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Februar. 1. Austritt des Hofpredigers Stöcker aus der conſerva-tiven Partei. 1. Deutſcher Reichstag: Brauſewetter⸗Debatte. 1. Erſter Erfolg des ſpaniſchen Generals Weyler aufCuba; die Aufſtändiſchen bei Santa Lucia geſchlagen. 3. Deutſcher Reichsſstag: Erſte Berathung des bürgerlichenGeſeꜩbuches. 5. Beginn des großen Lohnkampfes in der Confections-branche in Berlin. 8. Deutſcher Reichstag; Autrag Rückert und Gen, betr.Abänderung des Wahlgeſetzes für den deutſchen Reichs-tag abgenommen. 10. Großer Meteorfall in Madrid. 10. Deutſcher Reichſtag: Erſte Berathung der Gewerbe-ordnungs⸗Novelle.
11. Deutſcher Reichſtag: Berathung der Erklärung des
Reichskanzlers zur Währungsfrage. 11. Große Niederlage des Kabinets Bourgeois im fran-zöſiſchen Senat bei der Eiſenbahnfrage und der Straf-verfolgung Raynals.
11. Fürſt Ferdinand von Bulgarien vom türkiſchen Sultanofficiell als Souverän von Bulgarien anerkannt. 14. Taufe des bulgariſchen Prinzen Boris in Sofia.
15. Die Wahlreform vor dem öſterreichiſchen Parlament. 15. Deutſcher Reichstag: Große Debatte betr. Soldaten-
mißhandlungen. 17. Eine Depeſche aus Irkutsk meldet die RückkehrNanſen's. 18. In der deutſchen Colonialgeſellſchaft wird Dr. Petersan Stelle des Prinzen Arenberg zum Vorſitzendengewählt.
19. Der Ausſtand in der Confectionsbranche durch dasEinigungsamt beigelegt. 25. Dr. Jameſon trifft in London ein und wird jubelndempfangen.
28. Der Senat in Waſhington anerkennt mit großer
Mehrheit Cuba als kriegführende Macht.
März.1. Schlacht bei Abba Carima (Adua); die Italiener
unter General Baratieri werden von Menelik undden Abeſſyniern total geſchlagen und in wilder Fluchtzerſtreut. Verluſt der Italiener ca. 8000 Mann undſehr viel Kriegsmaterial; Heldentod des GeneralsDabormida und Gallianos.
2. Das Repräſentantenhaus in Waſhington anerkennt
ebenfalls mit erdrückender Mehrheit Cuba als krieg-führende Macht. 2. Großer Empfang des Papſtes aus Anlaß ſeinesJahrestages der Thronbeſteigung,
3. Großes Gruben⸗Unglück auf der Kleophas⸗Grube bei
Kattowitz; 109 Todte.
3. Ein Decret des Königs entbindet den General
Baratieri von ſeinem Poſten als Gouverneur von
Erythräa und ein Decret (vom 22. Februar) ernennt
den General Baldiſſera zum Befehlshaber deritalieniſchen Truppen in Afrika. 4. Die Demiſſion des Miniſteriums Criſpi vom Königvon Italien angenommen.
5. Stürmiſche Sitzung der römiſchen Deputirtenkammer.
Große Inſulten gegen Criſpi und Bedrohung des-ſelben. Der römiſche Senat läßt Criſpi ebenfallsfallen. Krawalle in Mailand; Straßendemonſtrationen in Rom. 9. Neues italieniſches Kabinet Rudini. 11. Der lippiſche Landtag exklärt ſich gegen die Regent-ſchaſt des Prinzen Adolf.
13. Deutſcher Reichſstag: Kolonialdebatte; Erhebungfurchtbarer Anklagen gegen Dr. Peters.Disciplinar⸗Unterſuchung gegen Dr. Peters eingeleitet;dieser legt den Vorſitz in der Kolonial-Geſellſchaftnieder.
16. Die franzöſiſche Deputirtenkammer genehmigt die Ge-ſetzes⸗Vorlage betr. die Weltausſtellung.
21. 25jährige Jubelfeier des Reichstages.
22. Die italieniſche Deputirtenkammer bewilligt den Afrika⸗Credit mit 217 gegen 122 Stimmen.
24. Das deutſche Kaiſerpaar in Genua ſehr gefeiert, 25. Im Lebaudy⸗Proceß funf Freiſprechungen, zwei Ver-urtheilungen.
26. Fürſt Ferdinand von Bulgarien vom kürkiſchen Sultanin Konſtantinopel in feierlicher Audienz empfangen.
Recenſionen und Notizen.
Hiſtoriſche Abhandlungen, herausgegeben von Dr.Th. Heigel und Dr. He Grauert. München,
Lüneburg. IV. Heft: Das Ceremoniell der Kaiſer-krönungen von Otto I. bis Friedrich II. von Dr. phil.Anton Diemand. 1894. 150 Seiten. 8°. M. 5.—.V. Heft: Johann Heinrich v. Schüle und ſein Pro-zeß mit der Augsburger Weberzunft(1784 1785)von Dr. Armin Seidl. 18904. 60 Seiten. M. 240.VI. Heft: Der Friede von Füſſen(1745) von Dr.Georg Preuß. 1894. 128 Seiten. 8°.
