Ausgabe 
20 (27.10.1860) 44
Seite
345
 
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Mr. 44. 27. Oktober 1860.

DaS Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle k. baycr. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Vorn Urtheile über Predigten und geistliche Betrachtungen.

O. Unser göttlicher Lehrmeister spricht im Gleichnisse vom Säemann nurüber die Befolgung, nicht auch über die Art und Weise der Anhörung seinesheiligen Wortes. Ein Sittenspruch lehrt:Gottes Wort und gute Lehren mußman üben, nicht blos hören." Wie aber der Glaube den Tugenden die sieheiligende Grundlage verleiht, so kann auch nur die richtige Erkenntniß desWortes Gottes die Quelle seiner richtigen Befolgung bilden, und diese Erkennt-niß des Wortes selbst wieder wurzelt in der richtigen Anhörung oder Lesungdes göttlichen Wortes. Diese richtige Anhörung oder Lesung nun besteht inder einfachen Regel:Stelle Dich nicht über das Wort des Herrn durch vor-eilige Urtheile von seinen Verkündern, von der Fassung der vorgetragenenWahrheiten, sondern unterordne Verstand und Herz diesem göttlichen Wortedurch demüthige Beziehung auf Dich selbst!"

Christus lehrte seine Wahrheiten in einfachen Gleichnissen oder in ganzschmucklosen Sätzen. Warum verlangst Du eine Llnmenreiche Sprache, oderkünstliche Schlüsse?

Die Wahrheiten Jesu bilden das göttliche Wort, und dieses Wort sollFleisch werden im menschlichen Leben, wie es Fleisch geworden im Leben desGottmenschen. Christus wollte leiden für uns; wir müssen leiden unser selbstund Christi willen. Wenn schon die bessern Schulen der heidnischen PhilosophenEntsagung predigen, so sollen auch wir der treuern Nachfolge Jesu willen,welcher die heidnischen Mächte überwunden hat, neben den verhängten Prüfungennoch freiwillige Leiden uns auferlegen. Rauh also und den Sinnen abholdist der Weg durch's irdische zum ewigen Leben in zweierlei Hinsicht; die Worteaber, welche uns den christlichen Wandel auf diesem Wege lehren sollen, dürftenglatt sein und in üppiger Bildersülle den Sinnen .schmeicheln? Wäre da keinWiderspruch zwischen Inhalt und Form, kein Gegensatz zwischen dem beschauendenLeben im Hause des Herrn und dem werkthätigen Berufe im Getriebe derWelt? Oder willst Du gar in Worten der Entsagung auf Erden, die DeinePhantasie bestechen, Deinen Selbstmuth heben, den Vorgeschmack kosten des Ge-nusses im Himmel, einen sinnlichen Vorgeschmack für einen übersinnlichenGenuß?

Die katholische Religion ist ein Ausfluß Gottes. Ihre Worte wurzelnin der göttlichen Weisheit, ihre Thatkraft aber und Leidensstärkc im Wirken undduldenden Gehorsame bis zum Kreuzestode unseres erhabenen Mittlers. Wennnun Gott der Urquell alles Schönen ist, wie, der edelste Ausfluß dieser Quelledürfte seinen Ursprung verleugnen durch Mangel an wahrhaft geistiger Schön-heit und Lieblichkeit? Vergleichen wir die Physische Weltschöpfung und die gei-stige Schöpfung der Kirche! Die erste ist dem Gesetze der Vernichtung in ihrerGesammtheit wie in ihren einzelnen Theilen unterworfen, die zweite kennt eineewige Fortdauer für sich und ihre Glieder in der triumphirenden Kirche. Die