Ausgabe 
20 (4.11.1860) 45
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kundigung eingezogen. Er wollte ihre Leiden vermindern, und dem Lambelinzur Erreichung seiner Sendung behilflich sein. Täglich stieg der Pater an'sLand, gewöhnlich in Begleitung eines Seeofficiers, bisweilen auch in Gesellschaftdes SchiffScaplans, und suchte seine Mitbrüder auf. Er selbst schlief gewöhnlicham Bord der Mouette oder des Kriegsschiffes Donawerth. Er ließ zuerst die-jenigen sich einschiffen, welche schon zur Abreise bereit waren; unter ihnen be-fand sich auch der U. Provinzial. Unter dem Schutze des französischen Geschwa-ders war es den Jesuiten möglich, manche dringende Geschäfte noch zu erledigenund einige Werthgegenstände ihres Eigenthums auf das Schiff des Contre-Ad-mirals zu bringen. Der U. Provinzial hatte vor seiner Abreise nach Rom demu Lambelin den Auftrag ertheilt, in Palermo zu bleiben, um seinen übrigenMitbrüdern zur Abreise behilflich zu sein. So blieb U. Lambelin noch 3 Wochenin Palermo. Die erste Abtheilung der geächteten Jesuiten war noch nicht langeabgereist, als der Polizei-Minister der revolutionären Regierung an allenStraßen Palermo's eine Verordnung anheften ließ, worin den Jesuiten bedeutetwurde, innerhalb ^8 Stunden die Insel zu räumen. Die Verordnung selbstwar in einer Sprache abgefaßt, wie sie nur revolutionären Mordbrennern eigenist, und gab das Leben dieser Ordenspriester der höchsten Gefahr Preis.

u. Lambelin las diese Verordnung und sprach darüber mit dem Contre-Admiral auf dem Schiffe Donawerth. Herr Jehenne rieth dem Pater, ungescheuteine Audienz bei Garibaldi zu verlangen, und ihm offen alle Folgen dieserVerordnung auseinanderzusetzen. Dies geschah am Juli. Zwei Wochen vor-her, am 20. Juni, hatte Garibaldi dem Contre-Admiral einen Höflichkeitsbesucham Bord seines Schiffes abgestattet. Zufrieden mit dem Empfange, den er vonSeiten des Contre-Admirals gefunden, soll er bei seiner Entfernung Herrn Je-henne seine Gegendienste verheißen haben, wenn er deren bedürfe. Nun wardie Gelegenheit dazu geboten. Der Contre Admiral, Herr Jehenne, hatte zwardieses Versprechen sich nicht erbeten, aber wollte doch davon Gebrauch machen.Er schrieb also nicht so fast als französischer Admiral, denn als eifriger Katholik,der den Unglücklichen Hilfe bringen wollte, an den Dictator, und bat ihn, demI'. Lambelin, einem Belgier von Geburt, eine Audienz zu gewähren. Er sagteihm zugleich in dem Schreiben, daß dieser Pater ihn für sich und seine Mit-brüder, nämlich die sämmtlichen auf Sicilien geächteten Jesuiten , noch um Auf-schub für einige Tage bitten werde, damit sie das zur Abreise Nothwendige leich-ter vorbereiten und eine schickliche Gelegenheit zur Einschiffung nach Neapel abwarten könnten.

Das Schreiben setzte Garibaldi davon in Kenntniß, daß in Ermanglungeines Handelsschiffes Herr Jehenne vom Herrn Vice-Admiral bevollmächtigetsei, den von Sicilien vertriebenen Vätern der Gesellschaft Jesu die Abfahrt nachjener Stadt auf einem der Staatsschiffe zu gestatten, wenn ein solches dorthinabgehe; aber für den Augenblick stand keines zur Verfügung. Deßhalb mußtendie Ordensmänner, ohne beunruhigt zu werden, auf der Insel den Tag ihrerEinschiffung abwarten können. Ueberdies mußte der Dictator wissen, daß diepolizeiliche Verordnung, die am Tage vorher angeheftet war, den Vätern nurW Stunden fernern Aufenthalts in ihrem Vaterland gestattete. Weil keinFahrzeug zur Einschiffung abging, sahen sich die Väter in die absolute Unmög-lichkeit versetzt, diesem Decrete Folge zu leisten. Deßhalb verwandte sich derContre-Admiral bei Garibaldi für 1^. Lambelin, der gegenwärtig am Bord desfranzösischen Geschwaders Zuflucht gesucht, und sich an den Contre-Admiral ge-wandt habe, daß er ihm doch in diesen mißlichen Umständen zu Hilfe komme;er erbat von Garibaldi die Gunst, um die U. Lambelin ihn dringend angehe,weil es sich durchaus um eine Frage der Menschlichkeit handle.