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vergeltet nicht Böses mit Bösem, auf daß ihr Kinder des Vaters im Himmelseid, der seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse. Die Scheltendennicht wieder schelten, den wüthendsten Feinden verzeihen, für Gott selbst demTode sich weihen, — das führt uns ins himmlische Reich. Ja diese versöhnendefriedfertige Gesinnung ist es allein, die euch zu wahren Kindern Gottes macht.Steht nicht geschrieben: „Selig die Friedfertigen, denn sie werdenKinder Gottes genannt werden."
„Und nun, meine Kinder, knieet nieder und empfanget, vielleicht zum letzten-mal, meinen väterlichen, priesterlichen Segen." Bei diesen Worten warf sichdie ganze Gemeinde und selbst die Soldaten, die den Pfarrer bewachten, schluch-zend und weinend auf die Erde. Der Greis aber erhob Auge und Geist in diehimmlischen Regionen, streckte die Arme weit aus, faltete sie dann mit Inbrunstund flehte den Segen des Allbarmherzigen herab für die Verfolger. Nach ge-endigtem Gebete wandte er sich mit freudigem Muthe zu seiner Wache, mitden Worten: „Meine Herren, Sie haben zu befehlen, mein Geschäft ist zuEnde."
Auf dem Karren wurde er nach Niort zurückgeführt, und die ganze Ge-meinde folgte ihm weinend und betend nach. Der Repräsentant, dem er sichauslieferte, wollte indeß die Verantwortung nicht auf sich nehmen, ihn selbstzum Tode zu verurtheilen, und das Urtheil vollziehen zu lassen, daher sandteer ihn nach Nantes, wo er drei Monate nachher in den Fluthen der Loire dieKrone der Märtyrer sich erwarb.
St. Agatha wurde nicht mehr erbaut. Seine Bewohner, die lange nichterfuhren, *>wie es ihrem greisen Priester ergangen, zerstreuten sich nach allenRichtungen und ließen sich in den umliegenden Ortschaften nieder. Groß warimmer noch ihr Elend, trotz der erhaltenen Unterstützung. Nur Eines vermochtesie in solcher Noth aufzurichten, die Aussicht in jene Heimat, wo kein Ver-folger mehr eindringt, und die gerade den hier auf Erden Verfolgten ver-heißen ist.
„Selig, die da Verfolgung leiden um der Gerechtigkeitwillen, den ihrer ist das Himmelreich." k. v.
Edle That.
Der Schiffsofficiant Stokker, welcher die belgische Schaluppe Nr. 5 führte,begegnete in der Nacht in der Nordsee beiläufig 12 Meilen von Westcapelle demBracke des gescheiterten schwedischen Norden von Stockholm, Capitain Savenson,mit Holz und Eisen beladen. Die Mannschaft der Schaluppe hörte das Angst-geschrei von neun Unglücklichen, welche mitten in dem fürchterlichen Sturme schonsechs Stunden lang auf diesen Trümmern gegen den Tod kämpften. Anfangskonnte man sie wegen der Dunkelheit nicht unterscheiden; aber der brave Stokkerverließ darum die Unglücklichen nicht. Er näherte sich ihnen beim ersten Licht-strahl trotz der Gefahr wegen der Brandungen umher. Man setzt das Boot inSee und hat die süße Genugthuung die neun Menschen zu retten. Das warindeß der Schaluppe nicht genug. Die neun unglücklichen Schiffbrüchigen, er-schöpft, fast sterbend vor Leiden und Entbehrungen, größtenteils ihrer Kleidungs-stücke beraubt, wurden am Bord der Schaluppe mit bewundernswürdiger Liebegepflegt und in's Leben gebracht. Die belgischen Seeleute nahmen sich um dieWette ihre Kleidungsstücke vom Leibe und bedeckten damit die erstarrten Schwe-den. Ja sie führten die Schiffbrüchigen bis auf den Quai, wo sie in einer Her-berge untergebracht wurden..
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