Ausgabe 
20 (21.10.1860) 43
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Jahre 1705 bezüglich der englischen Fräulein. Wenn aber dennoch später reli-giöse Frauen-Jnstitute von der Kirche approbirt wurden, wie z. B. im I. 1819die von der Jeanne-Antide Thouret gestiftete Genossenschaft barmherziger Schwe-stern, so ist diese Approbation, im Unterschied von der Approbation eines Ordens,nur als das Resultat der über den Zweck und die Moralität eines Institutesangestellten Untersuchung, gleichsam als der richterliche Aussprnch zu betrachten,durch welchen die höchste kirchliche Autorität erklärt, daß die nach klösterlicherArt lebende Genossenschaft erlaubt, fromm, lobwürdig sei und geeignet, die sichihr Anschließenden zum ewigen Heil zu führen, ohne ihr jedoch das eigentlicheOrdenswesen mitzutheilen.

So gelangten die Mitglieder derartig approbirter Frauen-Jnstitute in eineMittelstellung zwischen dem Laien- und Ordensstande, und finden darum auchverschiedene Bestimmungen des Kirchenrechts und Decrete der allgemeinen Kirchen-versammlung von Trient z. B. über Clausur und Bestrafung der Clausur-Verletzung,über die Bestellung eigener Beichtväter durch den Bischof rc., die für die eigent-lichen Ordensfrauen gelten, auf die Mitglieder der neueren Institute keineAnwendung.

So viel zur Feststellung des Unterschiedes zwischen den ältern und neuerenreligiösen Frauen-Geuossenschaften. Sinv indeß die letzteren auch keine wirk-lichen Orden, so ist ihnen damit von ihrer hohen Bedeutsamkeit für die Gegen-wart Nichts genommen. Ziel und Ende des klösterlichen Lebens war von jeher:bei dem Ausbau des Reiches Gottes aus Erden in thatenreicher Weise mitzu-wirken; zur Erreichung des großen Zweckes der Erlösung und Heiligung in denvielen Hilfsbedürftigen durch Pflege der Kranken, durch Unterstützung und Trö-stung der Armen und Betrübten, durch Unterricht des Nächsten hilfreiche Handzu bieten, durch Uebung der Buße und eifrige Selbstheiligung den Herrn zuverherrlichen. Und gerade das wollen ja auch die neueren religiösen Frauen-Jnstitute.

(Schluß folgt.)

Von der Lauheit.

6.Weil Du lau, weder kalt, noch warm bist, so will ich Dich aus mei-nem Munde ausspeien." (Off. 3, 16. Röm. 12, 11.) Wer Gutes zu thunweiß und nicht thut, dem gereicht es zur Sünde. (Jak. 4, 17.) Diese zweiStellen predigen laut gegen die Lauheit im Guten. Massillon, ein gelehrterGottesmann, äußerte in seinen Schriften, daß es nicht genüge, keine Sünde zubegehen, sondern daß man auch Gutes thun müsse. Betrachte, o Mensch! einkleines Kind! Kann es gedeihen, wenn nur die schädlichsten Einflüsse von ihmferne gehalten werden und es das Nöthigste empfängt? Und Deine Seele? Siewandelte im Lichte der Auserwählten, wenn sie nur frei bliebe von schwererDergehung, wenn sie zufrieden sein müßte mit der spärlichsten Gnadennahrung?Diese Wahrheit beherzige, o Sterblicher! der Du nicht Mörder, nicht Ehebrecherbist, und nur einmal des Jahres das Brod des ewigen Lebens genießest!

R-dacti-n un» D-rla,: Dr. M. Huttlcr. Druck ,»» 2. M. Kl-inlc.