Fuad-Pascha, bereits in Syrien angekommen, und mit der Untersuchung derEreignisse und der Bestrafung der Schuldigen beschäftigt. Ohne die Dazwischen-kunft der Großmächte und die Anwesenheit der europäischen Truppen würde es um dieBestrafung der Schuldigen wohl um so schlechter gestanden haben, als die türkischeRegierung schon in gewöhnlichen Zeiten nicht im Stande ist, in den entlegenenTheilen des Reiches dem Rechte Geltung zu verschaffen und die türkischen Be-amten sich schwerlich ein Werk hätten angelegen sein lassen, zu dem, von allemAndern abgesehen, ihnen augenscheinlich die Macht abgeht. In Damascus sind.bereits hundert und einige dreißig Personen gehängt und erschossen worden, undnoch jüngst der Gouverneur dieser Stadt mit einigen Officieren.
In Beirut wird nun die noch weit schwierigere Untersuchung gegen dieDrusen und ihre auf dem Libanon verübten Greul fortgesetzt werden. Fuad-Pascha hatte bereits die Scheits derselben aufgefordert, sich daselbst zu stellenund sich zu verantworten. Auf diese Aufforderung hat sich jedoch nur eine ganzgeringe Anzahl derselben, und höchst wahrscheinlich nur diejenigen, die amwenigsten schuldig waren, eingestellt. Jetzt hat Fuad Pascha wiederholt eineAufforderung an die drusischen Scheiks erlassen, worin denselben angezeigt wirddaß, im Falle sie sich nicht zur Untersuchung in Beirut einfinden, sie ihrerStellen entsetzt, ihre Güter eingezogen und sie in contumaciam ohne Appell ver-urtheilt werden würden, es sei denn, daß sie ihr Ausbleiben mit triftigen Grüdenzuentschuldigen vermöchten. Es wird sich nun bald zeigen ob die Drusen dieserAufforderung Folge leisten, oder ob, wie es den Anschein hat, die Franzosen ,welche sich bereits zu Deir el Kamar im Gebirge zur Beschützung der Christenbefinden, auch noch den Türken helfen müssen, um die Schuldigen herbeizu-schaffen. Es darf nicht unerwähnt gelassen werden, daß auch England einenCommissar, Lord Dufferin, nach Beirut gesandt hat, ohne Zweifel um das eng-lische Ansehen und Interesse zu wahren, und gewiß nicht weniger, damit seinenedlen Freunden und Schützlingen, den Drusen, nur ja nicht zu wehe ge-schehe.*) Hamdan Belmini, der Großpriester der Drusen, hat für diese auchbereits den Schutz der Königin von England nachgesucht.
Mit Bezug aus die Zustände in Syrien und auch der ganzen Türkei kannder Katholik die Anwesenheit der französischen Truppen in Syrien nur mitFreuden begrüßen; zwar ist die Zahl derselben gering, doch werden schon andere Trup-pen nachfolgen, wenn sich diese Zahl als ungenügend erweisen sollte, ehe die übri-gen 6000 Mann europäischer Truppen eingetroffen sind. Nachdem so schrecklicheEreignisse sich zugetragen, gibt es nur den einen Wunsch und die eine Hoffnung,daß die Züchtigung eine so strenge, gründliche und eklatante werde, um auchdem türkischen Volke, d. h. jedem einzelnen gewöhnlichen Türken, das begreiflichzu machen, was die türkischen Würdenträger, wie Fuad-Pascha , längst wissen,nämlich, daß den christlichen Mächten, wenn sie den redlichen Willen dazu habendie Kraft inne wohnt, nicht bloß jedem an den Christen verübten Frevel dieStrafe auf dem Fuße folgen zu lassen, sondern nöthigenfalls dem ganzen türki-schen Reiche ein Ende zu machen. Wäre man jenes guten Willens der Mächteversichert, so würde gewiß jeder Christ und Menschenfreund beruhigt sein unddie Franzosen nach den in der Vereinbarung stipulirten sechs Monaten gern
*) Ein Gespräch, das in Gegenwart des Msgr. MiSIin zwischen einem Engländer undeinem maronitischen Scheik Statt hatte, bezeichnet in Kürze die Stellung, welche England zuden götzendienerischen Drusen einnimmt. „England und Frankreich, " sagte der Engländer,„find zwei rivalistrende Mächte, deren Interessen fich gegenüberstehen; wenn also Frankreich in Eurem Lande seinen Einfluß durch die Maroniten begründet, so muß England nothwen-diger Weise bestrebt sein, demselben durch die Drusen ein Gegengewicht zu schaffen." —„Dann wird," erwiederte kalt der Scheik, „an dem Tage, wo Frankreich sich für Gott erklärt,England mit Nothwendigkeit für den Teufel Partei ergreifen müssen," (llislin, bos SaiiUsIneux, tom I. cliap. VIII»)