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30. September 1860.
Das Augsbürger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Aus den Mifsivnsbriefen der Gesellschaft Jesu .
Schreiben des k D. Smet aus der Gesellschaft Jesu an den hoch-würdigsten k>. General derselben Gesellschaft.
(Fortsetzung.)
Wir hatten auf der Reise großes Elend und viele Gefahren auszustehenwegen des Hochwassers der Flüsse und der großen Menge Schnee. Zehn Tagehindurch mußten wir uns einen Weg bahnen mitten durch diese Wälder, woTausende von Bäumen, die Winde und Wetter umgeworfen hatten, und die6—8 Schuh hoch mit Schnee bedeät waren, über den Weg lagen. MehrerePferde gingen zu Grunde. Ich und mein Pferd, wir stürzten oft, aber außereinigen Kontusionen, einem durchlöcherten Hute und einem zerrissenen Kleidekam ich frisch und gesund aus diesem schlimmen Walde heraus. Ich sah dortWeiße Cedern, deren Stamm 5, 6 und 7 Ellen im Umfange hatte, und derenHöhe damit im Verhältnisse war. Nach der Reise von einem Monate kamenwir glücklich im Forte Van Couver an.
Am 18. Mai hatte die Zusammenkunft des Generals und des Ober-Inten-danten mit den indianischen Häuptlingen statt; sie war für beide Theile sehr be-friedigend. Man bestimmte beiläufig drei Wochen dazu, daß die Häuptlinge aufKosten der Regierung die vorzüglichsten Städte des Staates von Oregon und desGebietes von Washington besuchen sollen, um alles Merkwürdige zu besichtigen,die Fabriken, die Dampfmaschinen, Schlosser- und Tischlerwerkstätten, die Dru-ckereien u. s. w., lauter Dinge, von denen die armen Indianer entweder garnichts oder doch nur sehr wenig verstanden. Am meisten schien die Häuptlingedas Gefängniß von Portland zu interesstren, und die Unglücklichen, welche siedort mit Ketten beladen erblickten, besonders als man ihnen die Ursachen unddie Dauer ihrer Kerkerstrafe erklärte. Dies blieb vorzüglich dem HäuptlingAlexander im Gedächtniß. Kaum war er in sein Feldlager zurückgekommen, soversammelte er sein Volk und erzählte ihm alle die wunderbaren Dinge derWeißen, und besonders die Geschichte von dem Gefängnisse. „Wir haben", sprach er,„weder Ketten noch Gefängnisse, deßwegen sind so Viele böse und haben einhartes Ohr. In meiner Eigenschaft als Häuptling bin ich entschlossen, meinePflicht zu erfüllen. Ich werde mich der Ruthe bedienen, um die Schuldigen zustrafen. Alle, die sich etwas vorzuwerfen haben, mögen sich vorstellen." Nachdieser kurzen Ansprache trat Einer nach dem Andern vor, um seine PortionSchläge zu empfangen, der Eine mehr, der Andere weniger. Diese Geißelungdauerte einen und einen halben Tag.
Ehe die Häuptlinge das civilisirte Land verließen, erhielten sie Geschenkevom General und Ober-Intendanten und kehrten ganz fröhlich und zufriedennach Hause zurück. Ich meines Theils hatte die von der Regierung mir gege-bene Aufgabe bei den Indianern vollendet. Ich stellte dem General die Gründe