Die Ceremonien (Ordines) bei der Krönung der römiſch-deutſchen Kaiſer des früheren Mittelalters waren bereitsvon G. Waiß (Abhandlung der Göttinger Geſellſchaftder Wiſſenſchaften, Band 18) und J. Schwarzer (Forſch⸗ungen zur deutſchen Geſchichte, Band 22) in eingehenderWeiſe behandelt worden, Deßungeachtet iſt es A. Die-mand in oben citirter Schrift, beſonders durch Vergleich-ung der Ordines der Kaiſerkrönung mit jenen der deutfſchenKönigskrönung, gelungen, manche neue Geſichtspunkte zugewinnen und ſeine Vorgänger verſchiedentlich zu berich-tigen. Derſelbe ſtellt zunächſt die Ordines feſt, welche beiden einzelnen Kaiſerkrönungen in Anwendung kamen,wobei er drei Perioden in der Ausbildung des Cere-moniells conſtatiren kann. Die erſte reicht von Otto I.bis Heinrich V,, die zweite von Lothar III. bis Heinrich VI.;von ihr leitet die Krönung Otto's IV. zur dritten Ent-
wicklungsphaſe (Friedrich II. und Heinrich VII.) über.
Den zweiten Abſchnitt der Arbeit bildet die ſchon er-wähnte Vergleichung der Kaiſerkrönung mit derKönigskrönung. Im dritten Theile wird der Verlauf derKaiferkrönung in den einzelnen Perioden der Entwicklungihres Ceremoniells anſchaulich geſchildert, wobei nebenden gedruckten und ungedruckten Ordines der Kaiſer-krönung auch die Nachrichten zeitgenöſſiſcher Schriftſteller,ſoweit ſie einer ſtrengen Kritik Stand hielten, die Quellenbilden. In einem Excurſe wird der vielumſtrittene Eidbehandelt, den der deutſche König vor der Kaiſerkrönungdem Papſte zu leiſten hatte, und in der Beilage werdenverſchiedene, bisher ungedruckte Ordines aus Handſchriftendes 10. bis 14. Jahrhunderts zum erſten Male veröffent-licht. — Mit Benützung bisher unedirter Aeten des Augs-burger Stadtarchivs und an der Hand überkommenerFamilienpapiere behandelt A. Seidl in erſchöpfenderWeiſe den Streit des Neſtors der deutſchen KattundruckerHeinrich von Schüle, mit der Augsburger Weberſchaft1764—85). Die letztere ſah ſich durch die von Schülebetriebene En gros⸗Einfuhr oſtindiſcher Cottons in ihrerExiſtenz bedroht und war deßhalb nach Kräften be-müht, dem rückſichtsloſen Groß⸗Induſtriellen das Hand-werk zu legen. Der darüber entſtandene Prozeß ſpieltezumächſt vor dem Senate der ſchwäbiſchen Reichsſtadtund ſpäter vor dem kaiſerlichen Reichs⸗Hofrathe in Wien.
Er erregte ob ſeiner wirthſchaftlichen Bedeutung weithin
in deutſchen Landen berechtigtes Aufſehen. Bedeutete erdoch für Augsburgs bedeutendſtes Gewerbe die wirth-ſchaftliche Revolution, welche dem Zunftweſen den Todes-ſtoß verſetzte und dem modernen Großbetriebe in Handelund Induſtrie die Wege bahnte. — Für die Monographiedes G. Preuß über den Füſſener Frieden vom Jahre1745, womit der Verſuch der bayeriſchen Wittelsbacher,dem Hauſe Habsburg die Führerrolle in Deutſchlanddauernd zu entreißen, ein ſo klägliches Ende nahm liefertenneben den einſchlägigen bayeriſchen Staats⸗ und Privat⸗Archiven das k. k. Geh, Haus⸗, Hof⸗ und Staatsarchivund das k. k. Kriegsarchiv in Wien reichliches Quellen-material. Aufbauend auf, von Arneth's Meiſterwerk:„Maria Thereſia's erſte Regierungsjghre“ hat Preuß unterrichtiger Würdigung der in München und Wien maß-gebenden Verhältniſſe die beabſichtigte erſchöpfende Dar-ſtellung des Verlaufes der Friedensverhandlungen ge-liefert. Der Schwerpunkt der Arbeit dürfte in dem Nach-weiſe liegen, daß vor Allem die zweideutige Haltung desGrafen Seckendorff in der Kriegsführung und bei denFriedensverhandlungen ſchuld daran war, daß Bayernſich zu dem wenig ehrenvollen Frieden bequemen mußte. Gl.
Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Inſtituts von Haas & Grabherr in Augsburg.