Ausgabe 
20 (25.11.1860) 48
Seite
382
 
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IX. sprach:Es ist ein wohlthuendes Gefühl, ihn zu sehen. Das Herz ist voneinem Balsam erquickt, wenn man vom Papste kommt, und man befindet sichfür den Rest des Tages in gehobener freudiger Stimmung."

Als die junge Prinzessin von Preußen die Peterskirche mit ihrem Vaterbesuchte, begegneten sie dort dem Papste, welcher einige Worte an sie richtete,wie er sie zu sprechen versteht. Die Prinzessin, obgleich Protestantin, war vonBewunderung hingerissen. . . . Man hatte eine Erfrischung aufgetragen, undlud sie ein, sich zur Tafel zu setzen.O nein." antwortete sie,mein Herz.ist zu voll, ich fühle mich gesättigt von dem Glücke Pius !X . gesehen und ge-hört zu haben." _

Die christlichen Dienstboten.

. (Schluß.)

Mein Entschluß, Priester zu werden, schien indeß durch ein unerwartetesEreigniß zu Wasser werden zu wollen, da ein älterer Bruder vom Vater zumStudiren bestimmt und mit Sack und Pack zur Stadt gebracht wurde, um dortUngestört seine Vorbereitung beginnen und ausführen zu können. Das wolltemir gar nicht gefallen, weil ich meinte, der Vater würde mich nun davon zu-rückhalten. Wem konnte ich meine Bekümmernisse darüber besser mittheilen, als derguten Marie, die zu Allem Rath wußte? Die sagte mir, das thäte nichts,weil der Vater Geld genug habe, wenn wir auch alle vier studireu wollten.Das beruhigte mich vollkommen; dazu dauerte das Studium des ältern Brudersnicht lange. Kaum war derselbe einige Tage in der Stadt gewesen, als derselbean einem Abend im Zwielichte wieder auf dem väterlichen Hofe erschien mit derErklärung, er möge in der Stadt gar nicht sein. Der Vater aber, der vonseinem Willen nie abging, bestellte augenblicklich einen Knecht, der den weinendenGerhard wieder zu seinen Büchern bringen mußte. Dadurch war jedoch seineLust zum Stadtleben nicht größer geworden. Als wie einige Tage später zu-sammen zu Mittag speiseten, stellte sich der Student nochmals wieder vor: mitweinenden Augen stand er an der Thüre und gab die Schlußerklärung, er wollelieber sterben, als länger in derStadt sein I Die Mägde und Schwestern liefenvor Schrecken davon; dem starken Baumeister sogar entfiel aus Furcht vor demZorne des Vaters, der vom Stuhle aufsprang und nur mit Mühe von der be-sänftigenden Mutter zurückgehalten wurde, der Löffel aus der Hand. Keinerglaubte, daß der Vater nachgeben werde! Während dieser so im schweigendenZorne nach dem stehenden Sohne sah, flüsterte mir die treue Marie, die alleinStand gehalten hatte und neben mir saß, zu, ich möchte sagen, daß ich spätergern in der Stadt bleiben und studiren wolle. Ich that das auch ganz beherzt,und gab dadurch der Scene eine sehr glückliche Wendung. Der Vater nannte michWeiser als den großen Gerhard und schien Plötzlich ganz besänftigt. Den dasAeußerste fürchtenden Bruder holte er an der Hand zum Tische und gestatteteihm ausdrücklich, jetzt zu Hause zu bleiben,nur müsse er jetzt wissen zu ar-beiten," wozu er sich auch sehrbereit erklärte. Als ich dann wieder mit meiner Ju-gendsühreren allein war, wurde ich von ihr angewiesen, die Rückkunft des Bru-ders aus der Stadt als eine Fügung des lieben Gottes anzusehen, und zu glauben, daßich, und nicht der andere Bruder, zum Priesterstand berufen sei; nur müßteich fleißig beten, und schon jetzt anfangen recht fromm zu sein. In solcherWeise wußte sie einen frommen Sinn in mir zu wecken und Lust zu meinemspäteren Berufe zu beleben; kein Wunder, daß ich sie als meine zweite Mutterliebte.

Daher wurde ich in die größte Trauer versetzt, als es hieß, sie werde unserverlassen nnd sich weit von da verheirathen. Ich bot Alles auf, ihr Ver-