Ausgabe 
20 (11.11.1860) 46
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die Väter dieselbe nicht mißbrauchen werden, zumal, da sie unter der neuenHerrschaft auf Sicilien sich nicht mehr glücklich suhlen können, sondern sogar so baldals möglich sich zu entfernen wünschen." Der Dictator ging in diesesGesuch ein.

Es handelte sich noch um den Widerruf der an den Straßen angeheftetenVerordnung, welche wie ein Damocles-Schwert über den Häuptern der Jesuiten schwebte, und das Volk jeden Augenblick gegen sie aufregen konnte, denn derMinister erklärte darin, daß im Falle des Ungehorsams gegen diesen allerhöchstenBefehl die Regierung keine weitere Verantwortlichkeit auf sich nehme; folglichüberlieferte sie die Väter als öffentliche Ruhestörer der Wuth des Volkes, dasin jenen Tagen seine Lust daran hatte, die Häscher, Polizei-Aufseher, Gendar-men und alle Jene niederzumetzeln, von denen es, ob mit Recht oder mit Un-recht, vermuthete, daß sie noch mit dem Könige halten, oder daß sie der Revo-lution feindselig gesinnt seien.

U. Lambelin bedeutete dem Dictator noch, daß das Volk von der durchGaribaldi verordneten Zurücknahme jenes Erlasses in Kenntniß zu setzen sei,weil es sonst, wofern es die Jesuiten in Palermo erblicke, jenem Ministerial-Erlaß gemäß gegen dieselben einschreiten könne.Diese Ihre Bemerkung"erwiderte Garibaldiist ganz billig. Ich werde dem Minister anzeigen; daßer dem Volke meinen Willen bekannt mache." Er bat dann den Pater, er mögesich auf einige Minuten in das Vorzimmer zurückziehen, damit er zwei Zeilenan den französischen Contre-Admiral schreibe, und fügte hinzu, er werbe dannden Pater bitten, diese Antwort mit sich zu nehmen. Nach wenigen Augen-blicken wurde U- Lambelin wieder vorgelassen, und nahm den Brief Garibaldis in Empfang, der ihn dann mit den Worten entließ:Mein Herr, wenn Siemeiner noch bedürfen, steht es Ihnen frei, wieder zu kommen." Das warenallerdings schöne Worte! Aber warum nahm er sein tyrannisches Decret nichtganz zurück? Auch Liese Maßregel wäre sehr billig gewesen, und war die ein-zige, deren die Ordensmänner von Seite ihres Verfolgers bedurften.

In dem Brief an den Contre-Admiral schrieb Garibaldi, daß das An-suchen des Herrn Jehenne, den Jesuiten zur Vorbereitung für ihre Abreise nocheinige Tage Aufenthalt aus der Insel zu gestatten, ganz billig sei; er werdealsbald Befehl geben, daß den Wünschen des Contre-Admirals willfahrtwerde.

?. Lambelin blieb auf der Rhede zurück, um dort die sicilianischen Väterzur Abreise zu versammeln. Allmälig kamen sie an, und die Geächteten schifftensich nach Neapel ein, um von da sich in verschiedene Länder zu vertheilen. ?.Lambelin verlängerte noch seinen Aufenthalt in Palermo , um wo möglich nochmanche ihrer Habseligkeiten zu retten.

Er fand indessen noch öfters Gelegenheit, mit Subaltern-Beamten derneuen Regierung zu sprechen, die er kurze Zeit vorher in den Gefängnissen,worin er seine priesterlichen Verrichtungen ausübte, kennen gelernt hatte. Sie ?schrieen über den Despotismus der päpstlichen Regierung; der Pater hätte diese ^Beschuldigung zurückweisen und aus jenen Despotismus anwenden können, dessenOpfer die sicilianischen Väter wurden.

Unterdessen hatte das Schiff Donawerth Befehl erhalten, die Rhede von ^Palermo zu verlassen und nach Syrien abzugehen. Der Pater ging einen pie-montesischen Admiral um Schutz an, der ihn sogleich zusagte, mit dem Bemerkendie Väter würden zwar nicht alle erwünschten Bequemlichkeiten der Reise vorfin-den, aber man würde für sie Sorge tragen. Die Empfehlung des Contre-Admirals Jehenne leistete ihm auch für diesen Fall gute Dienste; der Paterblieb noch am Bord des Aviso-Schiffes Mouette. <