Des folgenden Tages kam wirklich, wie man es angekündigt hatte, eineSchaar von 80 Bewaffneten, unter Anführung des Repräsentanten, und 2 Ka-nonen mit sich schleppend nach St. Agatha. Die Compagnie stellte sich aufdem Hauptplatze des Dorfes, wenn man so sagen darf, das heißt in Mitte zwi-schen den Häusern auf, der Commandant beschied die Dorfbewohner vor sichund ließ dann eine Aufforderung verlesen des Hauptinhaltes: Sie sollen ihrenPfarrer ausliefern. Die Leute erwiderten gutmüthig, sie könnten das nicht,da der Pfarrer nicht zu Hause sei. „Man kennt euch, ehrloses Lumpenpack, wirwollen den Pfarrer schon finden," schrie der Commandant, ließ die geladenenKanonen gegen den Pfarrhof aufpflanzen und begab sich sofort mit der Hälfteder Mannschaft in denselben. Alles wurde durchsucht, die Kästen, Schränke,welche zertrümmert wurden, alle Zimmer, aber umsonst.
Von da ging es in die Kirche, wo übermal nicht nur kein Winkel undurch-sucht blieb, sondern auch die größten Gotteslästerungen verübt wurden. Soging es ferner in allen Hütten des Dorfes, doch alles umsonst, denn der Ge-suchte war nicht zu finden. Da entbrannte der Commandant in Wuth. Nocheinmal ließ er die Dorfbewohner, versammeln, forderte sie noch einmal auf imNamen des Gesetzes, den wiedrspenstigen Priester, wie er ihn nannte, auszulie-fern— und als abermals alles schwieg, erklärte er den Flüchtigen vogelsreiund als ausser dem Gesetze stehend, demjenigen aber, der ihn einbringen würde,versprach er die schöne, runde Summe von 20,000 Franken. Keiner hatte Lustdas Blutgeld zu gewinnen, und doch wußten Viele, wo ihr Pfarrer war, undViele ahnten, was sie bei solcher Weigerung zu erwarten hatten.
Wirklich ließ der Anführer die Kirche, den Pfarrhof, das ganze Dörfchenanzünden und zusammenschießen. Die Strohhütten faßten nur zu leicht Feuerund in wenigen Stunden lagen Schutt und Trümmer, wo die Wohnungenarmer, aber glücklicher Menschen gestanden waren. Der Tambour wirbelte, dieMordbrenner zogen ab, denn es war nichts mehr zu verbrennen. Die Leuteaber schlugen die Hände über den Kopf zusammen und Viele vermochten sichkaum in das große Elend zu fügen. Denn anders sieht das Elend aus, wennes in der Ferne steht und anders, wenn es uns wirklich heimsucht; da thut esoft recht Noth in Jammer und Trauer zu gedenken des Wortes: „Selig, dieda trauern, denn sie werden getröstet werden."
(Fortsetzung folgt.)
Der TageSlauf.
Q. Weßhalb betrachten wir die Sonne mit verschiedenen Empfindungen,folgen aber stets sehnsuchtsvoll dem Laufe der nächtlichen Gestirne? — fragteClara ihre Mutter.
Weil wir unbewußt in der Sonne und den nächtlichen Gestirnen denSpiegel des eigenen Lebensglückes schauen.
Wie Las?
Dir dies klar zu machen, wollen wir den Lauf des Tages betrachten. —Früh geht die Sonne aus, und Alles fühlt sich erquickt und gestärkt von ihremneuvelebenden Strahle. — Wie ist der Mensch in einem neuen Glücke, in welcheser sich gleichsam noch nicht recht gefunden?
Es ergreift ihn Freude in der Empfindung, Lust zur Thätigkeit.
Doch die Strahlen der Sonne brennen stärker, wir gewöhnen uns mehran unser Glück?
Dann lassen die Geschöpfe von ihrem Jubel, die Menschen von freudiger