Ausgabe 
20 (18.11.1860) 47
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Augenblick Anstand nehmen zu glauben, so muß die Zahl der Katholiken gegen-wärtig mindestens vier Millionen betragen. Begreiflicher Weise läßt sich eineendgiltige Feststellung derselben, bei dem Mangel officieller Populationslistenund der Unmöglichkeit, solche bei dem fortwährenden Herfluthen der Einwanderergenau anzufertigen, nicht ermitteln. Mit dem Wachsthum der Gläubigenzahlhaben auch die kirchlichen Einrichtungen gleichen Schritt gehalten. Die Zahlder Kirchenprovinzen ist bis auf 7 gestiegen, die der Bischöfe von 27 auf 49,die der Priester von l lOO auf 2235, die der Kirchen und Capellen von 1300auf 385 Kirchen und 1128 Stationen und Capellen. In gleichem Verhältnissehaben die Seminarien (von 29 auf 49), die Collegien für Knaben, Akademie enund Pensionate für Mädchen, die Freischulen, die Spitäler, Klöster, Waisen-häuser u. s. w. zugenommen. Und gleichwohl sind der Arbeiter im Weinbergeimmer noch zu wenige, und reichen alle die genannten kirchlichen Institute beiWeitem nicht aus, um den dringenden Bedürfnissen zu genügen. Man mußhierbei wohl erwägen, daß der größte Theil der katholischen Bevölkerung arm,sehr arm sei, denn nicht die Reichen wandern aus, sondern größtenteils dochnur solche, die sich eine bessere Existenz gründen wollen. Wenn, wie die Augs-burger Postzeitung berichtet, im verflossenen Jahre in den Vereinigten Staaten46 Kirchen eingeweiht und zu 25 der Grundstein gelegt wurde, so sind im Durch-schnitte alle 14 Tage drei katholische Kirchen eingeweiht oder im Bau begonnenworden. Eine Thätigkeit im kirchlichen Leben, wie sie die Geschichte kaum einzweites Mal nachzuweisen vermag. Und diese Thätigkeit beschränkt sich nichtnur auf das kirchliche Gebiet. Wie sehr katholische Gesinnung und Anschauungin Fleisch und Blut übergegangen, hiervon gibt beispielsweise Cincinnati , eineStadt, die man füglich das amerikanische Rom nennen könnte, und in welcherallein über 40,000 deutsche Katholiken wohnen, einen glänzenden Beleg. Diedortigen Deutschen haben im vorigen Jahre,um die katholische Jugend vonCincinnati gegen schlechte Gesellschaft und die täglich mehr zunehmenden Ge-fahren der Jmmoralität zu schützen," ein Institut auf Actien errichtet, in welchemdem Plane gemäß die Jugend, aber auch die gesammte katholische Bevölkerungim Allgemeinen, Gelegenheit und Mittel für Unterricht, Erholung und gegen-seitige Ausbildung durch sociale katholische Unterhaltung finden soll. Ge-nauer findet sich der Zweck der Anstalt in einer eigenen Broschüre entwickelt(Geschichte und Organisation des katholischen Institutes in Cincinnati, Cinc. 1860.),wo es §. 1. der Statuten heißt: Zweck und Aufgabe ist, ein Gebäude zu er-richten, verbunden mit einer großen Halle, wo die Katholiken der Stadt undUmgegend zur Abhaltung von Vorlesungen, Debatten, Concerten und Fairs(Ausstellungen) zusammenkommen, die katholischen Vereine ihre Versammlungenhalten können, wo durch Errichtung einer Bürger- oder Fortbildungsschule, einerLesehalle und Bibliothek den Katholiken Gelegenheit zur weiteren Ausbildunggeboten wird, und wo die katholische Familie auch zur geselligen Unterhaltungsich versammeln kann." Die Anstalt zerfällt in eine musikalische, literarische,historische Section, Debattirklub (Zweck: die intellectuelle Vervollkommnung derMitglieder durch Lesen von Aufsätzen und Besprechungen von Fragen allgemeinenund besonderen Interesses) und in eine gymnastische Section. Der erste Directorist der jedesmalige Erzbischof von Cincinnati, z. Z. der hochw. Herr I. B.Purcell; die übrigen Directoren sind Deutsche. Es ist dies ein Werk, das fürdie Katholiken Cincinnati's von unbechenbaren wohlthätigen Folgen sein muß.Die Idee," sagt der Erzbischof in seinem Empfehlungsschreiben,ist der deut-schen Katholiken von Cincinnati würdig, welche wegen ihrer unerschütterlichenAnhänglichkeit an den alten Glauben ihres Vaterlandes, wegen Erbauungprachtvoller Kirchen, Unterhaltung ihrer Schulen, wegen der Verbreitung derheiligen Grundsätze der Religion, Moralität und des erleuchteten Patriotismus