Ausgabe 
20 (7.10.1860) 41
Seite
325
 
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der Autorität der Kirche im Concordat im glänzendsten Licht erscheinen läßt.Es war dies ein Akt wie der Gerechtigkeit, so der Nothwendigkeit. Denn dieGeschichte hatte gezeigt, daß die autoritätslose Kirche keine Stütze mehr war fürden Thron und daß jener starre Bureaukratismus der Revolution Thür undRiegel öffnete.

Daß die Beseitigung der kirchlichen Obergewalt eben die Fürsten zurRevolution geführt, ist keineultramontane Anschauung," wie man gegenerischer-seits behauptet, sondern eine Thatsache, die von der Umsturzpartei sehr gut ge-kannt und gewürdigt wird. Als Beleg führen wir eine treffende Stelle auseinem Werke Proudhons , an. Der bekannte Socialist spricht sich in seinenBekenntnissen eines Revolutionairs" folgendermaßen aus:Seit undenklichenZeiten war der Staat bestrebt, sich von der Kirche unabhängig zu machen. DasZeitliche hatte sich vom Geistlichen losgerissen. Die Könige als die erstenRevolutionäre kamen dahin, den Papst mit ihrem Eisenhandschuh zu ohr-feigen. Indem das Königthum sich gegen den Papst erklärte, be-trat es den Weg zu seinem Untergang. Indem die Kirche gedemüthigtwar, fand sich das Princip der Autorität an der Wurzel angegriffen; die Ge-walt war nur noch ein Schatten. Jeder Bürger konnte die Regierung fragen:Wer bist du, daß ich dir gehorchen soll? Der Socialismus verfehlte nicht, dieseConsequenz zu ziehen, und wenn er, die Hand auf eine Charte gestützt, welchedas Evangelium leugnete, sich der Monarchie in's Angesicht zur Anarchie, zurLeugnung jeder Autorität zu bekennen wagte: so hat er nur die Folgerung auseinem Raisonnement gezogen, welches sich seit tausend Jahren unter der revo-lutionären Action der Regierungen und der Könige entfaltet hatte."

In diesem tausendjährigen Kampfe des Königthums gegen die kirchlicheObergewalt, hat das erstere nur schwere, unheilvolle Wunden davongetragen,während die Kirche aus all ihren Bedrängnissen in immer erneuerter und ge-steigerter Macht- und Kraftfülle hervorgegangen ist. Und grade diejenigen Herr-scher, welche am gewaltigsten gegen die Kirche anstürmten haben zur Befestigungder Macht und des Ansehens derselben, allerdings gegen ihren Willen am mei-sten beigetragen. So die Hohenstaufen, so Heinrich IV., so Napoleon I. ; sie alleunterlagen der moralischen Kraft des Papstthums, das auch in Gregor XVI . denKaiser Nikolaus, jenen starren, unbeugsamen Czaren, demüthigte, und in demjetzt wahrhaft glorreich regierenden heiligen Vater Pius IX. , auch den Sieg überden zweiten Napoleon und seine Trabanten davontragen wird. In der soglänzend zu Tage gekommenen Anhänglichkeit und Liebe der Gläubigen des gan-zen Erdkreises liegt eine solche Fülle des freudigen Trostes und der Genugthuungfür den so schwer geprüften Statthalter Christi, daß er ungebeugten Muthesallen den Prüfungen und Heimsuchungen entgegensehen kann, die der Herr inseiner Langmuth und Weisheit zum Heile der Kirche zulassen will.

Reflexionen über das Wallfahrten nach Einfiedeln.

(Schluß.)

Vielleicht aber ist die ganze Sache nur eine Täuschung oder gar ab-sichtliche Betrügerei des Klosters, um damit Millionen Pilger und Wall-fahrter nach Einfiedeln zu ziehen, und diesen ihre Spar-Pfennige aus derTasche herauslocken zu können. Vielleicht ist die ganze Sache nur eine speku-lative Spiegelfechterei der Mönche in Einfiedeln. Allein eine Täuschung,könnte sie sich auch bereits 1000 Jahre lang erhalten?! Sollte es möglich sein,daß eine Täuschung während so langer Zeit, von so gelehrten Männern, wiedas Kloster Einfiedeln zu allen Zeiten zählte, nie entdeckt worden wäre? Nein