Ausgabe 
20 (21.10.1860) 43
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lichen Aeußerung von ihm, weil mir der Eifer keine Ueberlegung gönnte, undweil ich das in der That für unmöglich hielt, was schon durch das Wort mirdie Zornsröthe, meinem Sohne leider nicht die Schamröthe in's Gesicht trieb.Bei meiner Rückkunft war Fritz noch da, und stand, wie ich mich nun genauentsinne, gerade vor meinem Bette."

Dein Gedächtniß ist grausam."

Aber treu. Ferner: wer kennt den ausnahmsweisen Versteck der Schlüsselunter meinem Kopfkissen?"

Niemand, ausser mir und Deinen beiden ältern Kindern, falls ihn nichtMarie Finnern entdeckt hat."

Was ich sogleich erfahren werde." Jost öffnete das Fenster und riefseiner im Hofe beschäftigten Tochter. Marie erschien.Hast Du je" fragteer sie strengFinner den Gewahrsam meiner Lasse schlüssel gezeigt?"

Um des Himmels Willen! Was ist geschehen?"

Du sollst antworten."

Bei Allem, was mir heilig ist, nie. Aber, Vater! sprich doch!"

Geh!" Marie wollte gesenkten Auges gehorchen. Da winkte ihr derVater zurück.Geh Kind!" sprach er mit erkünstelter FreundlichkeitSpäter erfährst Du Alles."

Kleinlaut fragte Johanna ihren Gattin:Weißt Du gewiß, daß sonstNiemand im Zimmer war?"

Ich weiß gerade das Gegentheil."

Ein leiser Hoffnungsstrahl belebte die Brust der armen Mutter.

Als ich aus Fritzens Schlafgemach zurückgekehrt war, traf ich August imGästezimmer."

O Gott!" schluchzte Frau JostEntweder eine schreckliche Ver-gangenheit des Sohnes, oder eine düstere Zukunft für die Tochter!"

Fürchte Nichts für Marien! Finner kennt nicht den Versteck meinerSchlüssel, Fritz kennt ihn; Finner war nur die kurze Zeit im Cassezimmer,welche ich in meines Sohnes Schlafzimmer verweilte, Fritz aber lange, sehr lange.Zudem fehlen fünfzig Gulden, genau die von meinem Sohne geforderte Summe,Finner aber kam, seine geringe Baarschaft zur Unterstützung anzubieten. Fritzist ein Verschwender, August lebt sparsam."

Halt' ein! Ich muß das Schuldig sprechen. Was indeß willst Duthun?"

Meine Pflicht als Staatsdiener und als Vater: den traurigen Vorfallverschweigen, die Summe ersetzen, den reuigen Sohn zwar hart strafen, aberdennoch an die Vaterbrust drücken, den verstockten hingegen nach Amerika senden,damit ihn das Elend bessere."

Und ich will in die Kirche gehen, und Gott bitten, daß er das Herzmeines Sohnes und sein Geschick zum Guten wende" Frau Jost wankte zurThüre. Bei'm Oeffnen gewahrte sie Emma. .Du hast Alles gehört?"fragte sie erschrocken.

Nur, daß Fritz gestohlen haben soll" entgegnete die Kleine. Drohenderhob der Amtmann die Hand.

Züchtige mich, Vater! weil ich Strafe verdiente, aber schone den schuld-losen Fritz!"

Wer sagt Dir das?"

Mein Herz. Mutter! laß mich in's Kirchlein gehn! Das Jesukindwill ich bitten, daß es den Dieb nenne, will ihm versprechen, recht brav zu sein,es lieb zu haben, wie Euch und Marie und Fritz. Gewiß! dann schlägt mirdas heilige Christkind Nichts ab."

Du gutes Mädchen I Laß ja kein Wort über Deine Lippen kommen!"