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vor, warum ich wünschte, durch das Innere des Landes nach St. Louis zurück-zukehren. Er stimmte meinem Wunsche mit aller Freundlichkeit bei, und in seinerlangen Antwort sprach er sehr ehrenvoll seine Anerkennung über die von mirgeleisteten Dienste aus.
Am 15. Juni verließ ich mit den Häuptlingen das Fort Van Couver, umin die Gebirge zurückzukehren. Ich brachte den 7., 8. u. 9. Juli in der Missionvom Herzen Jesu unter den Coeurs d'Alönes zu. Von da setzte ich mit i^. Con-giato meine Reise nach St. Jgnaz fort, die wir in 8 Tagen zurücklegten. DieBeschwerden derselben verdienen eine kurze Erwähnung.
Stellen Sie sich die dichtesten Urwälder vor, wo sich Tausende von umge-stürzten Bäumen befinden. Der Fußsteig ist kaum erkennbar, und ist mit Barri-kaden verlegt, welche die Pferde immerdar übersteigen müssen, und welche jedes-mal das Leben des Reiters der Gefahr aussetzen. Zwei schöne Flüsse oder viel-mehr 2 große Waldbäche, der Coeur d'Alene und der S. Franz Borgias durch-schneiden in Schlangenwindungen diese Wälder. Ungeheure Felsenblöcke undgroße, durch das Wasser abgerundete Steine bilden ihr Flußbett. Auf dem Fuß-steige muß man den ersten Waldbach 39mal, den andern 32mal übersetzen. DasWasser geht oft bis zum halben Bauche des Pferdes, manchmal bis über denSattel; man darf sich Glück wünschen, wenn man jedesmal, so oft man dasWasser übersetzt, nur nasse Füsse bekömmt. Ein hoher Berg von 5000 Fuß odervielmehr eine Kette von Bergen, „bittere Wurzel" genannt, trennt die zwei Flüsse.Die Abhänge dieser Felsen, mit dichten Wäldern von Cedern und verschiedenenGattungen Fichten und Tannen bewachsen, erschweren den Weg außerordentlichwegen der Menge von umgestürzten Bäumen über den Weg und am Rande vonAbgründen, wozu endlich noch große Flächen, mit 8 bis 12 Schuh tief Schneebedeckt, kommen, die man durchschreiten muß. Nach 8 Stunden einer sehr be-schwerlichen und ermüdenden Reise kamen wir aus die schöne und mit BlumenLesäete Ebene, wo ich, als ich vor 16 Jahren das erste Mal hieher kam, einKreuz ausgepflanzt habe. Auf diesem schönen Platze wünschte ich nach einem sorauhen Marsche unser Lager aufzuschlagen. Aber 1>. Congiato meinte, wir könn-ten in zwei Stunden an den Fuß des Berges kommen, und somit setzten wirunsere Reise fort. Nachdem wir die geglaubten 2 Meilen zurückgelegt hatten,und hierauf noch andere 4 Meilen, überfiel uns die Dunkelheit in Mitte allerdieser Hindernisse. Auf der Ostseite des Berges hatten wir Schneehügel undBarrikaden von umgestürzten Bäumen zu passiren, hier am Ufer spitzige Felsen,dort einen so steilen Abhang, daß es nur des kleinsten saschen Schrittes bedurfte,um in die Tiefe zu stürzen. Ohne Führer, ohne Weg, in ganzer Finsterniß,Einer von dem Andern getrennt, ruft ein Jeder um Hilfe, ohne sie erhalten zukönnen. Man fällt, man tappt herum, man kriecht auf allen Vieren, immergeht es abwärts. Endlich leuchtet einige Hoffnung. Wir vernehmen von wei-tem das Rauschen der Gewässer und das Getöse der Wasserfälle des großenStromes, den wir suchen. Ein Jeder schlägt die Richtung nach dieser Seite ein,Alle kamen endlich glücklich an, Einer nach dem Andern, um 11 und 12 Uhr inder Nacht, nach einem Marsch von 16 Stunden, ermüdet und gleichsam kampf-unfähig, die Kleider in Stücke zerrissen, voll Kontusionen, jedoch nicht von Be-deutung. Man macht in aller Eile das Mittags- und Abendessen, Jeder erzähltdie Geschichte seiner Wanderung und unterhält seine Gefährten. Der l>. Con-giato erkennt den Fehler seiner Berechnung und ist der Erste, der sich darüberlustig macht. Die armen Pferde fanden an diesem Orte nichts zum Fressen dieganze Nacht hindurch. — Ich kann hier nicht umhin, allen Vätern und Brüdernder Mission vom Herzen Jesu meine Dankbarkeit auszusprechen für ihre wahr-haft brüderliche Liebe, die sie mir erwiesen, und ihren Werthen Beistand, um diemir anvertraute Mission zu erfüllen.