Deutschen, Französischen, Spanischen und Italienischen übersetzen, haben wir be-reits eine reichere und auch vom gelehrten und wissenschaftlichen Standpuncteaus betrachtet gewichtvollere Literatur, als unsere Gegner vermuthen.
Ich habe lange und genaue Bekanntschaft gepflogen mit dem protestantischenKlerus der Vereinigten Staaten und bin keineswegs geneigt, die natürlichenFähigkeiten oder die gelehrten und wissenschaftlichen Kenntnisse desselben zuniedrig anzuschlagen, und wiewohl ich die jetzt lebenden Mitglieder desselbenfür sehr tief unter ihren Vorgängern stehend erachte, so habe ich doch hoheAchtung vor den Beiträgen, die sie zur Wissenschaft und Literatur unseres ge-
s meiusamen Vaterlandes geliefert haben und zu liefern fortfahren. Aber unserekatholische Geistlichkeit wiewohl in mancher Beziehung wegen Ungunst der Ver-hältnisse weniger gebildet, als sie es sein sollte, kann, abgesehen von solchenMitgliedern, deren Muttersprache nicht die unsere ist, in Bezug auf Genauigkeitund Feinheit im englischen Ausdrucke nicht anders als sehr zu ihrem Vortheilemit Jenen verglichen werden. Im Ganzen genommen übertrifft sie den nicht-katholischen Klerus an wohl eingeschulter Logik, an theologischer Wissenschaftlich-keit und an Gründlichkeit, nicht selten auch an Reichthum und Mannigfaltigkeitder Kenntnisse. Ich habe in der That unter den Katholiken in ihrem Denken,ihrem sittlichen Urtheil, ihrem persönlichen und gesellschaftlichen Verhalten einenhöheren Ton vorwaltend gefunden, als ich ihn jemals auch unter günstigerenVerhältnissen bei meinen nichtkatholischen Landsleuten zu beobachten Gelegen-heit hatte; und nimmt man die katholische Bevölkerung unseres Landes auchnur als das, was sie unter allen Nachtheilen ihrer Lage gegenwärtig ist, sowird auch der gebildetste und feinste Mann der Wissenschaft oder der Gesellschaftnichts finden, weshalb er sich zu schämen brauchte und nicht gern bekennenmöchte, er sei ein Katholik. —
s -Freilich habe ich Ursache gehabt, mich über Katholiken bei uns und
in andern Ländern zu beklagen; allein nicht, als stünden sie in Vergleich mitden Nichtkatholiken auf tieferer Stufe, sondern weil sie von der Höhe, die sieals Katholiken behaupten sollten, herabgesunken sind. Ich finde in der Denk-und Handlungsweise zwar lange nicht Aller, aber doch nur zu Vieler wie zurandern Natur geworden einen Mangel an männlichem Muthe, an Willenskraftund Geradheit, welche mir als eine eben so große Unklugheit erscheinen, wie siefür die Besscrgesinnten unter den Engländern und Amerikanern etwas Abstoßendeshaben. In Dingen, die nicht zum Glauben gehören, herrscht unter uns wenigerEinmüthigkeit und weniger Hochsinn, weniger Schicklichkeitsgefühl und wenigerNeigung, alle berechtigten Meinungsverschiedenheiten sich frei aussprechen zulassen, als man erwarten sollte. Aber ich weiß ja, daß ich selber nicht unfehl-bar bin, und mich vielleicht beklage, wo ich es nicht sollte. Vieles mag mir alsUnrecht erscheinen, weil ich nicht daran gewöhnt bin. Einiges muß auf daseigenthümliche Wesen des Volkscharakters und seine Entwickelung zurückgeführtwerden; und was weder durch natürliche noch durch geschichtliche Verhältnisse zu
^ rechtfertigen oder zu entschuldigen sein möchte, das läßt sich in allen Fällen ausUrsachen herleiten, die mit der Religion nichts gemein haben. Die Gewohn-
> heiten und Eigenthümlichkeiten, welche mir am wenigsten behagen wollen, sindoffenbar daher entsprungen, daß unsere Katholiken größtenteils aus Länderneingewandert sind, wo entweder der katholische Theil der Bevölkerung unterdrücktwurde von einer nichtkatholichen Regierung, die grundsätzlich den Katholicismuszu schwächen und zu ersticken suchte, oder wo der Staat dem Despotismus ver-fallen war, welcher aus den unseligen Religionswirren im 16. Jahrhundert her-vorging, und welcher dem gemeinen Volke keine Rechte zuerkannte und ihm nicht
> gestattete, sich der herrschenden Masse gleich zu achten. Unter den despotischen
! Regierungen einiger katholischer Länder und unter der Bigotterie und Jntole-