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18. November 1860.
Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten Nordamerika's .
(Fortsetzung.)
Bald nahm das Gebiet der Kirche zu. Als die Staaten 1794 das bisdahin französische Louisiana mit einer überwiegenden katholischen Bevölkerungerkauften, wurde in der Hauptstadt Neu-Orleans ein zweiter Bischofssitz errichtet,dem sich im I. 1808 die Bisthümer Bardstown im Staate Kentuky , New-Uorkim Staate gleichen Namens, Boston im Staate Massachusets und Philadelphia inPensylvanien anreihten, so daß es im genannten Jahre bereits 6 Bisthümer gab.
Im Laufe der folgenden zwanzig Jahre mußten abermals vier neue Bis-thümer errichtet werden, Charlestown in Süd-Carolina, Richmvnd in Virginien,Cincinnati (1821) in Ohio und St. Louis in Missouri , so daß im Jahre 183010 Bisthümer mit 230 Priestern vorhanden waren. Von da ab "nahm dieZahl der Katholiken durch Einwanderer aus Europa , zumeist Jrländer undDeutsche, sowie durch zahlreiche Bekehrungen und Uebertritte aus andern Re-ligionssecten aus eine so überraschende Weise zu, daß es im I. 1845, also nachbeiläufig einem halben Jahrhundert seit der Begründung eines selbstständigenKirchenthums, bereits 23 Diöcesen gab, die unter sechs Metropolitensitze, Bal-timore (seit 1808), St, Louis, Oregon-Citp, New-Dork, Cincinnati und New-Orleans vertheilt war^n. Die Zahl der Gläubigen betrug damals annäherndanderthalb Millionen (1,300,000). Welche colossale Entwickelung. 1791 1 Bis-thum mit einigen Capellen und 22 Priestern und 25,000 Gläubigen, 54 Jahrespäter 23 Bisthümer mit anderthalb Millionen Gläubigen. Es hatte also durch-schnittlich eine jährliche Zunahme von circa 27,000 Seelen stattgehabt, eineDurchschnittszahl, die üch in den folgenden fünf Jahren beinahe verfünffacht.Nach den Berichten in den Jahrbüchern der Glaubensverbreitung war der Stand1er Kirche im Jahre 1850 folgender: Statt des einzigen Bisthums vom Jahreg790 gab es deren nun dreißig; an die Stelle jener 22 Priester waren 1100betreten, die an mehr als 1300 Kirchen und Capellen fungirten. Während eSdamals nur ein einziges Frauenkloster gab, kirchliche Institute aber gar nichtvorhanden waren, zählte man 1850 29 Seminarien zur Ausbildung katholischerGeistlichen, 9 geistliche Orden, 23 Genossen-Gesellschaften, 34 von Priestern ge-leitete Kollegien, 58 Frauenklöster, 86 Lehranstalten und Schulen für Mädchen,zahllose Spitäler, Zufluchts- und Rettungshäuser, sämmtliche unter Leitunggottgeweihter Jungfrauen, und statt einer Bevölkerung von 24,500 Seelen, derenmehr als zwei Millionen, so daß bei einer Gesammt-Bevölkerung von p. p.zwanzig Millionen Einwohnern je der zehnte freie Nordamerikaner Katholik war.
Freilich läßt sich dieses riesige Wachsthum erklären, wenn wir in demSchreiben, das die im Jahre 1849 zu Baltimore versammelten Väter des siebentenConcils an die Präsidenten der Glaubensverbreitung richteten, die Notiz lesen,daß jährlich mehr denn 250,000 Katholiken aus Europa nach den VereinigtenStaaten auswandern. Ist diese Notiz annäherungsweise richtig, wie wir keinen