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lung wurde schon von Abt Konrad an den damaligen Papst Leo XIII . nachRom gesendet, von diesem in einer eigenen Bulle als glaubwürdig dargestellt,und dann zu verschiedenen Zeiten von zwölf Päpsten bestätiget; der letzte warnoch Pius VI. im Jahre 1795.
Da drängt sich nun wohl die wichtige Frage auf: „Was ist von dieserErzählung der wunderbaren Einweihungder Capele zu halten? —Ist eine solche möglich? Wäre es wohl möglich, daß Christus selbst vom Him-mel Herabkomme auf die Erde und an den Ort, auf welchem die Kirche unddie Capelle Einfiedeln stehen, und daß Er dann selbst die kirchliche Einweihungderselben unter dem Beistande von Engeln und hl. Vätern verrichtete? Wardieses wohl möglich?
Die Möglichkeit läßt sich wohl kaum bezweifeln. Denn was könnte demAllmächtigen unmöglich sein? Wäre ja diese Herabkunft vom Himmel aufdie Welt offenbar ein kleineres Wunder, als die erste durch die Menschwerdunges war, und als die letzte sein wird, wann Er kommen wird in großer Kraftund Herrlichkeit, die Lebendigen und Todten zu richten? Und ist er ja nachder Auferstehung in seiner verklärten Gestalt mannigfaltig hie und da erschienen,aß und trank sogar mit seinen Jüngern Fische und Honig u. s. s. — Alsoan der Möglichkeit läßt sich nicht zweifeln. Allein wie steht es mit derWirklichkeit? können und dürfen wir diese vernünftig und historischals sicher annehmen?
Es sind in dieser Sache nur drei Dinge möglich, von denen Eines wirannehmen müssen. Entweder ist die ganze Sache nur ein Phantasie-Gesicht,d. h. ein Traum. Es hat vielleicht dem frommen Bischof Konrad nur so ge-träumt; es war eine schöne Biston des hl. Mannes, sagt die Well. Alleindie Chronik sagt: Konrad sei um Mitternacht am 14. Sept. mit einigenMönchen in die Kirche gegangen zum Gebete. Sollte es nun wohl wahrschein-lich gewesen sein, daß er und alle, die mit ihm waren, im Gebete eingeschla-fen wären und geträumt hätten? Diese heiligen Männer, welche gewißmanche ganze Nacht im Gebete und Betrachtung zugebracht hatten, wären soleicht eingeschlafen! Und sollte jdieser weise Bischof auf einen bloßen Traum soviel abgestellt haben? Oder hätte sich ein bloßer Traum so viele Jahrhundertelang in der Täuschung erhalten können? —Nein, bloßer Traum oder Phantasie-Gesicht kann jene göttliche Erscheinung nicht gewesen sein; denn ein bloßerTraum wäre schon lange verschwunden. Aber vielleicht war es eine geistigeVision, welche der hl. Mann in einer geistigen Entzückung gesehen hat?Aber sind denn gerade alle, welche beisammen in der Capelle waren, so aufeinmal verzückt geworden? Die Chronik sagt aber: „Alle Anwesenden„haben die Engel gesehen, wie sie die Cermonien der Einweihung ver-nichteten. und haben die StimmevonOben herab gehört: Höre aus Bruder!die Capelle ist schon göttlich eingewiht!" — Also auch eine Visionkann es kaum gewesen sein, weil ja das Ereigniß gesehen und gehört wurde,und zwar nicht von Einem sondern von Mehreren.
(Schluß folgt.)
Redaction nno Verlag: I)r. M. Huttler. — Druck von 3. M. Kleinle.