Ausgabe 
20 (7.10.1860) 41
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die Klöster aufgehoben, ihre Besitzungen eingezogen, Mönche und Nonnen demMangel und Elend preisgegeben und aus die Wohlthätigkeit der srommgesinntenGläubigen verwiesen wurden^ Die Priester, die sich dagegen auszusprechen wagten,wurden bestraft und die pflichttreuen Bischöfe, die das Werk der Gewalt anzu-erkennen sich weigerten, in die Verbannung geschickt, so daß der greise PapstGregor XVI. sich veranlaßt fühlte (1842), eine Aufforderung zu öffentlichenGebeten für die bedrängte Kirche in Spanien zu erlassen.

Trotz alledem oder vielleicht gerade deshalb blieb das Land in seiner Ent«Wickelung zurück Wie überall zeigte sich auch hier, daß durch die Beraubungder Kirche und ihrer Institute, für welchen Akt der Gewalthätigkeit die Neuzeitdie euphemistische Bezeichnung: Säkularisation erfunden hat, der allgemeineWohlstand nicht vergrößert worden ist, während die Massenarmuth entschiedenzugenommen hat. Erst in der allerjüngsten Zeit, nachdem die weltliche Machtihren Frieden mit der Kirche geschlossen, macht sich ein Aufschwung zum Besserennach allen Richtungen bemerklich, vorzüglich wohl auch darum, weil der gesammteKern des Volkes sich von fremden Einflüssen abgeschlossen und mit Innigkeit undHerzlichkeit seinem alten katholischen Glauben treu verblieben.

Das angrenzende Portugal dagegen, das katholische Land, in welchem nochjüngst barmherzige Schwestern, jene herrlichen Töchter der christlichen Charitas,denen die ungläubigen Herrscher der Türkei und Perstens ihre Achtung undAnerkennung zu erkennen gaben, denen selbst die wüthenden und blutdürstigenindischen Rebellen, ihrer uneigennützigen Thätigkeit eingedenk, Schonung ange-deihen ließen, wo diese öffentlich beschimpft wurden, Portugal, das Vaterlandder Albuquerque und Vasco de Gama, ist fast aus der Reihe der selbststäudigenStaaten gestrichen und eine englische Colonie geworden, in welcher Ungläubigeund Freimaurer ihre verderbliche Herrschaft führen. Das Volk aber ist verarmt,die Beraubung der Kirche hat es nicht reich gemacht, es ist in Künsten undWissenschaften zurückgeblieben und kaum ein namhafter Dichter ist in der Neu-zeit in dem Vaterlande der Gil Vincente und Camoöns erstanden.

Auch Neapel, deren Herrscher dem Beispiel seiner Bourbonischen Vetternfolgend, sich an dem heiligen Stuhle versündigt, auch Neapel hat dies bis ausden heutigen Tag zu büßen. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts vonRevolutionen heimgesucht, deren Grund allerdings nicht sowohl in der Unzu-friedenheit des Volkes, als in fremden Wühlereien und Umtrieben zu suchen ist,konnte es natürlich nicht zu einer gedeihlichen Entwickelung gelangen, obschonnicht zu läugnen, daß der jüngstverstorbcne, über Gebühr verlästerte und ge-schmähte König Ferdinand, außerordentlich viel für den materiellen Wohlstanddes Landes gethan. Eben jetzt ist der Aufstand, Dank englischer und sardinischerHetzerei, wieder in lodernden Flammen ausgebrochen, und der junge Herrscherwird aller Kraft und Energie bedürfen, um ihn zu unterdrücken, um sich undsein Geschlecht auf dem wankenden Throne zu halten.

Die Regenten Toskana's und Parma's, deren Vorgänger in den Reigender Kirchenstürmer eingestimmt, sind ihres Thrones beraubt und essen das Brodder Verbannung, ihre Länder aber sind die Beute raubsichtiger Abentheurer undRevolutionäre geworden.

Oesterreich endlich, wo man die Kirche durch den starrsten Bureautratis-mus ersetzen zu können vermeinte, auch Oesterreich ist von seinem Schicksal ereiltworden. Die Ereignisse des glorreichen Jahres 1848, und noch mehr der letzteitalienische Krieg, der dem Reiche die Lombardei kostete, sowie die mit dem-selben in engster Verbindung stehenden jüngsten Enthüllungen, haben eine Cor-ruption in den Kreisen jener plumpen, glaubenslosen Bureaukratie erblickenlasten, die wie ein fressender Krebsschaden an dem Mark und Kern des wackerenVolkes nagte und sein bestes Herzblut aussaugte, und die die Wiederherstellung