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Urwald. Oft hörten wir in unserer Nähe das Geheul der Wölfe oder dasdumpfe Schreien des grauen Bären, des Königs der Thiere in den hiesigenGegenden, ohne sehr zu erschrecken. Man lernt vorzugsweise in der Wüsteerkennen, daß der Herr allen Thieren Furcht vor dem Menschen eingeflößt hat.Eben so lernt man in der Wüste und fern von allen menschlichen Wohnstättendie väterliche Vorsehung Gottes bewundern, die so überflüssig für die Bedürfnisseder Menschenkinder gesorgt hat. Die Worte des hl. Matthäus 5, 26. drückendies so wunderbar aus: „Betrachtet die Vogel des Himmels, sie säen nichtu. s. w., aber euer himmlischer Vater erhält sie. Seid ihr nicht biel mehr werth,als diese?" Während der ganzen Reise hat Gott immerfort für uns gesorgt.Ja wir lebten sogar im Ueberflusse. Die Flüsse lieferten uns ausgezeichneteFische verschiedener Gattung, Wasserhühner, Enten und Schwanen. Die Wälderund die Ebenen versahen uns mit Wurzeln und Früchten. Wildpret hat unskeinen einzigen Tag gefehlt. Ueberall trafen wir bald Heerden von Büffeln,bald Rehe, Fasanen^ Tauben, wilde Hühner und Rebhühner.
Den Weg auf dem Missouri entlang begegnete ich Tausenden von Indianernaus verschiedenen Völkerschaften der Assiniboins, der Raben, der Minotaries,Mandans , Ricories, Sioux u. s. w. Ueberall verweilte ich einen oder zwei Tageunter ihnen; sie gaben mir von ihrer Seite die größten Beweise von Hochach-tung und Zuneigung, und schenkten meinen Ermahnungen die lebendigste Auf-merksamkeit. Seit vielen Jahren verlangen alle diese Völkerschaften Missionäreund Unterweisung.
Mein großer Trost, und ich möchte fast sagen mein einziger, ist, daß ichauf dieser langen Reise in der Hand der göttlichen Vorsehung ein Werkzeug desewigen Heils für beiläufig 900 arme, verlassene Kinder war, denen ich die Taufeertheilte. Es schien, als ob Viele derselben gleichsam auf dieses Glück warteten,um dann sogleich in den Himmel zu fliegen, und Gott durch die ganze Ewig-keit zu loben.
Gott und der seligsten Jungfrau Maria sei die Ehre und unser demüthig-ster, innigster Dank für den Schutz und die erhaltenen Gnaden auf dieser langenund letzten Reise. Nachdem ich zu Lande und auf den Flüssen 8314 englischeMeilen und auf dem Meere 6950 englische Meilen ohne irgend ein bedeutendesunglückliches Ereigniß zurückgelegt hatte, kam ich frisch und gesund zu St. Louis in der Mitte meiner lieben Brüdcr in Jesu Christo an.
Ich bin mit tiefster Hochachtung und aufrichtigster Ergebenheit
Hochwürdigster Vater
Ihr demüthiger und gehorsamsterDienerin Jesu Christop. I. de Smet 8. g.
Die Bedrückung der Kirche in den katholischen Staaten Lm 18.nnd 19. Jahrhundert und ihre Folgen.
(Schluß.)
So ist das stolze Spanien, das unter der Herrschaft freimaurerischer Ideensich dem allgemeinen Sturme gegen die Kirche angeschlossen hatte, aus dessenDrängen vorzüglich Papst Clemens XI V. den Jesuitenorden aufzuheben genöthigtward, von seiner einstigen Höhe zu einer Macht dritten Ranges herabgcsunken.Kaum vom Napoleonischen Joche befreit, ward es der Schauplatz ununterbrochenerRevolutionen und Bürgerkriege, während welcher Kirche und Klerus unterdrückt,