furchtbaren Uebel, die so viel Elend erzeugten und so viele Hilfsbedürftige her-vorbrachten, daß selbst Staatsgewalten, die nichts weniger als religiösen Ge-sinnungen huldigten, sich für unfähig erkannten, den immer mehr anwachsendenUebeln zu steuern und religiöse Institute der katholischen Kirche zu Hilfe riefen.Darum sind Unterricht und Erziehung, wodurch der meistens auch zur wirth-schaftlichen Verarmung führenden Geistesarmuth gesteuert wird, und leiblichePflege, welche zunächst die Leiden des Körpers in den Armen und Kranken zulindern bestrebt ist, die beiden Hauptaufgaben, welche die neueren Frauen-Jnsti-tute zu lösen bestrebt sind.
Und so vielartig auch die Seiten der Noth sind, welche die genannte Doppel-armuth im Gefolge hat, keine bleibt von der zum religiösen Enthusiasmus ge-steigerten Nächstenliebe dieser Institute unberücksichtigt. Seien es Findelhäusec,welche jene unglücklichen Geschöpfe aufnehmen, die sonst dem Laster und demElend preisgegeben sind, oder Krippcnanstalten, Kleinkinderbewahranstalten, Volks-,Feiertags-, Töchter-, Industrie-Schulen, Waisenhäuser, Rettungsanstalten, Zuftuchts-Häuser junger Mädchen, Corrections-, Irrenhäuser, Strafanstalten, Versorgung^Häuser — endlich noch die große Masse jener, welche irgend eine von den tausender-lei menschlichen Krankheiten auf das Schmerzenslager niedergestreckt hält, sei esin Hospitälern, Krankenanstalten, oder in Privatwohnungen vom leichten Fieber-kranken anfangend bis zu den mit jenen ekelhaften Krankheiten Behafteten, vordenen selbst eine heroische, abgetödtete Natur in natürlicher Scheu zurückbebt,alle habe die neueren religiösen Frauen-Jnstitute zum Felde ihrer Thätigkeit er-wählt. Und dieser Zweck soll erreicht werden nicht blos in reichen Städten,sondern selbst in armen Dörfern und Flecken.
Die religiösen Frauenorden der früheren Zeit huldigten zumeist der betrach-tenden Richtung. Fern von dem Geräusche der Welt, in stiller Beschaulichkeit,wollten die Jungfrauen Gott dienen und ihrem Seelenheile leben. Zwar wurdedie Erziehung von Mädchen nicht ganz vernachlässiget, aber es fand dieß nurunter gewissen Beschränkungen statt. Großartiges leistete in dieser Beziehungseit dem 12. Jahrhundert der unter dem Namen Beghuinen bekannte klösterlicheVerein frommer Jungfrauen und Wittwen, die in mancher Beziehung mit denneueren religiösen Frauen-Jnstituten Ähnlichkeit haben. Es wird von ihnengerühmt, daß sie als Beschützerinnen ihres Geschlechtes, als Krankenpflegerinnenund Erzieherinnen, sowie durch Frömmigkeit, Fleiß und Ehrbarkeit Achtung undTheilnahme sich erwarben. Leider versäumten sie, durch rechtzeitige Annahmeeiner von der Kirche approbirten Ordensregel ihrem Werke eine bestimmte Rich-tung und gesetzliche Unterlage zu geben; manche von ihnen drängten sich all-mälig in eine ihrem Berufe ganz fremde Sphäre, und zogen sich den gegrün-deten Verdacht religiöser Schwärmerei und eines unsittlichen Lebens zu, waSihre Auflösung an vielen Orten zur Folge hatte. Glücklicher war später in demVorhaben, die Erziehung des weiblichen Geschlechtes zu übernehmen, die vonder heil. Angela Merici gegründete Gesellschaft der Ursulinerinnen. Ihr Bei-spiel blieb nicht ohne Einwirkung auf andere wirkliche Frauenklöster.
Die Stätten des leiblichen Elends hat die'Kirche von jeher als diejenigenbetrachtet, aus denen sie ihrem göttlichen Berufe gemäß mit der Allgewalt ihrerLiebe helfend, tröstend und erquickend sich erweisen sollte. Es läßt sich wohlannehmen, daß jene, vom kirchlichen Geiste so tief durchdrungenen, reinen Seelen,welche gegen das vor dem Bischöfe abgelegte Gelübde immerwährender Keusch-heit von diesem zu gottgeweihten Jungfrauen eingesegnet wurden, und die wirals die ersten Knospen des später in reicher Blüthenpracht sich entfaltendenweiblichen Ordensleben begrüßen, jener liebenden Fürsorge der Kirche für dasleibliche Elend der Menschen sich nicht entzogen haben werden. Und so findenwir denn auch derlei Jungfrauen als Krankenpflegerinnen in Spitälern auf den