gewiß nicht! — Oder tonnte es gar absichtlicher Betrug oder eben specu-lativc Spiegelfechterei des Klosters Einsiedeln sein, um durch die Wall-fahrt viele Pilger für das Kloster zu erwerben, wie es die arge Welt und bos-hafte Menschen auslegen, nach dem bekannten Grundsätze der Welt: Nunllu»
vull cwe'ijii, llocllchMui'
Allein bedenke man, welch eine schändliche Verruchtheit ein solcherBetrug wäre. — Betrügen, und zwar wissentlich und mit Absicht undaus ungerechter Gewinnsucht betrügen, und zwar Millionen Menschenund um Millionen Gulden — betrügen im Heiligthume der Reli-gion und dcsGlaubens! wahrlich für die Verruchtheit eines solchen Betrugesgäbe es keine Benennung. Und ein solcher Betrug geschebc durch gelehrte,geachtete, heilige Männer, welche von der katholischen Kirche auch alsHeilige anerkannt worden, und geschehe durch neun Iahrhunderte hindurch!!
Welch' eine höllische Verruchtheit wäre dies nicht! Wer dürfte eine solcheeinem Institute zutrauen, welches seit Jahrhunderten sich den Ruhm der Ge-lehrsamkeit, Frömmigkeit und Wvhlthätigkeitbewahrt hat, und man-chem Sturm trotzte, und aus mancher Niederlage sich wieder erhob?! — Neinsolche Scheusale von Volksbetrügcrn können keine in einem Institute wohnen,dessen Zweck und Bestreben nur Heiligung seiner selbst und der Nebenmenschenist! --- Wenn es aber so ist, wenn jenes Ereigniß der wunderbaren ja gött-lichen Einweihung der Capelle im Kloster zu Einsiedeln , weder ein Traumoder bloße Vision und noch viel weniger absichtlicher Betrug oder speeula-tive Spiegelfechterei von Seite des Klosters sein kann, was bleibt dannAnderes übrig, als anzunehmen und zu glauben, daß dasselbe in der Thatund Wahrheit das gewesen sei, für was es Jahrhunderte gehalten wurde,nämlich eben eine wunderbare, ja göttliche Einweihung jenerCape lle durch Christus und seine hl. Engel, um welcher willen die Sacheeben Engel weihe genannt wird. — Da es aber so ist, — für was müssenwir wohl jene geheiligte Stätte halten, und was sollen wirdort thun?
Müssen wär jene heilige Capelle nicht für eine Hütte Gottes bei denMenschen halten, von welcher der hl. Johannes in seiner geheimen Offen-barung schreibt: „Sieh da die Hütte Gottes bei den Menschen! Er„wird bei ihnen wohiren, und sie werden sein Volk sein, und Er der Gott mit„Ihnen, wird sein Gott sein. Er wird abwischen alle Thränen von ihren Augen,„und es wird nicht mehr sein Jammer und Klage und Schmerz." Osfenb. 21.10.
Wenn es aber so ist, wie es wohl zuverlässig ist — dürsten wir unswohl schämen, in jene Hütte Gottes zu pilgern und zu wallfahrten? Ja wermöchte nicht gerne, wohnen in der Hütte Gottes bei den Menschen? — Undwas sollen wir in derselben vorzugsweise thun? Ach müssen wir nicht unsfreuen der Güte und Menschenfreundlichkeit unsers Herrn und Gottes,welcher sich würdiget zu uns zu kommen und Wohnung unter uns aufzuschlagen?Und müssen wir nicht anbetend preisen die Erbarmung und Lieb'eunseres Gottes, daß Er uns in dieser Seiner Hütte eine Zufluchtsstätte in jederNoth und eine Trostquelle in jeder Betrübniß des Leibes und der Seele an-gewiesen hat. Und sollen wir nicht die angebotene Erbarmung und Gnade vonOben dankbar annehmen und anwenden zu seiner Ehre und unsermHeile, und aus dem Uebermaße seiner Erbarmung durch die vermittelnde Für-bitte seiner Mutter, schöpfenVergebung, wenn wir gesündiget haben, Kraft,wenn wir schwach find, Muth, wenn wir gedrängt werden durch Leiden undVerfolgung, Trost, wenn Unglück uns drückt und Heil und Segen in zeit-lichen und ewigen Dingen. Ja hört, der Herr ruft aus jener Capelle uns ent-gegen: „Kommet zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid,