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Eine große Lücke in dem kirchlichen Leben Australiens ist der Mangeljeglichen Männerordens. Man kamst sich ohne Mannsklöster kaum großekatholische Kirchensysteme mit Bischöfen und Capiteln, mit Kathedralen undCollegien denken. Sydney ist allerdings durch seinen berühmten Erzbischof theil-weise mit Hilfe der Benedictiner organistrt. In Amerika sind alle Orden derKirche, von den Augustinern bis zu den Passionistcn, gleichsam repräsentirt, unddas Aufblühen der Kirche in den Unions-Staaten verdankt man zum großenTheile diesem Ordens-Klerus. In Australien würden die religiösen Orden einunermeßliches Feld für ihr Apostolat finden, ein Feld, für dessen sorgfältige Be-bauung der Psarr-Klerus zu wenig zahlreich ist.
Nach zwanzig Jahren wird Australien wahrscheinlich eine Million gutunterrichteter und reicher Katholiken zählen; sie werden in politischer Hinsichteinflußreich sein und ihre Vertreter in allen hohen Staatsämtern und gesetz-gebenden Versammlungen haben. Gerade jetzt ist es Zeit, für den Ausbau derKirche und für Verbreitung kirchlicher Institution in Australien thätig zu sein.Wenn auch der materialistische Geist unseres Jahrhunderts dort viele Verehrerdes goldenen Kalbes sammelt, so hat anderseits der dortige Staat die Kirchenoch nicht in beengende Fesseln geschlagen. Die katholischen Interessen sind ge-schützt durch die Bestimmungen der Constitution; es besteht volle Freiheit desUnterrichts. Bei solchen günstigen Verhältnissen muß das katholische Australien nach Verlauf von zwanzig Jahren eine der blühendsten Provinzen der Kirchesein, und wir bitten Gott, daß er dazu seinen Segen gebe.
Gottes und der Welt Ehre.
0. Jede an sich tugendhafte Handlung, z. B. Beten, Fasten, Almosengebenkönnen wir dadurch entheiligen, daß wir sie nicht zur Ehre Gottes, sondern zurEhre der Welt unternehmen.
Umgekehrt können wir jede an sich weltliche Handlung, soferne sie nur demgöttlichen Sittengebote nicht widerstreitet, dadurch heiligen, daß wir uns ihr zurEhre Gottes unterziehen. In Bezug auf diese letzte Behauptung schreibt derheilige Paulus (Cor. 10, 31. Col. 3, 17): „Ihr möget essen oder trinken, oderetwas Anderes thun, so thuet es zur Ehre Gottes!" Hätte der heilige Paulusdie christlichen Pharisäer an dieser Stelle bekämpfen wollen, seine Worte müßtenlauten: „Ihr möget beten, fasten oder Almosen geben, oder sonst etwas an sichVerdienstliches thun, so thuet es zur Ehre Gottes, und nicht zur Ehre d^rWelt!"Mensch! bei jedem Vergnügen, das Du genießen, bei jedem Gewinne, den Duziehen willst, frage Dich: „thue ich es, oder kann ich es zur Ehre Gottes thun?"!Müßtest Du diese Frage mit Nein beantworten, so unterlasse die Handlung!Denn sie würde einem göttlichen Sittengebote Widerstreiten.
Lebensurtheile.
6. „Das Leben ist süß", ruft der Sterbliche aus, wenn er aus demBecher des Glückes trinkt. „Das Leben ist sauer", klagt derjenige, welcher imSchweiße des Angesichtes sein Brod verdienen muß. „Das Leben ist bitter",seufzt der von den Drangsalen Geängstigte. Thoren, die ihr für das Leben densinnlichen Geschmack als Maßstab anlegt! Das Leben ist übersinnlich für den,welcher sein ganzes Dasein in Gott versenkt.
Redaction uno Verlag: Vi'. M. Hutrler. — Druck von I. M. Äle inte.