Ausgabe 
20 (23.9.1860) 39
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Gutes ist schmerzerweckend, weil der Name des Herrn nicht durch den Genuß,sondern im Entbehren des Verlornen Gutes verherrlicht werden soll. DieseLiebe zu Gott erzeugt Dankbarkeit gegen ihn, den Geber alles Zeitlichen, undda wir ihm das Zeitliche nicht in ihm selbst zurückgeben können, so geben wires ihm nach seinem eigenen Gebote in unsern dürftigen Mitmenschen zurück.Daher hat die mit Entsagung verbundene Mildthäthigkeit in keiner Religions-genossenschaft eine solche Blüthe erreicht, wie in der katholischen Kirche , weil ihrefrommen Jünger im Armen und Kranken den nackten und dürstenden, den leiden-den und blutenden Gottmenschen erblicken. Den zeitlichen Segen aber einersolchen liebevollen Mildthätigkeit für den Geber, wie Empfänger erkennen Alle.

Dies nur wenige zeitliche Wohlthaten der Segnungen der katholischenKirche , abgesehen von ihren unendlich ersprießlicheren Wirkungen auf das Heilder Seele. Vieles blieb unberührt, wie der wohlthuende Einfluß des Fastens,der Entsagung, des gottesfürchtigen Beispiels. Vergleichen wir dagegen denGenuß der Welt von zeitlichen Gütern! Der fromme Christ erstrebt Zufrieden-heit, der Weltling Befriedigung im zeitlichen Genusse. Daher verliert der Welt-mensch mit den zeitlichen Gütern Alles, der Christ Nichts, weil der Christ inder Ewigkeit seine Befriedigung sucht, der Weltjünger diese Ewigkeit verwerfenmöchte. Des Christen Genuß zeitlicher Güter ist für die ganze Lebensdauer, desWeltanhängers Genuß nur für den flüchtigen Augenblick berechnet. Darum istdes Christen Herz stets mit Freude erfüllt, des Weltjüngers Herz stets leer ander wahren, oft auch an der eingebildeten, selbst vorgelogenen Lebensfreude.Des Christen Quelle, woraus er den Genuß irdischer Güter schöpft, ist Liebe zuGott, zur eigenen Seele, zu des Nächsten Seelenheile. Des Weltmcnschen Ge-nußanelle bildet die Liebe zum eigenen Körper, die Selbstsucht.

Mensch! nur aus Einer, nicht aus beiden Quellen kannst Du trinken.Trinkst Du aus der Quelle der Selbstsucht, so wirst Du den ewig quälendenDurst der Hölle empfinden. Schöpfest Du aus dem Quelle der Liebe von demlebendigen Wasser, dessen Jesus im Gespräche mit der Samariterin am Brunnenerwähnte, so wird es Dich in Ewigkeit nicht dürsten.

Die Lage der katholischen Kirche in Australien .

Die Geschichte der Kirche in Australien beginnt unter besonders günstigenAuspizien, die Vortheilhaft mit den Anfängen der Kirche in den amerikanischenUnions-Staaten contrastiren. Es würde in der That schwer sein, in Staaten,die eine confessionell gemischte Bevölkerung haben, günstigere Verhältnisse zufinden, als sie Australien hat. In allen Colonien Australiens gehört es zu denGrundrechten, daß alle Religionen vor dem Gesetze gleich sind. In Folge hier-von erhalten der katholische Bischof und seine Priester ebenso vom Staate ihreBesoldung, als die Diener des protestantischen Cultus. Ebenso wird das Schul-wesen nach gleichen Bestimmungen behandelt. Es find getrennte Schulen fürdie Kinder jeder Consession errichtet und obgleich gegenwärtig eine mächtigePartei in Australien für s. g.Mischschulen" thätig ist, so berichten wir dochmit Freuden, daß zu Sydney die katholischen Schulen ihr Terrain behauptenund sich besser und wohlfeiler als ihre Rivalen beweisen.

Dasselbe Princip findet auch Anwendung auf das höhere Schulwesen.Das Colleg von St. Johann, welches die Katholiken von Neu-Süd-Wales soglänzend dotirt haben, ist durch Parlaments-Acte der Universität von Sydney einverleibt; ebenso gibt es ein mit der Universität von Melbourne verbundeneskatholisches Colleg. Die Katholiken Australiens bilden nicht weniger als ein