Schranken der Oertlichkeit durchbrochen, und doch soll das Band der EinheitAlle umschlingen und Alle sollen ein organisches Ganze, wie eine große stufen-weise sich erweiternde Familie bilden. Wo immer die Kirche ihren Weinbergbebaut, können ihr als muthige Arbeiterinnen die Frauen-Jnstitute nachfolgen.Sie sind beweglich, wie der Segen des Thaues und Regens. Die barmherzigenSchwestern eilen aus Frankreich in die Türkei , in den neuesten Zeiten nachCochinchina, um die kranken Soldaten zu pflegen, die dem dortigen Klima nnbder heidnischen Barbarei unterliegen; die Schwestern der Kongregation Jesus-Maria von Lyon nach Quebeck, die englischen Fräulein aus Bayern nach Ost-indien, und rührend ist es zu vernehmen, wie die Muhamedaner und Hindus,welche mit jeder erdenklichen Grausamkeit alle anderen Europäer mordeten, aneinzelnen Orten gerade diese Schwestern sorgsam schützten, die armen Schul-schwestern aus München nach Nordamerika u. s. w. Alle diese einzelnen Nieder-lassungen, so entlegen sie auch sein mögen, bestehen nicht für sich allein, sondernbilden ein Ganzes, sie sind nur Glieder einer Familie, Aeste eines großen Baumes.Und wie der Ast mit dem Stamme nothwendig in Verbindung sein muß, damiter durch ihn Lebenskraft empfange, so auch stehen diese einzelnen klösterlichenNiederlassungen nothwendig in Verbindung mit dem Muttcrhause, von dem sieden Personalstand, neue Arbeitskräfte an die Stelle der durch Tod oder Krank-heit aufgeriebenen, sogleich Hilfe bei vorkommenden Unglücksfällen, somit gleich-sam die Dauer ihrer Existenz beständig empfangen. Jede Jungfrau, die ihreGelübde abgelegt hat, opfert sich damit dem Besten des Ganzen; sie gehört nichtmehr dem einzelnen Hause an, wie in den wirklichen Frauenklöstern, sondernsie ist bereit dem Gebote der Vorsteherin Folge zu leisten, wohin immer ihrRuf sie führt.
(Schluß folgt.)
Der Pfarrer von St. Agatha.
Eine rührende Geschichte aus den Zeiten der französischen Revolution.
(Fortsetzung.)
3 .
Die Noth steigt aufsHöchste.
Da trat der Beamte des Ortes, ein erfahrner stattlicher Mann, auf denPfarrer zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr, sagte sodann laut zu den Um-stehenden: Verhaltet euch nur ruhig und gehe jeder in sein Haus oder an seineArbeit, dem Hochwürdigen Herrn Pfarrer soll dennoch nichts Leides geschehen.Die Leute gehorchten, denn der Mann hatte Ansehen. Aber die meisten gingenstatt an die Arbeit in die Kirche, um den lieben Gott in so schwerer Noth an-zurufen. Ihrer Drei oder Vier, denen der Vorsteher der Gemeinde gewinkt hatte,blieben bei diesem, und nachdem der Priester noch einige Sachen in seiner Woh-nung geordnet, das Wichtigste an Schriften unter den Arm genommen hatte,zog er in Begleitung der Männer in einen benachbarten Wald hinaus. Dortstand beinahe in Mitte des Gehölzes eine halb zerfallene Köhlerhütte, in welchesich sofort der Pfarrer verbarg. Der Vorsteher kehrte nun wieder in das Dorfzurück, die andern Männer blieben aber bewaffnet im Walde, theils um ihrenSeelsorger im Nothsall zu vertheidigen, theils um ihn zu hindern, sich selbstfreiwillig auszuliefern. Wie die Gemeinde für ihren Vater, so betete derPfarrer in seinem dunkeln Schlupfwinkel für seine lieben Kinder, der Herr möchtesie vor Unglück bewahren. Aber anders war es vom Herrn geordnet/