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gert sich ihre Verzweiflung zum Selbstmorde. Wie unermeßlich endlich sind dieWirkungen des heiligen Bußsacramentes für den Weltverkehr? Liebe, Friedekehren in Familien, Gemeinden zurück, in denen früher Haß und Zwietrachtherrschte. Redlichkeit erstattet ungerecht gewonnenes Gut, und in frommer Mild-thätigkeit gegen Einzelne findet der reuige Sünder ein Sühnemittel für seineVerbrechen an Gott, au sich selbst, an den Mitmenschen.

Während das heilige Bußsacrament das Herz von der Sünde befreit, er-füllt es das heilige Altarssacrament mit den unendlichen Segnungen göttlicher -Liebe. Dieser Gegensatz einer tilgenden und gewährenden Gnade prägt sich auchin den zeitlichen Wirkungen dieser erhabenen Heilmittel aus. Die heilige Bußenimmt von der Seele die Folter des Gewissens; ihr Zustand wird Ruhe vomSturme. Das allerheiligste Altarssacrament erfüllt die Seele mit der stillenHeiterkeit befriedigter Sehnsucht; ihr Zustand wird Ruhe in Gott . ^

Sobald der Sinn für diese stille Heiterkeit, für diesen Frieden im Herrn ;aus der Menschenbrust entflieht, weicht auch der Geist Gottes von uns, welcher !durch seine Einkehr in unser Herz diesen stillen Sinn weckte und belebte. Wirergötzen uns wieder au den rauschenden Vergnügungen des Tanzes, des Theaters,Wirthshausbesuches, weil der rauschende Weltgeist, der Urheber dieser Genüsse,wiederum in unserm Herzen wohnt.

Die letzte Oelung ist für den Kranken ein Gnadenmittel zur Wiedererlan- ^

gung seiner Gesundheit, wenn dieselbe für seine Seele heilsam ist. Aber eben j

dieses Wenn macht diese Wirkung wenigstens zu keiner regelmäßigen. Die ficht- s

Laren Zeichen jedoch der Salbung und des priesterlichen Gebetes lassen unsnicht selten sichtbare Wirkungen der innern Gnade am Kranken gewahren, welchederselbe vor dem Empfange dieses heiligen Sacramentes nicht empfunden hatte. s

Diese sichtbaren Wirkungen haben ihre Quelle in der jetzt erlangten Krast, den >

körperlichen Schmerz, die geistige Furcht vor dem Tode zu beherrschen, wie imneubelebten, oder erst gewonnenen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, undüben auf das geistige wie leibliche Wohl des Kranken den wohlthätigsten Ein-fluß aus. Haben in letzter Beziehung Schmerz und Furcht keine Gewalt mehrüber den Verstand, so erlangt dieser die nöthige Kraft zur Ordnung irdischer !Angelegenheiten. Die Hoffnung aus Gottes nachsichtsvolle Huld macht den Lei-denden nachsichtsvoll und dankbar gegen seine Umgebung. Und doch kann mensch-licher Unverstand aus Furcht vor der entgegengesetzten Wirkung dem Krankendiese stärkende Tröstung ganz oder zu rechter Zeit versagen?

Die Ehe in der sakramentalen Auffassung der katholischen Kirche ist eineNachbildung der Verbindung Jesu mit seiner heiligen Kirche und als solche vondoppelter Wirkung auf das Wohl der Menschheit. Wie der Geist Gottes beider Kirche bleiben wird, so wird er auch stets über eine Verbindung wachen,welche das Gepräge dieser kirchlichen Verbindung an sich trägt. Das Bewußt-sein von diesem geistigen Schutze, welches durch die priesterliche Einsegnung be-lebt und gestärkt wird, ermuntert die Ehegatten zur Erfüllung ihrer religiösen,

wie irdischen Berusspflichten, zum treuen Aushalten und Hoffen auf Gott in der

Stunde ewiger, wie zeitlicher Gefahr. Wie ferner die Verbindung Jesn mitseiner heiligen Kirche eine unauflösbare ist, so muß auch ihre Nachbildung: dieEhe unzertrennlich sein bis in den Tod. Diese Unauflösbarkeit der Ehe mußvor der Eingehung beide Theile und die zur Einsprache Berechtigten zur reif-lichen Erwägung des wichtigsten Lebensschrittes bewegen. Im Ehestände selbstaber verbürgt die Unauflösbarkeit der Gattin die der Frauenwürde gebührendeLebensstellung, den Kindern die ihrem geistigen, wie leiblichen Heile ersprieß-lichste Erziehung zu brauchbaren Gliedern der Menschheit.

Einer der rührendsten Beweise der mütterlichen Sorgfalt der katholischen !

Kirche für ihre Kinder ist der Ablaß , d. h. Nachlaß der durch die Sünde ver- !