Seele ausgestorben, nur der eine, kindlichstille, himmlischklare Sinn lebendig, demgöttlichen Heilande in strenger Abtödtung zu dienen, und den Hauch der Gnadedurch alle Thäler ihrer neuen Heimath zu verbreiten.
Ihre weibliche Dienerschaft wählte sie ausschließlich aus Edelfräulein desTirolerlandes, sie anhaltend zu fleißiger Arbeit, übend in heiliger Zucht, daszukünftige Glück ihrer Ehe bewachend, die untugendhaften Bewerber zurückstoßend.
Dadurch wurde im weiblichen Geschlechte des eingebornen Adels die altelernhafte Frömmigkeit wieder eingepflanzt, und durch den göttlich erneutenFraueneinfluß unberechenbare Vortheile für die Versittlichung verwildeter Ge-müther begründet. Alle Armen fanden an ihr die zärtlichste Mutter, und anjede fürstliche Gabe war die Ermahnung geknüpft: „O Kinder! Lieber hundertMal sterben, als eine Todsünde begehen!" Der Ruf: „Lieber hundert Mal ster-ben, als eine Todsünde begehen!" scholl durch's ganze Land, geweiht durch denwarmen Liebeshauch der Landesmutter, bestärkt durch die H^jligkeit und Reinheitihres Beispiels, eine Gottesmacht für alle noch nicht erstorbenen Herzen, ent-wurzelnd die Sündenlust, himmlische Begeisterung für die Tugend weckend. Siespeiste selbst täglich zwölf arme Weiber, ihre Füße waschend, ihre Wunden küssend,sich selbst vernichtigend im Liebesdienste gegen diese kostbaren Glieder des LeibesChristi, in dieser selbstgewählten Vernichtung des menschlichen Stolzes eine Pre-digt zur Buße für den ganzen Hofstaat, die eindringlichste, siegreichste Lehre derDemuth gegen die Prunkliebe und Schwungsucht der Großen in der damaligenZeit. In allen Leiden dieser Erde war sie empfindunglos gegen die Bitterkeitenweltlicher Anfechtung, emporgerichtet an's Kreuz ihres Erlösers, vertieft in dieSchmerzen ihrer himmlischen Mutter Maria. Ihr Beichtvater war Joseph MariaBracht, ein italienischer Capuziner, von Mantua gebürtig, daher der Fürstin vonJugend auf werth, ein Mann von schlicht .einfältigen Sitten, gebildeter in derSchule der Leiden Christi, als in weltlicher Wissenschaft, arm und abgelöst vonaller Anhänglichkeit an diese Welt. Mit ihm sprach sie oft von göttlichen Din-gen, versunken in die Wonnen und Schmerzen heiliger Liebe zu JesuS , unseremHerrn. — ,
(Schluß folgt.)
Bon der wahren Weisheit.
6. „Die Wurzel der Weisheit ist die Furcht des Herrn" ruft Sirach, 1, 25.Die Blüthe der dem Sterblichen möglichsten Vollendung in der Weisheit indeß wirb dieLiebe zum Herrn sein. Dafür spricht der Unterschied zwischen der übernatürlich unvoll-kommenen und natürlich vollkommenen Reue in ihrem Wesen, ihrer Folge. Beide sindübernatürlich, weil sie sich auf Gott beziehen. Die erste indeß ist unvollkommen obihres Ausflusses aus der Furcht des Herrn, der den unbekehrten Sünder einstmit ewiger Strafe belegen wird; die zweite aber vollkommen ob ihres Ursprungesin der Liebe, welche den reuigen Sünder mit unermeßlichen Wohlthaten über-häuft hat. Nur diese Reue, nicht auch die unvollkommene kann uns Sünden-verzeihung erwirken, wenn wir ausser der Möglichkeit einer giltigen Beichtable-gung und im ernsten Vorsätze aufrichtiger Besserung uns befinden. Wie nun,die Liebe zu Gott stünde in der Reue ob unserer Missethaten über, in der Aus-übung verdienstlicher Werke aber unter der Furcht des Herrn?
Nedacm» uno Verlag : Dr. M. Hatt! er. — Druck »o» I. M. Äleinlr.