Ausgabe 
20 (11.11.1860) 46
Seite
365
 
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durften. Kaum wurde dies bekannt, als die Zahl der von allen Seiten herbei-strömenden Sectirer so. groß ward, daß sie bald das numerische Uebergewichtüber ihre katholischen Gastfreunde erlangten. Und nun vereinigten sich in derkatholischen Colonie alle die Sectirer, die sich kurz vorher auf das bitterste ange-feindet und verfolgt hatten, zu einem Act schwärzester Undankbarkeit. Die gast-freundliche Aufnahme von Seiten ihrer Wirthe, die echt christliche Liebe, mit derihnen dieselben Rechte verliehen wurden, deren die Katholiken sich erfreuten, be-lohnten sie dadurch, daß sie, ihre Ueberzahl benutzend, jenen, die sich allein inihrem Unglücke ihrer erbarmt hatten, die Ausübung ihrer Religion verboten.Noch zählte die Ansiedelung von Baltimore, " heißt es in dem Berichte desMissionsvereins,noch keine fünf und zwanzig Jahre, und schon sahen sich dieKatholiken ihrer bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte beraubt; eineHeerde Fremdlinge, vor Kurzem noch verbannt, zog die Güter jener ein, die siegastlich aufgenommen hatten, machte Jagd auf ihre Priester, wie auf schädlicheThiere, und um die Bekenner des Glaubens herabzuwürdigen, setzte man aufeinen Jrländer, der sein Vaterland verlassen hatte, um seinem Gott getreu zubleiben, die nämliche Eingangstaxe wie auf einen Neger. Bei dieser erniedri-genden Vergleichung blieb man nicht einmal stehen; denn der Sclave konntedoch ungehindert seine Götzenbilder anbeten, während der edle Sohn Irlands nicht ungestraft das Kreuz verehren durste auf einem Boden, wo er besteuertund gebrandmarkt wurde.Aus diese Art," so schrieb der protestantische Ge-schichtschreiber Mac Mahon ,wurde in einer von Katholiken gegründeten Colonie,die unter der Regierung eines Katholiken zu Macht und Wohlhabenheit gelangtwar, der Katholik allein das Opfer der religiösen Intoleranz."

So vergingen anderthalb Jahrhunderte, während welcher die ehrwürdigenVäter der Gesellschaft Jesu , unter dem härtesten Drucke und beständigen Drang-salen, ununterbrochen das Seelenheil der Colonisten leiteten. Da brach derUnabhängigkeitskampf der Colonien aus, an welchem sich auch die eingeborenenKatholiken betheiligten. Es wurden dreizehn Staaten gebildet, die sich jedereinzelne seine Gesetzgebung gaben. Aber nicht einer war unter ihnen, in demdie neuerrungene Freiheit auch auf die katholischen Mitbürger übergegangenwäre. Sie blieben überall gesetzmäßig von allen öffentlichen Aemtern undEhrenstellen ausgeschlossen, und selbst das Jahr 1789, in welchem die noch ge-genwärtig bestehende Verfassung an die Stelle der ursprünglichen Bundesartikeltrat, brachte ihnen keine Erleichterung. General Washingthon, der erste Präsi-dent der Vereinigten Staaten , an welchen sich die Katholiken vertrauensvoll mitdem Gesuche wandten, seinen Einfluß bei den Staaten auch auf den Widerrufjener sie bedrückenden Beschränkungen zu verwenden, gab zwar die Ungerechtigkeitjener Beschränkungen zu, meinte jedoch rücksichtlich ihres Gesuches,daß derWiderruf das Ergebniß der besseren Ueberzeugung ihrer Mtbrüder werdenmüsse, die, gleich ihm, das Wohlverhalten und die Treue ihrer katholischenBrüder erkennen und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen würden."

Wir haben bereits bemerkt, daß die geistliche Obhut der Katholiken in denVereinigten Staaten lediglich der Sorgfalt der Väter der Gesellschaft Jesu über-lassen war, die selbst nach der Auslösung ihres Ordens in Europa dem ihnenanvertrauten Werke mit der größten Aufopferung ihre Kräfte widmeten. Bis da-hin hatten sie unter dem apostolischen Vicar von London gestanden. Als aberdie Unabhängigkeit der Staaten erkämpft war, wurde auch die Gegenwart eineseigenen Oberhirten als dringendes Bedürfniß erkannt. Die Geistlichkeit Mary-lands und Pensylvaniens, als der Hauptsitze der Katholiken, deren Gesammt-zahl im Jahre 1790 nicht über 25,000 betrug, wandte sich an den Papst PinsVIl., der ihr die Erlaubniß gewährte, sich selbst einen Bischof zu wählen. IhreWahl fiel einstimmig auf den ehrwürdigen John Carrol von der Gesellschaft