Ausgabe 
20 (25.11.1860) 48
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Ueberschlag über die Gesammtmenge dieser neuen Ankömmlinge machen. Dabeiist zu erwägen, daß es der großen Mehrzahl nach gerade nicht die edelsten ihrerSöhne sind, die Deutschland, England und Irland, Frankreich und Belgien u. s. w. entsendet, daß weder der Reichthum noch die Bildung dieser Länderdurch jene repräsentirt wird, daß vielmehr oftmals der Abschaum, die untersteHefe der Bevölkerung sich unter ihnen befindet, die ihr altes Vaterland nichtlänger in seinem Schooße dulden mag. Und alle diese verschiedenartigen Elemente,die daheim längst alle Achtung vor dem Gesetze verloren hatten, hier lernen siesich ihm beugen, und werden sie durch die Liebe zu ihrem neuen Vaterlande,das ihnen gastliche Aufnahme und volle Freiheit ihres politischen und religiösenBekenntnisses gewährt, zu einer im Ganzen und Großen achtungswerthen Masseumgewandelt. Wenn wir wissen, daß allein Irland fast die Hälfte sämmtlicherEinwanderer liefert, daß außer Deutschland Frankreich, Belgien und Spanien ein beträchtliches Contingent stellen, so wird die überraschende Zunahme derkatholischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten erklärlich, da mindestenszwei Dritttheile der gesammten Einwanderung der katholischen Kirche angehören,während gleichzeitig die Zahl der jährlich, stattfindenden Conversionen eine un-gemein beträchtliche ist.

Haben wir bisher die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten nachihrer äußeren Erscheinung betrachtet, so wollen wir auch der Innerlichkeit der-selben einige Aufmerksamkeit zuwenden und uns hierbei der Führung einesMannes überlassen, dem als geborenem Amerikaner und ehemaligen Protestanten,der nach anhaltender tiefer Betrachtung und Forschungseine Wahl getroffen,"und der sich der Kirche anvertraut, in der allein Heil zu finden, dem, wieder-holen wir, in Folge der eingehendsten Studien über den Charakter seiner anglo-amerikauischen Landsleuie, wie Keinem ein berechtigtes Urtheil zusteht. Wirmeinen Brownson.

(Fortsetzung folgt.)

Charakteristische Züge aus dem Leben Pius 1 ^.

Unter diesem Titel ist ein kleines Werk von Abbe v. Dumax erschienen(in deutscher Uebersetzung bei Kirchheim in Mainz ), das des Interessanten,Rührenden und Erbaulichen viel enthält, und aus welchem das Volksblatt fürTirol und Vorarlberg einiges von dem minder Bekannten mittheilt.

Ein Bild der äußeren Erscheinung des hl. Vaters entwirft ein mitge-theilter Privatbrief in folgender Weise:

.... Man hat viele Porträts des Papstes sowohl zu Rom, als zu Paris verfertigt, wenige darunter sind ähnlich, die meisten bleiben weit hinter derWahrheit zurück. In der breiten und hohen Stirne Pius IX., seinen aus-drucksvollen Augen mit dem lebhaften Blick voll Scharfsinn, Verstand, Wohl-wollen und Güte, dem intelligenten Ausdrucke des Mundes, dem hinreißendenLächeln, dem Antlitz, über welches eine sanfte Heiterkeit ausgegossen ist, die dasUnglück zwar verschleiern, aber nicht gänzlich verwischen konnte, in all' demliegt ein geheimnißvoller Reiz, den die Künstler nicht wiederzugeben vermochten;fast scheint es, als ob sie nicht wagten, dieses erhabene Antlitz nach Muße zubeschauen.

Pius IX. ist über mittlere Größe, seine Haltung ernst und ohne Ziererei,seine ganze Persönlichkeit macht den Eindruck eines überaus wohlwollenden undmit hervorragenden geistigen Kräften ausgestatteten Mannes, ein Eindruck, demsich Niemand zu entziehen vermag.