Ausgabe 
20 (2.12.1860) 49
Seite
389
 
Einzelbild herunterladen

Eisenbahn bis New-Orleans noch nicht vollständig fertig, wie sie es heute ist,und so mußte ich einen Tag und zwei Nächte in amerikanischen Reisekutschen>und zwar durch die Moräste und Wälder des Staates Misfisippi zubringen.Nie hat mich eine Reise so sehr erschöpft wie diese. Die Passagiere an diesenPlätzen waren öfter genöthigt, mit aller Anstrengung die mit Koffern bepacktenWagen aus den Morasthöhlen herauszuheben, und neben denselben im tiefenKoth zu waten. Wie froh ist man dann, wenn man nach solchen Strapazenwieder das Pfeifen der Eisenbahn hört! Durch Hilfe deS Dampfes gelang esmir dennoch, die Strecke von 1600 englischen Meilen in drei Tagen zurückzu-legen. Die ganze Reise von Cincinnati nach Galveston kann jetzt in H Tagenzurückgelegt werden. Ich begann die Mission in der Kathedrale selbst, undzwar am ersten Fasten-Sonntag. Bald wurde es mir nun klar, welche Prüfungder Herr mir besonders für Texas aufbewahrt habe. Es war nicht sowohl dasKlima und die physischen Uebelstände, als der Fanatismus der Methodisten, diebesonders hier in Texas mächtig sind. Die Veranlassung zu dieser Art vonRaserei und Opposition der Methodisten gab derWahrheitsfreund" von Cin-cinnati . Derselbe verkündigte meine Abreise nach Texas mit der Bemerkung,daß ich daselbst den Methodismus zu begraben gedächte. Diese Aeußerung brachtedie Methodisten in Angst und Wuth. Die Redacteure eines ihrer Haupt-Jour-nale, nämlichdes christlichen Apologeten," stellten sich an die Spitze der Be-wegung. Sowie die Mission begann, störmten diese Methodisten schaarenweiseherbei, und die Pastoren notirten sich bei der Predigt, was ihnen besondersausfiel. Indeß sie konnten dabei wenig gewinnen; ich gab die Mission nachihrer Ordnung und polemisirte nicht. Da bot ihnen der Beichtstuhl mehrGelegenheit zu Verleumdungen dar. Es gibt in Texas eine Unzahl von ge-mischten Ehen, und leider ist bei sehr vielen die katholische Kindererziehung nichtgesichert. Da hieß es nun auf einmal, und wurde auch sogleich durch Zeitungenausposaunt, es habe eine katholische Frau bei mir gebeichtet, die einen prote-stantischen Mann, einen Büchsenmacher, geheiratet, und die ihre Kinder in derprotestantischen Kirche taufen und protestantisch erziehen ließ. Dieser Frau nunhätte ich gesagt, daß die Taufe ungiltig sei, und daß sie besser gethan hätte,wenn sie die Kinder in kochendes Wasser gesetzt und ihnen die Haut über dieOhren herabgezogen hätte. Jeder Mensch sieht leicht ein, was an der SacheWahres gewesen sei, und wie der Lügengeist die Sache entstellte, um den Metho-disten einen solchen Braten aufzutischen, nach welchem ihnen gerade gelüstete.Herr Mölnig, der Redacteur des Apologeten, ein abgefallener Katholik, richtetedemnach, und zwar. im Namen aller Protestanten von Galveston ein offenesSendschreiben an mich, mit der Aufforderung, ich sollte mich über diesen Beicht-fall vertheidigen.

Ich ergriff diese Gelegenheit, um, abgesehen von dem Beichtfalle, einigeFragen zu beantworten, die sich auf solche Lehren der h. Kirche beziehen, welchevon den Feinden derselben besonders entstellt zu werden Pflegen. Ich schrieb einPamphlet. Im Eingang erklärte ich Hrn. Mölnig, daß ich sein Schreiben, wennes indessen alleinigem Namen an mich gerichtet gewesen wäre, Wetters auch nichtberücksichtigt hätte. Ihn treffe der Ausspruch des deutschen Dichters:Ein sol-cher Wurm erstickt in seinem eigenen Gestank." Wenn ich dessenungeachtet aufeine Antwort eingehe, so geschehe es nur aus Rücksicht aus die Protestanten vonganz Galveston , in deren Namen er das Schreiben an mich gerichtet habe. Unterdiesen seien allerdings ehrenwerthe Männer und für diese sei die Antwort ge-schrieben. Ich bemerkte jedoch, wie unpassend es für ihn als abgefallenenKatholiken sei, mich über einen Beichtsall zu fragen. Er wisse doch, daß ich alskathol. Priester daraus nicht antworten könne. Wolle er und Consorten wissen,Wie ich Beichtende anzureden Pflege, so möge er selbst kommen und beichten.