Ausgabe 
20 (9.12.1860) 50
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wieder abziehen sehen. Allein unter den obwaltenden Umständen sind wir fastgeneigt, zu glauben, daß die Franzosen Syrien nicht eher verlassen werden, alsbis die wichtige orientalische Frage gelöst ist, und bei der Nähe des Verfallesdes türkischen Reiches müssen wir, offen gestanden, dieses auch wünschen: einAbzug vor diesem Zeitpunkte würde wenn nicht eine gänzliche Umwandlung inden muselmännischen Gemüthern, die doch nicht zu erwarten ist, vor sich gegan-gen, nichts Anderes bedeuten, als die ganze christliche Bevölkerung des Landesund wohl darüber hinaus dem muselmännischen Fanatismus Preis geben. Indieser Sache dürfte übrigens die Macht der Ereignisse wohl mehr für die Unter-drückten thun, als die seinberechneten Maßnahmen der europäischen Diplomatie,welche in der Regel nur von dem kalten Egoismus eingegeben sind.

Wie dem sei, die Kirche zählt eine große Anzahl von Blutzeugen mehr,darunter Priester, Mönche, Nonnen und Kindern, deren Fürbitte dem unglück-lichen Lande und seinen Bewohnern jedenfalls mehr nutzen wird, als die Ge-walt und der Erfolg der Waffen.

Wir können diese Zeilen nicht schließen, ohne einen Augenblick bei dem rüh-renden Gedanken zu verweilen, den das Schauspiel gewährt, zu einer Zeit, wodas Oberhaupt der Kirche selbst so schwer geprüft ist, das treue Volk der Maro-niten, das dem römischen Papste vielleicht vor allen andern in Liebe zugethanist,*) so schwere Prüfungen um des Glaubens willen erdulden zu sehen. Möchtefür den milden Papst und für die ihm in Liebe zugeneigten Söhne der Bergebald der Tag erscheinen, der ihren Leiden ein Ende macht.

Wir sind diesmal wegen Mangels an Raum nicht im Stande, auch nurgedrängt Näheres über den Schauplatz der Ereignisse und die interessanten Völker-schaften desselben mitzutheilen. Außer den Briefen aus dem h. Lande, so wieeinigen näheren Todesnachrichten, müssen wir uns daher auf die Mittheilungeneines Schreibens aus Beirut und eines andern aus Damaskus beschränken,welche die Haupt-Ereignisse in anschaulicher Kürze und lebendiger Schilderungvorführen. (Föns. folgr.)

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Die katholische Kirche in den Bereinigten Staaten Nordamerika's .

s(Schluß.)

Der katholische Theil unseres Volkes, gleichviel ob im Auslande oder hiergeboren, wagt es bis jetzt noch kaum, sich frei zu fühlen in diesem Lande derFreiheit. Sie sind so lange eine zertretene Masse gewesen, daß sie Mühe haben,sich ihre Freiheit hier als wirklich gesichert zu denken. Sie haben sich nie mitdem alten puritanischen Gemeinwesen aus England versöhnen können und neben

*)Die Maroniten charaktcrtstren sich durch eine fast beispiellose Anhänglichkeit an denrömischen Stuhl und den unbedingten Gehorsam gegen ihre Priester. Es kann zweifelhaftsein, ob sich irgendwo ein Volk nachweisen läßt, welches eine so aufrichtige und tiefe Ver-ehrung für den Papst hegt, als die Maromten in Syrien ." Robinson, Palästina u. s. w.Bd. 3., S. 747.Bald kam die Rede auf Pius IX . Alle diese guten Maroniten küßtenmit der größten Verehrung eine Medaille, auf welcher sich das Portrait des h. Vaters be-fand, uno die ihnen von Msgr. Pompallier gezeigt worden war. Auf einmal erhoben sie sichentblößten das Haupt, und Einer von ihnen stimmte das Gebet an, welches sie in der Kirchefür das Oberhaupt der Kirche zu singen pflegen; alle Andern antworteten darauf imChor.

Während in Italien, " so fährt der Verfasser fort, der im Jahre 1848 die Maronitenbesuchte und dessen Worte heute leider wieder zutreffend sind,während in Italien ein Volk,daS Pius >X . mit Wohlthaten überhäuft hat, sein Herz mit Bitterkeit tränkt, segnet hier einverlassenes, armes und unterdrücktes Volk seinen Namen und singt sein Lob auf den höchstenGipfeln des Libanons. Wie tröstlich ist es, die innige Anhäiiglichkeit dieser guten Maronitenan die Religion zu bemerken; sie ist der Anfang und das Ende aller ihrer Handlungen."sölislin, bes Samts bieux, tom I. cbsp. IX.)