Ausgabe 
20 (11.11.1860) 46
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11. November 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle k. baper. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Zur Geschichte der Bertreibung der Jesuiten aus Sicilien.

(Fortsetzung und Schluß.)

.k Lambelin bat um die Erlaubniß, sein Anliegen dem Herrn Dictatorvorbringen zu dürfen, und sprach dann ungefähr in folgenden Worten:

Herr Dictator, ich erscheine in der Tracht eines französischen Feldpriesters,! aber Sie müssen wissen, daß ich ein Mitglied der Gesellschaft Jesu bin. Ichbin Jesuit, Belgier von Geburt. Als ich zu Neapel weilte, vernahm ich diemißliche Lage unserer Vater auf Sicilien, und ich begab mich daher nach Pa-

> lermo, um ihnen dort Hilfe zu leisten. Nachdem die Regierung ihre Vertrei-

> bung beschlossen, suchten unsere Däter ein Mittel, sich aus dem Vaterlande zu! entfernen, konnten aber kein Schiff finden. Dennoch dringt man auf ihre Ab-! fahrt; der Polizei-Minister läßt in den Straßen Palermo's eine mordbrennerische

Verordnung anschlagen, die uns der Wntb des Volkes Preis gibt, wofern wirnicht abreisen. Wir wollen gern und hätten uns schon entfernt, wäre nur Ge-legenheit zur Einschiffung dagewesen. Was unsere Lage noch verschlimmert, istder Umstand, daß die Regierung unsere Güter eingezogen und uns aller Mittelberaubt hat, Vorkehrungen zu unserer Abfahrt zu treffen."

Garibaldi hörte aufmerksam, und sogar mit einer gewissen Theilnahmezu. Er antwortete dem Pater in französischer Sprache, und zwar sehrgeläufig:

Mein Herr, ich kenne die Verordnung vom 17. Juni, durch die ich michgenöthigt sah, die Jesuiten von Sicilien zu entfernen: denn die Väter sind, wieSie wohl wissen, der Bewegung in Italien nicht günstig. Aber es war nichtmeine Absicht, dieselben so sehr zu drängen; ich wollte Ihren Vätern Mußelassen, damit sie Vorkehrungen treffen und den günstigen Augenblick zur Ein-schiffung abwarten könnten. Was aber jene Verordnung angeht, von der Siesprachen, so habe ich nicht die geringste Kenntniß davon." (8io!)

Herr Dictator, wenn Sie diesen Ministerial-Erlaß nicht kennen, werdenSie erlauben, selben Ihnen vorzulegen. Hier ist er."Ich möchte diese Ver-ordnung gerne lesen." Er las dieselbe und sagte dann:Erlauben Sie mir,mein Herr, dieselbe aufzubewahren, denn sie wird mir dienlich sein können."Garibaldi fügte hinzu, daß er sogleich an den Polizei-Minister schreiben werde,um ihn zu beauftragen, er solle, da die Forderung des Pater sehr billig sei,über die persönliche Sicherheit der Jesuiten wachen, und ihnen alle Zeit lassen,die zu den für die Reise nöthigen Vorkehrungen erforderlich sei. Darauf fragteer den Lambelin, wie viel Zeit es denn gebrauche? Der Pater erwiderte:Es ist schwer, dieselbe genau zu bestimmen, und zwar wegen der großenSchwierigkeit, alle Mitglieder, welche sich seit der Veröffentlichung jenes Be-! schlusses aus der ganzen Insel zerstreut haben, wieder zu vereinigen. Dazu istZeit nöthig, um so mehr, da die Briefe nicht so schnell an Ort und Stelle ge-! langen können. Ich wünsche daher eine unbestimmte Zeit, verspreche aber, daß