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Edelsteine hatte sie abgelegt, ein schwarzes Bnßkleid umhüllte ihre Glieder, siesetzte sich zur schmerzenreichen Mutter Maria , aufathmeno in gläubiger Andacht,sie wählend zum Vorbilde in der Trauer um ihren göttlichen Sohn. „Diese —>sagte sie — war in der Jugend meine Lust, in der Ehe mein Trost, und sollmir im Wittwenstande der einzige Ruhm, der Gegestand meiner besonderen Ver-ehrung sein." Die Hofbetten verschwanden, zellenhaft klein und schmucklos standihr zurückgezogenes Schlafgemach. Sie betrieb mit allen Hausgenossen die täg-liche Handarbeit auf das Eifrigste. „Es gibt nichts köstlicheres, als die Zeit —war ihr Grundsatz — diese ist das heiligste Kleinod aller frommen Seelen.Der Arbeitsame, trotz aller Anfechtung des Teufels, er lebt in der Ruhe einesguten Gewissens!" Ihre Marienliebe kannte keine Gränzen. „O süße MutterGottes! - betete sie ohne Unterlaß — wüßte ich nur, was Dir angenehm ist,mit Freuden wollte ich es thun! Alles, Alles will ich Dir geben, selbst das Herzaus meinem Leibe!" Zu Fuße besuchte sie die umliegenden Andachtsstätten derallerseligsten Jungfrau, Mils, Loretto bei Hall, Wiltau, Waldrast und andere,dem gemeinsten Volke gleichgestelt und durch ihre Demuth jedes christliche Ge-müth erbauend. Selbst die Tadelsucht der Andachtlofen entwaffnete ihre Sanft-mut!), ihr mildes Wesen, , ihr menschenfreundliches Vergessen aller Unbild. Imeigenen kleinen Hofhalte war sie die lauterste, herablassendste Liebe, sie bedientein eigener Person die Kranken, reinigte ihre Wunden, erquickte ihre Seele mitfreundlichen Zusprüchen. Ost wirkte die von ihr bereitete und dargereichte Arzneiwunderbare Heilung, denn die Gnade Gottes war mit ihr. Besonders liebe-voll stand sie am Bette der Sterbenden, ihren Todeskampf segnend, ihn erleich-ternd mit dem Gebete ihres reinen Herzens.
Mit dieser gottseligen Lebensweise nicht zufrieden, gespornt vom Gluthaucheder wachsenden Gottesliebe, gründete Anna Juliana schon im Jahre 1606 dassogenannte versperrte Kloster fürJungfrancn im Stadtsaggen zu Innsbruck , und bautedaran ein Regelhaus für Wittwen, in welches letztere sie selbst eintrat, entschlossen,ganz der Welt zu entsagen und dem armen Erlöser zu folgen in strengster Los-sagung vor allen zeitlichen Dingen, nach der Regel der Dienerinnen Mariens,die sie aus Italien nach Deutschland verpflanzte, unter der geistlichen Obhut derVäter des nämlichen Ordens, denen sie zu Innsbruck das Kloster des heiligenJoseph stiftete. Die Jungfrauen waren durch bleibende Gelübde lebenslänglichgebunden, die Wittwen als sogenannte-Drittordensschwestern durch einfache (Belo-bung ihnen beigefügt.- Von Anna Juliana's Töchtern war Eleonore in früherJugend gestorben, Anna heirathete den König Matthias, und Maria folgte ihrerMutter in die jungfräuliche Klosterstille. Der Eintritt erfolgte im Jahre 1612.Man sammelte sich am 1. Juni in der Pfarrkirche, sieben Jungfrauen, fünfWittwen, die Stisterin und ihre Tochter. In feierlichem Zuge, der von geist-lichen und weltlichen Würdenträgern, von allen Zünften der Bürger und vielenAnderen geleitet war, schritt man nach dem Kloster. Die sieben Gottesbräutewaren alle in Weiße Seide gekleidet, mit einem blauseidenen Baude um die Mittegegürtet, und trugen eine Lilie in der einen, ein Kreuzbild in der andern Hand,aus der Finsterniß irdischer Eitelkeit eilend zur Hochzeit mit dem himmlischenBräutigam. — Hierauf erfolgte in der Ordenskirche die Einkleidung. Als AnnaJuliana vor allem Volke erschien, in schlichtem Gewände, thränennaß von An-dacht und Liebe, brachen alle Gegenwärtigen in Thränen aus; denn es war dieEitelkeit des Lebens gerichtet durch die Demuth und Weltverachtung der Erz-herzoginnen. Nach der Einkleidung kam die Nachricht, daß ihre Tochter Annazur Königin gekrönt sei. „Wohlan! — rief Juliana aus — erfreue dich, meineTochter, der Kaiserkrone, und der Segen Gottes möge dich stets mit himmlischenGnaden überströmen! Ich Lrfreue mich mit herzinniger Lust meines Schleiers,womit mich die allerseligste Jungfrau Maria gekrönt hat!" Sie entsagte sofort