Empfindung und Thätigkeit ab. Beide werden gleichgiltig gegen Sonneund Glück.
Nun erreicht die Sonne die Mittagshöhe in der Natur, das Glück in denäußern Umständen des Menschen?
Dann, liebe Mutter! suchen die Vogel den Schatten, verdorren die Ge-sträuche. — Der Mensch ist seines Glückes überdrüssig, wünscht sich ein geringeresMaß, manchmal gar das Unglück.
Die Sonne, das Glück stehen in Abnahme begriffen, auf einer der Natur,dem Menschen zuträglichen Stufe?
Hier tritt wiederum Gleichgiltigkeit ein, wie früher bei der erträglichenZunahme der Sonne, des Glückes.
Die Sonne, das Glück schwinden allmälig oder Plötzlich am Erdenhimmel.Nacht ruht auf der Schöpfung, Nacht stürmt im Herzen des Menschen?
Dann treten die leuchtenden Gestirne an den nächtlichen Himmel.
Der Schöpfung ja, nicht immer des menschlichen Herzens — unterbrachdie Mutter die Sprecherin. — Jetzt kommt der Grund der verschiedenen GefühleLei Betrachtung der Sonne, des Einen Gefühls beim Anschauen der Sterne.Er beruht im Unterschiede der Wirklichkeit, welche ik^ 'rrfinnbildung in derSonne, der Hoffnung, welche die ihre in den Sternen , .
Ich habe ihn erfaßt — fiel die begeisterte Clara e.« — Wirklichkeit er-weckt in uns verschiedene Gefühle, bald der Freude, bald des Schmerzes; hierder Nimmerersättigüng, dort des Ueberdrusses. Hoffnung belebt nur mit EinemGefühle: jenem der Sehnsucht.
Wir sehnen uns also nach dem entschwundenen Glücke. Diese Sehnsuchtist der Stern uns'res Herzens. Wie den nächtigen Gestirnen die Sonne desTages, — hoffen wir — werde der Sehnsucht die Befriedigung folgen.
Mutter! Ich war vorhin zu eilig. Nicht immer treten die Sterne an dennächtlichen Himmel.
Glaubst Du? Die Gestirne sind da, aber ein neidischer Wolkenschleierverhüllt dieselben dem menschlichen Auge.
Das ist ein trauriger Unterschied zwischen dem Erdenhimmel und demLebenshimmel.. An letztem schwindet gar oft der Stern der Hoffnung.
Nein. Der Stern ist da. Aber das von nächtiger Verzweiflung umflorteHerz will ihn nicht schauen. — Kennst Du diesen Stern, mein Kind? Erleuchtet nicht nur am Himmel, sondern im Himmel dem gerechten Hartgeprüften.
Mutter! Gott schützte Jeden vor der Blindheit des Herzens, damit er stetsdiesen Stern schaue! ,
Die schönste Perle.
Mutter! welche ist wohl die schönste Perle? — fragte Clara und schobder Mutter ein Kästchen voll Perlen hin.
Die Mutter schob das Kästchen weg. — Die schönste Perle — erwidertesie — ist die Thräne des Mitleids. Sie schmückt, wenn sie in unserem Augeglänzt, unser Herz, während andere Perlen nur Hals und Arme zieren. Sieerquickt uns ferner, wenn sie uns geweint wird, auf geistige, alles andere Perlen-geschmeide auf sinnliche Weise. Verwerthe die kostbarste Perle! Sie wird dasnicht geben können, was dir die Perle des Mitleides gewährt: Trost und liebe-volle Hilfe.
Sicductiru un» iLcrlag: vr. M. Huttlcr. — Druck »ou 3. M. Slcinlc.