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14. October 1860.

Das Augsburger SonntagSblatt (Sonntags-Veiblatt zur Augsburg er Post«Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Die sichere Bucht.

Da grause Stürme wüthend droh'nDein Lebensschtfflein zu zerschellen,

Das wild erfaßt der Gruiim der Wellen,

Daß schier die Rettung Dir entfloh'»:

Such' ungesäumt dem Schiffbruch zu entrinnen,Die sichre Bucht der Kirche zu gewinnen!

Da rief der Hoffnung Anker aus,

Daß in des Glaubens tiefem GrundeEr wurzelt, und zu günst'ger StundeDir winkt der Liebe gastlich Haus,

In dem willkommen Du mit sel'gen GabenFroh magst am reichen Mahle dich erlaben!

__ I. B. Tafratshofer.

Die Schaumünze.

(Erzählung.)

6. Stolz vom Bertze herabschauend, beherrschte Schloß Waldegg, welchesfrüher einer adeligen Familie angehört hatte, und nunmehr die Wohnung einesAmtmanns bildete, das im Thäte liegende Dörfchen. Jost so hieß der Be-wohner des Schlosses war im Amtsrocke ein treuer Diener des Staates, imWirthshausrvcke der Freund und Rathgeber Aller, im Schlafrocke der liebens-würdigste Familienvater. Seine Gattin, eine ehrwürdige Matrone, lebte undwebte nur für Gatten und Kind. Fritz, der Sohn, trat nicht in die Fußstapfenseiner braven Eltern. Er hatte die Hochschule der benachbarten Stadt bezogen,sich zu einem tüchtigen Beamten im Rechtssache heranzubilden; allein die aus-schweifenden Lustbarkeiten seiner Studienfreunde ließen ihn nicht selten den Ernstdes Lebens vergessen. Marie, seine ältere Schwester, war still und einfach, wiedie sie umgebende ländliche Natur, und seltsamer Widerspruch eines demüthigenHerzens! was sie zu besitzen selbst nicht wähnte, das suchte sie mit sorgfäl-tigem Eifer zu vervollkommnen: einen Wandel im frommen Glauben und inEinfalt der Sitte. Von ihrem Schwesterchen Emma galt der Ausspruch desgöttlichen Kinderfreundcs:Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer istdas Himmelreich. Fürwahr! der Himmel der Unschuld strahlte in ihr Herz, ausihrem Auge. Das fühlte der mit freundlichem Gruße Bedachte, wenn sie denBergabhang hinab an ihm vorbei zum Schulbesuche eilte. Diesen Abhangschmückte ein Kirchlcin, Tags über dem frommen Beter offen. Nie ging die Kleineden Weg zur Schule, oder nach Hause ohne Einsprache in der Capelle. In derSchule ward zwar auch gebetet, und, wo Zwei oder Drei in meinem Namenversammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen hatte nach des PfarrersLehre der Herr gesprochen. Dennoch ließ sich's allein traulicher mit dem Gottes-kiude schwatzen. Die uns Begegnenden muß man freundlich grüßen hattedie Mutter gesagt. Warum sollte man den lieben Herrgott nicht besuchen dür-fen, wenn man an seinem heiligen Hanse vorüberkam?

Ihrer frommen Gewohnheit gemäß hatte Emma einst an frühem Morgendie Kirche kaum betreten, als sie mit einem Schreckensrufe dieselbe hastig wie-derum verließ.