Ausgabe 
20 (2.12.1860) 49
Seite
392
 
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Diese alte Geschichte bleibt ewig wahr und neu; unter welchem Namenimmer der Feind der christlichen Civilisation, der Verwüster des Friedens, derEhre und des Lebens der Völker auftritt, gegen den heil. Petrus gegen denPapst, seinen Nachfolger richtet er seine grimmigsten, unaufhörlich wieder- ^holten Angriffe; es ist die Vernichtung der Kirche, ihrer Autorität, ihrer Unab-hängigkeit, worauf er neben seinen andern finstern Planen vorzugsweise sinnt.

Aber welche Prüfungen auch über den h. Stuhl in seiner Bedrängniß ergehenmögen, welche Grausamkeit, Perfidie und Schwäche auch immerhin sich verbünden 1mögen, um ihn zu beschimpfen, zu berauben und zu demüthigen er ist es,welcher thatsächlich alle Gewaltthätigkeit wie alle Ränke beherrscht; es ist derStab des schwachen Greises, welcher die stolzesten Gegner zu Boden wirft; esist der hl. Petrus, welcher die Feinde des Herrn und der Gesellschaft tödtlichverwundet.

Die Wirkung der Bilder.

Ein katholischer Geistlicher ist einmal mit der hl. Wegzehrung zu einemSchwindsüchtigen gekommen, der beim Empfang des hl. Sacramentes, obwohlunter Protestanten lebend, einen ungewöhnlich kräftigen Glauben und innigeAndacht an den Tag legte und ihm Folgendes erzählte: Von katholischen Elterngut erzogen entschied er sich bei der Standeswahl für das Geschäft eines Wein-händlers, bei dem er allmälig, indem er den verschiedenen Versuchungen unter-lag, ein leidenschaftlicher Trinker wurde. Die Vorwürfe seines Gewissens überdie dadurch herbeigeführte Zerrüttung seiner häuslichen Verhältnisse suchte erdurch unmäßigen Branntweingenuß zu übertäuben. Das religiöse Gefühl warlängst abgestumpft. Eines Abends spät kehrte er von einem Geschäftsgang inseinen Wohnort zurück, fiel in der Trunkenheit nieder und blieb liegen. Als erMorgens aus dem Schlaf erwachte, sah er über sich das Bild des Gekreuzigten,da er gerade unter einem Feldkreuz niedergefallen war. Dieser unerwarteteAnblick und der Umstand, daß er eine kalte Märznacht ohne Schaden auf freiemFelde zugebracht hatte, machte einen so tiefen Eindruck auf den Mann, daß eran Ort und Stelle unter einem Strom von Reuethränen das Gelübde ablegte,nie mehr einen Tropfen Branntwein zu trinken. Zugleich hörte er von derStadt her das Geläute zum Frühgottesdienste am Feste der Verkündigung Mariä,und dies vollendete seine Umwandlung. Er legte sofort eine hl. Beicht ab, dieerste wieder seit mehreren Jahren, und hielt von da an treulich das Gelübde,das er unter'm Kreuzbilde gemacht hatte.

Das Gewissen.

Es ist mit dem Gewissen, wie mit einem Wecker an der Uhr. Der Weckerweckt, mahnt und schreckt nur, aber er zwingt dich nicht aufzustehen, noch vielweniger hebt er dich selber aus dem Bett, was oft nöthig wäre. So mahntauch das Gewissen, aber du kannst gleichwohl thun, was du willst. Ferner fälltder Wecker ein-, zwei-, dreimal und du hörst ihn; stehst du aber nicht aus,sondern schläfst wieder ein, so hörst du ihn immer weniger, bis du seiner garnicht mehr achtest; er fällt zwar und lärmt stark genug, aber dich weckt er nicht,du hast dich gewöhnt, ihm nicht zu folgen. So redet das Gewissen immer zuund stößt und mahnt dich; aber ein-, zwei- und dreimal nicht gefolgt, dawird es stiller; es weiß ja, daß es nichts nützt.

Das letzte Sonntagsblatt wurde unrichtig anstatt mit Nr. 48 mit Nr. 47 bezeichnet.

Sikdatti»» uuv Lcrlaz: Dr. M. Hutller.

Druck von 3. M. Kleiulc.