Zwei Aerzte hatten von der Regierung die Weisung bekommen, die krankenund älteren Mitglieder der Gesellschaft Jesu zu besuchen, und zu entscheiden, obvielleicht der eine oder andere von der Verbannung auszunehmen sei. Von einemjener Aerzte nun erfuhr ?. Lambelin am Tage vor seiner Abreise von Palermo ,daß ein Jesuit ins Gefängniß geworfen sei. Das schien ihm unbegreiflich, dadoch Niemand für die Reise fehlte. Der Pater forschte genauer nach und hörteauf der Polizei, daß der Polizeiminister in Folge höheren Befehls genöthigt' gewesen sei, einen Jesuiten gesanglich einzuziehen, weil sich derselbe als Laie
' gekleidet habe, um sich desto leichter in die Familien einzuschleichen und überall
die gefährlichen Lehren der Jesuiten zu verbreiten. Der Pater antwortete, ersei nicht Willens, sich in eine Erörterung über die Lehren der Jesuiten einzulassen, daer zum Voraus wisse, daß er mit seinem Gegner nicht einig werde. Er erkun-digte sich nach dem Namen des Gefangenen, sowie nach der Zeit, Art und Ur-sache der Gefangennehmung. Man konnte ihm kein Vergehen namhaft machen,
! und der Pater mußte drohen, bei dem piemontesischen Contre-Admiral Gerechtig-
' keit für den Gefangenen zu verlangen. „Endlich" — erzählte ?. Lambelin —
„hatte ich den großen Trost, selbst dem Gefangenen die Thür seines Kerkers zuöffnen; dies geschah noch am selben Tage, Abends gegen 11^ Uhr. Am an-dern Tage führte ich ihn mit noch 13 andern Vater am Bord der Mouette nachNeapel." Das Verbrechen des eingekerkerten Jesuiten war folgendes:
Der r. Vigna, Minister im Pensionat der Adeligen zu Neapel , hatte einige! Zöglinge bei ihrer Rückkehr in die Heimat bis Reggio begleitet. Bei seiner
! Rückreise wurde der Dampfer Elba , auf dem er sich befand, von der Veloee,
! einer neapolitanischen Corvette, genommen, und von dieser, die sich einige Tage
! vorher dem Garibaldi ergeben hatte, nach Palermo geführt. Alle Passagiere
wurden freigelassen; nur Vigna nicht, welcher nur für die Zeit seiner ReiseCivilkleidung trug, aber sich offen für einen Jesuiten ausgab, ein Umstand dergenügte, ihn zu einem ehrenvollen Gefängniß zu verurtheilen.
Die Einwohner von Palermo hatten anfänglich, als sie den ? Lambelinin der Gesellschaft französischer Marineofficiere sahen, geglaubt, er habe die Ge-sellschaft Jesu verlassen, um die Stellung eines Schiffscaplans bei dem Ge-schwader einzunehmen. „Wie Vortheilhaft auch" — sagte ?. Lambelin — „fürmeine persönliche Sicherheit diese falsche öffentliche Meinung war, so kränktesie mich doch zu sehr, als daß ich darob hätte schweigen können. Ich erklärtedeßhalb ganz frei und rückhaltslos, wie auch vor Garibaldi, daß ich noch Jesuitsei mit Leib und Seele (i„ o-»?ns er ossibus sagt das Original), und nur alssolcher habe ich mich dem französischen Admiral vorgestellt, und seinen Schutzerhalten.
Diese Freimüthigkeit, die vielleicht etwas gewagt sein mochte, hatte nichtnur keinen Nachtheil für mich, sondern gewann mir vielmehr wenigstens demAnschein nach die Gunst dieser Leute. Der Staatssecretär, dessen feindseligeGesinnung gegen unsere Gesellschaft bekannt war, sagte mir eines Tages, daß. ich mit ihm noch eine Sache abzumachen habe; er sehe mit Vergnügen, daß ichein Mann von Grundsätzen sei, daß die Regierung in mir eine Ueberzeugungahne, die ich nicht zu verhehlen suchte, wie es einige meiner Mitbrüder gethan,! die er, der Minister, sehr höflich Gauner, Verbrecher und Verräther nannte.
Er fügte hinzu, daß das gegen die auf Sicilien befindlichen Jesuiten ge-^ richtete Verbannungs-Decret auf mich gar keine Anwendung finde; ich könnealso mit voller Freiheit auf der Insel verbleiben, und die Regierung werde so-gar erforderlichen Falls für meinen Lebensunterhalt sorgen. Man begreift leicht,welches meine Antwort auf diese so sonderbare Anrede gewesen sei. Es paßtenhier treffend die Worte: ->ngui8 in üvrka (die Schlange versteckt sich unter
; Blumen), um so smehr, da sechs oder sieben Tage vorher, als ich mich gerade-