Ausgabe 
20 (2.12.1860) 49
Seite
385
 
Einzelbild herunterladen

AWhSM AMljMIt.

49. 2. December 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten Nordamerikas .

(Fortsetzung.)

Ohne Zweifel," sagt Brownson in der erwähnten Schrift,hat die katho-lische Bevölkerung unseres Landes, größtentheils ein Zusammenfluß aus denniederen Classen in der alten Welt, soweit in dreihundert Jahren ihre Vatervon der Bigotterie, der Unduldsamkeit, den Verfolgungen, den UnterdrückungenSeitens protestantischer oder halbprotestantischer Regierungen zu leiden hatten,manche Züge angenommen in ihrem Charakter, ihren Sitten und ihrem Be-tragen, welche für den nichtkatholischen Amerikaner äußerlich wenig Anziehendes,ja etwas Abstoßendes haben. Unleugbar mag sich in unseren größeren Städteneine, leider, unverhältnißmäßig zahlreiche Volksclasse von Namenkatholiken finden,die weder ihrer Religion, noch dem Lande ihrer Geburt oder dem Lande, dassie aufgenommen, zur Ehre gereichen. Kein Katholik wird leugnen, daß dieKirche dieser Leute schmählich vernachlässigt worden, daß man sie ohne den ge-ringsten Unterricht in den Grundlehren der Sittlichkeit und Religion aufwachsenund unsern lasterhaften Pöbel, die Menge unserer Taugenichtse und Galgen-stricke anschwellen läßt. Das ist gewiß sehr zu beklagen, aber es erklärt sichleicht, ohne ein übles Licht auf die Kirche zu werfen, wenn man die nachteiligenVerhältnisse in Erwägung zieht: die Lage, in welcher diese Leute sich befanden,ehe sie hieher kamen; die Enttäuschungen und Entmuthigungen im fremdenLande; die Wehrlosigkeit den neuen und unvorgesehcnen Versuchungen gegen-über; die Thatsache, daß sie auch in ihrer Heimat nicht zu den besten Katholikengehörten; ihre Armuth, Verlassenheit, Unwissenheit, mangelhafte Bildung, nebsteiner gewissen Unbeholfenheit und Sorglosigkeit; endlich unsern großen Mangelan Schulen, Kirchen und Priestern. Es ist übrigens das Verhältniß dieserLeute zu unserer ganzen katholischen Bevölkerung ein weit geringeres, als mangewöhnlich annimmt. Auch sind sie nicht so durch und durch verdorben, als siescheinen; denn selten oder nie bekümmern sie sich um ihr Aeußeres und sie ver-stehen es schlecht, ihre Fehler zu verbergen. Wie tief sie auch stehen und wieverkommen sie auch sein mögen, so sind sie doch nie so gemein und lasterhaftals die entsprechende Classe von Protestanten in protestantischen Ländern. Einlasterhafter protestantischer Pöbel ist immer schlechter, ein lasterhafter katholi-scher immer besser, als er zu sein scheint. In den Schlechtesten unter diesen istimmer noch ein Keim, der mit angemessener Sorgfalt zum Leben herangezogenwerden, Blüthe treiben und Frucht bringen kann. In unseren engen Gassen,geschlossenen Häfen, dumpfen Kellern und schwülen Bodenkammern, wo es wiein einem Bienenstöcke schwärmt und summt, im tiefsten Schmutz und im zer-lumptesten Elend, wo der Trunk die Luft verpestet und die Lästerung laut auf-jauchzt und flucht, da, wo man äußerlich nichts sieht, als Höhlen des Lastersund des Verbrechens und der Schande, da findet man oft einzelne Personen,von welchen man wohl annehmen darf, sie haben ihre Taufunschuld noch nicht