Ausgabe 
20 (9.12.1860) 50
Seite
398
 
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licismus und dessen unermeßliche Bedeutung für die Bildung eines wahren undedlen National-Charakters und für die Erzeugung und Erhaltung einer wahren,edelu, hochherzigen Vaterlandsliebe. In wenigen Jahren werden sie die Ameri-kaner der Amerikaner sein, und auf sie wird es ankommen, ob das herrlicheWerk der Erhaltung amerikanischer Civilisation durchgeführt und die Hoffnungender Gründer unseres großen und wachsenden Freistaates in Erfüllung gehenwerden."

Dies sind die aus tief eingehenden Studien und Beobachtungen hervor-gehenden Ansichten eines Mannes, der durch reiche Lebenserfahrungen, durchStellung und Beruf vor Tausenden befähigt erscheint, über die sittlichen undreligiösen Zustände seines Vaterlandes ein gewichtvolles Urtheil zu fällen, derin seinen bisherigen Leistungen sich als einen nüchternen, umsichtigen undscharfen Beobachter gezeigt hat, und dessen Unparteilichkeit und Wahrheitsliebewir um so weniger anzufechten berechtigt sind, als seinem Urtheil über die Zu-kunft seines Vaterlandes das einer anderen, zweifelsohne vollwichtigen Autori-tät beipflichtend zur Seite steht. Wir meinen Papst Gregor XVI. , der zwardie amerikanischen Verhältnisse und Zustände nicht aus eigener Anschauungkannte, wohl aber durch seinen Verkehr mit den unzähligen Amerikanern, dieRom alljährlich besuchten und von denen Keiner Rom verließ, ohne dem heiligenVater seine Ehrfurcht bezeugt zu haben. In einer Unterredung mit Jarke, diedieser zu den merkwürdigsten Erinnerungen seines Lebens zählt, und deren er inseinem bereits erwähnten Buche (Principienfragen) erwähnt, hatte sich diesergroße Kirchenfürst auf ähnliche Weise wie der Amerikaner über die religiöse Zu-kunft dieses Volkes ausgesprochen. Er, der wie kein Anderer seit Jahren Ge-legenheit gehabt, täglich eine Musterkarte der Menschheit vor sich ausgebreitetzu sehen, stellte von allen Völkern den angelsächsischen Stamm und die Anglo-amerikaner insbesondere in die erste Reihe. Dies seien die, welche, wie derPapst ausdrücklich bemerkte, selbst ohne Unterschied ihres religiösen Bekenntnissesdiesem heiligen Stuhle und somit dem, dessen Stelle der Nachfolger Petri ausErden vertritt" die meiste Ehrfurcht zu beweisen pflegten. Auch Gregor pro-phezeite dem amerikanischen Volke,dem es um den Glauben tiefer Ernst sei,"eine große Zukunft

Der Schutzengel.

Erzählung aus meinem Leben.

Die gesürchteten Prüfungen waren glücklich vorüber, das hl. Dankamtgefeiert und jeder eilte mit Sehnsucht der Heimat zu, um dort im Kreise derSeinen die Ferien zu genießen; gibt es ja doch für den Studenten keinegrößere Freude, als wenn er nach zehnmonatlicher Plage und nach mancherleiEntbehrungen, die insbesondere bei armen Studenten nie ganz fehlen, mit einemguten Zeugnisse versehen eine zweimonatliche Freiheit vor sich sieht. Auch ichwollte keinen Augenblick mehr in der Stadt verlieren und begab mich mitmeinem Ränzlein versehen auf das Schiff, das mich nicht nach Hauseaber doch der Heimat näher führen sollte. Doch diesmal sollte meine Sehnsuchtnach der theuren Heimat noch zuerst einige Prüfung durchmachen, ehe sie gestilltwurde. Nach wenigen Stunden mußte das Schiff das mich aufgenommenhatte, damals fuhren noch keine Dampfschiffe, denn es war im Jahre 1832heftigen Windes wegen anlegen und, wie man sagt, windseie n, was mir garnicht taugen wollte. Nun wurde eine Strecke zu Fuß zurückgelegt, nächsten Tagwieder eine Strecke zu Schiff und abermals zwang der Wind zur Landung,erst am dritten Tage gelangte ich nach S., wohin ich bei günstigem Winde aneinem Tage hätte gelangen können. Ich hatte nun noch einen Weg von