Ausgabe 
20 (18.11.1860) 47
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einer katholischen Presse sich einen beneidenswerthen Ruf daheim und auch aus-wärts erworben haben."

Wir haben dieses neuen und großartigen Werkes deshalb ausführlichererwähnt, weil wir uns nicht entsinnen, in ganz Deutschland , wo es doch auchStädte gibt, die 40,000 katholische Bewohner zählen*), von einem auch nurannähernd ähnlichen gehört zu haben. Und doch, wie Noth thäten bei der Herr-schaft des Materialismus und des Unglaubens dergleichen Institute an garvielen Orten.

Wir kehren nach dieser Abschweifung zu unserem Thema zurück. Währendsich zu Ende des vorigen Jahrhunderts ein Verhältniß zwischen Katholiken undProtestanten wie l: 200 herausstellte, war im Jahre 1850 fast schon der zehnteAmerikaner Katholik. Dieses Verhältniß ist heute, nach kaum zehn Jahren schonwieder ein anderes, da sich die Zahl der Katholiken verdoppelt, während dieZunahme der Gesammt-Bevölkerung nicht gleichen Schritt gehalten hat, da die-selbe sonst auf 40,000,000 angewachsen sein müßte, während sie kaum mehr als29 Millionen betragen dürfte, wonach sich also ein Verhältniß von 1 :7herausstellt.

Daß ein so bedeutendes Element auch in politischer Beziehung von nicktuntergeordnetem Interesse sein könne, beweisen die letzten Präsidentenwahlen aufdas entschiedenste, wo die Candidaten der verschiedensten Parteien sich um dasWohlwollen der Katholiken bewarben. Daß die früheren, aus dem freien Eng-land nach Amerika verpflanzten Ausnahme-Zustände, gesetzliche Zurücksetzung undBedrückungen der Katholiken längst aufgehört, kann als bekannt vorausgesetztwerden, tw. England, Bischof von Charlestown in Süd-Carolina, sprach sichbei seiner Anwesenheit in Wien im I. 1833 über diese Verhältnisse in eineman den Fürst-Erzbischof von Wien als Präses des Leopolden-Vereins gerichtetenBericht folgendermaßen aus, nachdem er der früheren Zustände kurz gedacht:Wir haben völlige Befugniß, Alles zu thun, was wir möglicher Weise be-gehren oder für die Religion ersprießlich halten können. Wir können Ordens-häuser, Kollegien, Klöster, Seminarien, Schulen und Kirchen errichten, wir können^ deren Eigenthum versichern lassen und unter Beobachtung der gesetzlichen Vor-schriften die allerausgedehnteste Sicherheit erlangen, nicht nur gegen die Raub-lust von Individuen, sondern selbst gegen die Möglichkeit eines Eingriffes der

> Regierung in religiöse Stiftungen. Die amerikanischen Regierungen beschützen! die Rechte aller Religions-Gesellschaften, ohne sich in die innere Disciplin irgend

einer zu mischen. Wir brauchen unsere Regeln keiner Aufsicht zu unterwerfen,nie ist's Jemand in den Sinn gekommen, Correspondenzen mit dem heiligenStuhle zu beengen; wenn wir von dieser höchsten Stelle Weisungen erhalten,so vollziehen wir den Inhalt derselben ohne Hinderniß. Man erklärt uns ganzeinfach, daß wir den Gesetzen verantwortlich sind, wenn wir sie verletzen, unddaß die Regierung mit unseren geistigen Angelegenheiten, sowie der Papst mitunserer weltlichen Regierung nichts zu thun hätten, und daher unsere Correspon-denz mit ihm sie nichts anginge. Unsere getrennten Brüder genießen gleicheRechte, die sie frei gebrauchen, und sie, wie wir, sind mit derselben Wärmeunserer Verfassung ergeben, die uns diese Rechte selbst gegen die Gewalt des

> Präsidenten oder Congresses gewährleistet." (Forts, f.)

*) Unser Breslau zählt auch mehr als 40,000 Katholiken, die eine sogenannte katholischeRessource haben, deren Zweck allerdings ein wesentlich anderer ist, als der obigen Insti-tutes, und wo Kladderadatsch und Jllustrirte Zeitung neben dem Kirchenblatt dieHaupt- und einzige Lectüre bilden.