her viel tausend Geistliche in die Verbannung zogen, oder ihr Leben der Pflicht-treue opferten und des Martyrertodes starben. Der ehrwürdige Pfarrer vonSt. Agatha las das Schreiben bedächtlich, sah, daß es nichts von Lehre undSeelsorge, wozu er doch eigentlich berufen war, enthielt, und daß es keineswegsvon seinen rechtmäßigen Obern ausgegangen sei; daher gab er das Papier zu-rück ohne den Schwur zu leisten. Daß er aber seine Pfarrkinder deßhalb ver-lassen sollte, kam ihm nicht einmal in den Sinn.
So blieb er also in St. Agatha und verrichtete ferner was seines Amteswar, als ob gar nichts Ungewöhnliches vorgefallen wäre.
Unterdessen erregte jener Befehl von der Revolutions-Obrigkeit, vermögewelchem alle Priester den Eid der Treue schwören sollten und wogegen die mei-sten derselben sich erhoben, in vielen Departements bedenkliche Unruhen. Be-sonders war dies in den westlichen Provinzen der Fall. Hier, wo sich vieleGeistliche geweigert hatten den ungerechten Eid zu leisten, ließ die Regierungdieselben einziehen und ins Gefängniß werfen. Dagegen aber stellten sich anvielen Orten die Gemeinden und vertheidigten ihre Priester; entschlossen, Blutund Leben für ihre geistlichen Führer zu geben, rotteten sie sich bewaffnet zu-sammen, bildeten Vereine mit Nachbargemeinden, und hin und wieder mußtendie Gerichtsdiener unverrichteter Sache abziehen. Da bot die Regierung, um denTrotz der Ungehorsamen zu bändigen, Truppen auf und ließ sie gegen die Bauernmarschiren. Da geschah manche Unthat, manche Flamme röthete den Himmel,manches Saatfeld wurde zerstört, manches unschuldige Blut vergossen. Langeund weitausgedehnt bildete sich der Widerstand aus, und die Flamme konnte nurmit vielem vergossenen Blute gelöscht werden. Den Truppen gingen besondersbeauftragte Commissäre voran. Einer derselben kam nach Niort .
Dieser Unmensch war einer von den Vielen, die sich durch blutige That,durch Gewaltstreiche bei der Regierung Kredit erwerben und zugleich die Auf-rührer einschüchtern wollten; er ließ einen Priester um den andern ins Gefäng-niß werfen und setzte Preise auf den Kopf der entflohenen. Auch der ehrwürdigePfarrer Leonhard sollte der Acht nicht entgehen, und ehe er sich's versah, wurdeihm eines Abends die Anzeige gemacht, es werde Tags darauf eine CompagnieFreiwilliger unter Anführung des jüngst in Niort eingesetzten Beamten anrücken,um ihn zum Eid zu zwingen. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Hüttezu Hütte, die Bewohner thaten sich zusammen, Drohungen gegen die Soldaten,vermischt mit Jammern und Klagen, hörte man allerwärts. Die Männer warenentschlossen, Gewalt gegen Gewalt zu brauchen, selbst Weiber und Kinder schlössensich den Tapfern an: Sie sollen es wagen, unsern alten ehrwürdigen Pfarrerwegzunehmen! Wer würde uns von Sünden lösen? Wer uns das hochheiligeSacrament reichen? Wer sollte uns auf dem Todtenbette die letzte Oelung geben?Ach! nicht mehr könnten wir dem h. Meßopfer beiwohnen! Nicht mehr das WortGottes hören! Während die Einen weinten, riefen die Andern: Wer soll unsdann trösten, wer soll uns rathen, wer in dem Anliegen unserer Seele helfen?Er hat uns ja getauft — in der h. Religion Jesu unterrichtet, uns die Los-sprechung ertheilt, und so oft haben wir das h. Sacrament aus seinen Händenempfangen. — Ja, wie oft hat er uns auf der Kanzel gebeten, recht fromme,gute, liebevolle Christen zu sein, das reine Herz stets zu bewahren, damit wireinst Alle Gott anschauen. Wie rührend waren nicht seine Worte am Kranken-bette! — Nur über unsere Leichen geht ihr Weg zu seinem Hause! Wir lassenihn nicht aus unserer Mitte, riefen Alle, den Priester des Herrn — wir wollenmit unserm Hirten leben und sterben!
Der Pfarrer vernahm den Tumult auf der Gasse und Plötzlich trat erhinaus unter seine Kinder und mit wenigen Worten wußte er sie wieder zu be-