Art äußerten. Endlich gelang es ihm zu sprechen, und mit tiefer Bewegung,obwohl dem Anscheine nach ruhig, begann er folgendermaßen zu reden:
„Kinder, ich bin wieder unter euch und darum fühle ich mich Wohl. Ichsehe an euerm Gedränge, an euern Mienen, daß ibr mich nicht vergessen, daßihr es gut und redlich mit mir meint, daß eure Gesinnung rein ist, wie Gold,und ihr ein keusches, reines, unschuldsvolles, frommes Herz besitzt. O bewahretdieses kindlich reine Herz: „Selig, die reinen Herzens sind, denn siewerden Gott anschauen."
7.
Schluß.
„In der Einfalt eures Herzens", so fuhr der Pfarrer fort, „wäret ihr un-zufrieden mit mir; ihr meintet, ich habe euch, ohne Abschied zu nehmen, ver-lassen, ihr glaubtet, mich nicht wiederzusehen. Ihr habt euch getäuscht. Kinder,man scheidet nicht so von einander, wenn man sich fünfzig Jahre lieb gehabthat. Ich hatte im Städtchen ein keines Geschäft, und aus Furcht, ihr möchtetmich zurückhalten, begab ich mich heimlich dahin. Da nun dieses Geschäft nachWunsch besorgt ist, so komme ich, darüber mit euch zu sprechen." Hier machteder Pfarrer eine lange Pause und Alles war in der gespanntesten Erwartung.„Mir zu Lieb, mich zu retten, habt ihr", so fuhr er zu reden fort, „eure Woh-nungen, eure Hausgeräthe und die Frucht einer langen mühevollen Arbeit ohnedie geringste Klage hingeopfert. Wohlan! ich bringe euch etwas, um euern Ver-lust wenigstens zum Theil zu ersetzen. In dieser Brieftasche — er hob sie vorAller Augen empor — liegen 20,000 Franken, ich übergebe sie dem Vorsteher derGemeinde, mit der Bitte, diese Summe unter euch nach Verhältniß des betreffen-den Verlustes zu vertheilen. Fragt mich nicht, wie ich dies Geld erhalten, dasbleibt für jetzt ein Geheimniß, später möget ihr es erfahren, wo es herkommenmöchte. Ich werde mit diesen Herren, die mich hieher führten, zurückkehren undeuch auf unbestimmte Zeit wieder verlassen. Wann und wo wir uns wiedertreffen, das steht in der Hand desjenigen, ohne dessen Willen kein Sperling vomDache fällt."
Hier wischte sich der ehrwürdige Greis flüchtig die nassen Augen, undin großer Gemüthsbewegung fuhr er fort: „Gott erhalte euch in euerm fried-lichen, arbeitsamen Geiste, bei den einfachen, von den Vorvätern ererbten Sitten.Liebe und Eintracht sei zwischen euch; vor allem aber bewahret die Furcht Got-tes, welche ist der Anfang der Weisheit. Traget stets eine keusche Seele in einemkeuschen Leibe und verunehret nicht den Tempel Gottes, zu dem ihr in der heil.Taufe geweiht worden seid. Fürchtet, — fürchtet und meidet die schrecklichenTodsünden; lieber sterben, als Gott durch die Sünde zu beleidigen, das sei auchfortan euer heiliger Vorsatz. Gedenket eures alten Pfarrers, der die meisten auseuch zu christlichen Menschen erzogen, und bei euerm Leiden immer gern daseigene vergessen hat. Früher oder später treffen wir uns wieder in dem schönenVaterlande, wo alle, die sich in Wahrheit liebten, sich wieder sehen werden.Daher ihr Eltern, ihr Väter und Mütter — euch bitte ich besonders, habet Achtaus die Seelen eurer Kinder, gebet thuen kein Aergerniß, haltet sie ab von allemBösen und führet sie an eurer Hand ins himmlische Land. Betet mit ihnenauch fortan knieend das Morgen- und Abendgebet und gedenket dabei auch meiner,denn auch ich werde den himmlischen Vater für euch bitten. Und ihr Kindergehorchet euern Eltern, wie immer, macht ihnen Freude durch eure Unschuldund Tugend, und vergesset meine Lehren nicht, — ihr wisset, wie lieb ich euchhabe, denn euch ist ja das Himmelreich verheißen. Eines möchte ich Allen nochbesonders ans Herz legen, ja ich mache es zur Bedingniß, unter welcher ihr diesGeld annehmen sollt. Segnet eure Verfolger, fluchet nicht denen, die euch hassen