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45 . 4. November 1860.
Da» Augsburger Sonntagsblatt lSonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementSpreis ist 2Y kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Zur Geschichte der Vertreibung der Jesuiten aus Sicilien.
Die von k- Terwecoren in Belgien erscheinenden I>rc-c>s bisrorlgues ent-halten folgende interessante Episode über die Vertreibung der Jesuiten ausSicilien:
Die göttliche Vorsehung bediente sich eines Jesuiten aus Belgien , desLambelin, welcher bereits vier Jahre auf dieser Insel sich aushielt, um seinenMitbrüdern den Schmerz und die Leiden ihrer Verbannung zu versüßen undzu erleichtern.
Die Ereignisse, welche sich seit dem 4. April daselbst zugetragen, sind hin-länglich bekannt. Sie bildeten das Tagesgespräch aller Journale. Am 23. Maihatten die Oberen der sicilianischen Provinz den k Lambelin nebst zwei anderenVatern und einem Laienbruder aus der ehemaligen Provinz Turin nach Neapel geschickt, wo sie ihre fernere Bestimmung abwarten sollten. Man verlangte hierfür den Pronp, ein Schiff des französischen Geschwaders, welches auf der Höhevon Neapel kreuzte, einen Schiffscaplan. k>. Lambelin ward dazu bestimmt.So machte er nun Bekanntschaft mit den französischen Seeofficieren, die ihnmit aller möglichen Aufmerksamkeit behandelten. Herr Barbier de Tinan, Vice-Admiral und Obercommandant des französischen Geschwaders, erwies ihm jeneAchtung, welche dem priesterlichen Charakter gebührt. Hier erhielt k>. LambelinKenntniß von dem Decrete Garibaldi's vom 17. Juni, wodurch er alle Güterder Gesellschaft Jesu auf Sicilien mit Beschlag belegte und die Glieder dieserGesellschaft rücksichtslos von der Insel verbannte. — Sogleich begab sich k.Lambelin zum französischen Vice-Admiral, stellte ihm die traurige Lage seinerMitbrüder auf Sicilien vor Augen, und erhielt von ihm die ausgedehnte Voll-macht, sich auf einem französischen Kriegsschiffe nach Palermo zu begeben undseinen Mitbrüdern auf Sicilien mitzutheilen, daß sie auf einem Schiffe seinesGeschwaders unentgeldlich abreisen könnten. Der Herr Vice-Admiral gab ihmaußerdem noch ein Begleitschreiben mit an den Contre-Admiral Jehenne, welchersich auf der Rhede von Palermo befand, und ersuchte denselben, dir Jesuiten der Insel unter seinen Schutz zu nehmen, ihre Einschiffung zu erleichtern, undüberhaupt dafür zu sorgen, daß ihnen von Seiten der revolutionären Regierungkein Leid zugefügt werde. Das edelmüthige Benehmen dieser französischen Officiere zeigte sich über alles Lob erhaben; alle die schönen Züge, welche demfranzösischen Nationalcharakter angehören, erschienen in den persönlichen Eigen-schaften dieser Männer noch mehr veredelt. Ihre Achtung gegen Priester undihr Mitleid mit fremdem Unglück gewährten den von der Revolution GeächtetenTrost und Hilfe. U. Lambelin schiffte sich also auf der Mouette, einem Aviso-Schiff des Geschwaders, ein. Er erhielt hier seine eigene Cajüte, ward vomCapitän täglich zu Tisch geladen, und gelangte nach Palermo .
Herr Jehenne, der Contre-Admiral, hatte bereits mit offenem Freimutheund zarter Theilnahme über die unglückliche Lage der geächteten Jesuiten Er-