Ausgabe 
20 (2.12.1860) 49
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Die Fragen, die ich dann abgesehen vorn Beichtfalle selbst^ beantwortete,waren diese:

1. Was halten wir Katholiken von der Taufe durch Protestanten ertheilt,und warum werde dieselbe zeitweise unter Bedingung ertheilt?

, 2. Warum verlangt die lathol. Kirche die lathol. Erziehung der Kinder ausgemischten Ehen, und was ist von einer katholischen Mutter zu halten, welchedie kathol. Kirche als die allein seligmachende Kirche erkennt, und ihre Kinderdennoch aus Rücksicht für ihren Mann protestantisch erziehen läßt?

3. Verdammen wir Katholiken die Protestanten, wenn wir behaupten, daßdie kathol. Kirche die allein seligmachende sei, oder verdammen sich dieselbenselbst, wenn sie freiwillig irren?

Ist freiwilliger Irrthum im Glauben wirklich eine schwere Sünde.

5. Ist der Beweisgrund für die Wahrheit der kathol. Kirche wirklich durch-aus an und für sich peremtorisch: Die erste Kirche die wahre?

Diese Fragen beantwortete ich so bündig, einfach und klar, als es mirnur möglich war, und ließ das Pamphlet an den protestantischen Kirchthürenvertheilen. Der Eindruck war ein gewaltiger. Während man früher ausoffener Straße debattirte, verstummte nun Alles.

(Fortsetzung folgt.)

Zufall oder Strafe.

Bei der immer höher steigenden Fluth der Gottlosigkeit und des Sitten-verderbnisses in Italien treten auch immer häufiger merkwürdige Erscheinungenzu Tage, in welchen das noch gläubige Volk mit Recht die strafende HandGottes erkennt. Als neulich der Präsident der sardonischen Kammer das Ver-zeichniß der Abgeordneten aus den annexirten Staaten verlas und eben dieNamen der Deputirten aus der Nomagna, jener dem Papste und der katholischenKirche gewaltsam entrissenen Provinz, aussprechen wollte, sank er vom Schlagegetroffen ohnmächtig nieder und mußte aus dem Saale bewußtlos fortgetragenwerden. Dieser Vorfall verursachte unter den Anwesenden einen solchen Schrecken,daß die beiden ältesten Glieder der Kammer, welche das Präsidium zu über-nehmen gebeten wurden, diese Ehre ablehnten. Noch auffallender ist folgenderFall, der erst vor wenigen Tagen in den öffentlichen Blättern mitgetheilt wurde.Ein Gottloser trat in ein Wirthshaus und forderte ein Glas Liqueur mit denWorten:Gebt mir für zwei Kreuzer von der Excommunication!" Er trankdas Glas in einem Zuge aus > und fiel todt zu Boden. An einem Wall-fahrtsorte fand ein wohlbeleibter Volksversührer sich bemüßigt, eine Versammlungin der Nähe der Kirche zu halten und gegen die Excommunication zu Feldezu ziehen. Der Pfarrer öffnet seine Kirche und läßt mit der Glocke ein Zeichenzum Gebete geben; Alles eilt zur Kirche, wo der Priester über den geistigenTod spricht. Der Volksverführer lästert fort und ereifert sich im Fluchen so sehr,daß er, vom Schlage getroffen, zusammenbrach.

Ein Student, der in Rom den Universitätsscandal gegen die Unterzeich-nung der Adresse an den Papst veranlaßt und öfter gesagt hatte, es sei besserzu sterben, denn als Sclave der Priester zu leben, bekam plötzlich den Blutsturzund erklärte in der Todesgefahr vor einem Priester und vor eigens berufenenZeugen, er nehme den frevelhaften, von ihmden geheimen Gesellschaftengeschworenen Eid zurück und bitte um Verzeihung des gegebenen Aergernisses.Er starb eines christlichen Todes. In Bologna starb eines jähen Todesjener Deputirte der Nationalversammlung, welcher das Decret der Entthronungdes heiligen Vaters verfaßt hatte. Zu Cesena, einer gleichfalls in der Roma-