Ausgabe 
20 (23.9.1860) 39
Seite
311
 
Einzelbild herunterladen

Viertel der Totalbevölkerung des Landes und sie sind daselbst gleichmäßig inallen Classen und Ständen vertreten. In Amerika legt die demokratische Parteigroßes Gewicht aus die Stimme der Jrländer, aber dennoch ist die Zahl derKatholiken, welche als Abgeordnete im Repräsentantenhause sitzen, unbedeutendund wir erinnern uns nicht des Namens irgend eines katholischen Staatsmannesvon Bedeutung. In Australien dagegen haben wir katholische Minister, katho-lische Ober- und Unterbeamte, sowie katholische Repräsentanten. Die Katho-liken figuriren also mit Ehre in allen Rangstufen der politischen und socialenHierarchie.

Bei solchen erfreulichen Verhältnissen ist es auffallend, daß die Zahl derkirchlichen Gebäude und Priester dem Einflüsse und der Größe der Kirche inAustralien nicht entspricht. In der Diöcese Melbourne zählt man nur 23Priester inmitten einer katholischen Bevölkerung von 90,000 Seelen, die sichvon Tag zu Tag vermehrt und über ein großes Ländergebiet verbreitet ist. DieDiöcese Brisbane zählt 7000 zerstreut wohnende Katholiken und doch hat derBischof dieser großen Diöcese nur zwei Priester zu Mitarbeitern. Ueber diekathol. Bevölkerung des Bisthums Adelaide finden wir keine statistischen An-gaben; sie wird sicher 30,000 Seelen erreichen und doch zählt man dort nurneun Missionaire. Im Verhältniß zu ihrer Ausdehnung und Bevölkerungscheint die Diöcese Hobart-Thown die am besten organisirte von allen Diä-resen Australiens zu sein; sie zählt äO Priester. Der Erzbischof von Sydneyhat zwar die beträchtliche Zahl von 53 Priestern. Aber wenn man den großenUmfang der Diöcese Sydney und die großen Entfernungen, welche die einzelnenPfarren trennen, betrachtet, so wird man erkennen, daß das Leben eines Seel-sorgers ein äußerst mühseliges ist. Die katholische Bevölkerung der Metropolitan-stadt beträgt schon 32,000 Seelen. In den andern großen Städten, z. B.Goulburne, Dass, Bathurst, gibt es Pfarren von 3000 bis 5000 Seelen. Undüberall, wo eine irgendwie beträchtliche Schaar Katholiken sich ansiedelt undsammelt, da wird mit einer wahrhaft irländischen Opferwilligkeit für die Grün-dung von Pfarren alles Mögliche geleistet. Man liest häufig in den Zeitungen,daßeine schöne katholische Kirche " da und dort vollendet oder in Angriff ge-nommen sei. Zu Aass sind unlängst drei Kirchen erbaut, vier andere in Wagga ,Jugiony, Gunning und Gundagai. Und für diese sieben mit großen Kosten er-bauten Kirchen hat man nur zwei Priester! Der Schematismus gibt dieTotalsumme der Katholiken in der Diöcese Sydney nicht an; aber sie kann nichtunter 80,000 sein. Schon nach der Zählung von 1851 betrug sie 56,889 Seelen,seitdem aber ist die Einwanderung von Katholiken beständig im Wachsen. 1851war Australien den Jrländern kaum als ein Feld zur Auswanderung bekanntund seitdem, also in 9 Jahren, hat sich seine Bevölkerung verdoppelt! DerStaat zahlt jährlich für die verschiedenen Culte ^6,000 Pfd. Sterling und vondieser Summe empfangen die Katholiken 11,000 Pfd.

Die statistischen Angaben über die Schulen sind befriedigend. Die Katho-liken von Neu-Süd-Wales besitzen 100 katholische Schulen, welche 7,600 Schülerzählen. Jeder Schüler kostet den Staat 27 Francs, während in den s. g.Mischschulen" aus den Schüler 68 Francs kommen. Mehr als für jede andereFrage müssen die Katholiken in neuen Colonien sich für die Unterrichtsfrageeinig, wachsam und entschlossen zeigen. Im Mutterlande Europa ist diese Fragedie wichtigste, von allen. In den Unions-Staaten Amerika's haben die katholischen Interessen viel gelitten von dem ungläubigen Ecziehungs-System in den vornStaate gegründeten Mischschulen. Für die Katholiken Australiens dagegen ist esein Glück, daß ihre Beziehungen zum Staate so freisinnig geordnet sind, und eswürde ihre eigene Schuld sein, wenn sie in der Folgezeit die errungenen Vor-theile verlieren sollten.