Ausgabe 
20 (21.10.1860) 43
Seite
337
 
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21. Oktober 1860.

DaS Augsburg er Tonntagsbkatt (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 er., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

»il Hei.

Laß, Herr, mich den Altar betreten,Auf dem Du als das reinste LammDich opferst zu der Menschen HeileWie dort am blut'gen Kreuzesstamm!

Wie soll ich Armer es erfassen,

So hohen Reichthums werth zu sein,Daß Du zum höchsten, reichsten MahleDen armen Sünder ladest ein?

O daß die Brust von Andacht flammteWie dort die reinen Kerzen glüh'n:

Daß ich mir heiligem Ernst mich möchteMelchisedech zu sein bemüh'n!

So gieße, Herr, der Liebe SchaaleHinein in Deines Dieners Herz,

Daß es von des Altares StufenEntschwebe selig himmelwärts!

I. B. Tafrathshofer.

Die Schaumünze.

(Erzählung.)

(Schluß.)

Die Wünsche des Amtmanns und seiner frommen Gattin schienen sich be-wahrheiten und für die Familie selbst segensreich werden zu wollen. Finnerwar ein fleißiger Arbeiter, ein stiller und ernster, aber dennoch freundlicher Haus-genosse. Dies Benehmen erwarb ihm nicht nur die Achtung aller Familien-angehörigen des Herrn Jost, sondern auch die Liebe Mariens, welche in der vonihren Eltern vollkommen gebilligten Wahl dieses Mannes die Bürgschaft ihreskünftigen Lebensglückes zu erblicken glaubte. Allein der Becher des Leidens,welchen Gott seinen treuen Anhängern schickt, sollte auch von der christlichenFamilie des Amtmanns gekostet und bis zur Hefe geleert werden.

Von des Amtmanns Zimmerchen, dessen Fenster die Aussicht in den Gartengewährten, tönte eines Tages ein so heftiger Lärmen, daß Marie und August,im Garten beschäftigt, voll Schrecken in's Gemach des Vaters eilten. BruderFritz war von der benachbarten Stadt gekommen und umklammerte heftig desAmtmanns Kniee.Vater!" rief erNur diesmal hilf mir noch!Meine Ehre, meine Freiheit ist verloren."

Ein Spieler kennt weder Freiheit, noch Ehre" versetzte Herr Jost miternstem und anscheinend festem Tone.Dir nochmals helfen und zwar miteiner so großen Summe von fünfzig Gulden hieße Deine Schwestern bestehlen."

Väterchen!" fiel Marie in die Rede.

Still, Kind! Glaubst Du: ich würde Dir erfüllen, was ich DeinemBruder abschlagen mußte?"

Stehlen! das ist das rechte Wort" sagte Fritz mit bitterm ToneIch muß den Vater bestehlen, welcher mir meine Ehre rauben will."

Ein strenger Blick des Amtmanns bannte die Verlobten aus dem Zimmerund dem Sohne das Wort auf die Lippen.Ungerathener!" rief der alteJostAus meinen Augen I"