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geleLten Zügen selbst jugendlicher Arbeiter unserer Fa-briken in den Städten entgegentritt, die als Fluch, undnur um den Hunger vom Leibe zu halten, geübt oderbesser ertragen wird: nicht diese Arbeit aus Verzweiflung,nein, die freie Arbeit um Gotteswillcn, welche, selbstwenn sie Schweiß kostet und Entsagung fordert, freudigund friedlich geleistet wird und darum die Kräfte nichtverbraucht und den Körper nicht zerstört: die vernünftigeund den Kräften angepaßte Arbeit forderte er, von demGrundsätze ausgehend, daß die Gaben verschiedene sindund nicht Jeglicher für Jegliches geeignet ist.
Daher ist dieser Arbeit um Gotteswillen die Gabeder Geduld und Freudigkeit beigemessen. Deßhalb unter-scheiden sich diese Arbeiter von den anderen durch dieHeiterkeit des Gemüthes, den freudigen ruhigen Blick,durch rothe Wangen und gesunde Glieder.
Mit welchem stillen Vergnügen sah der Verstorbenean den Sommer-Abenden den Spielen der Kinder undSchwestern im Garten zu! Da und dort griff er selbstein, ordnend, das Ganze des Spieles fördernd. Undwenn die Kinder sangen, sang er mit und gab denGrundton an.
Trotzdem die Anstalt ein eigenes Heim hatte, gabes noch harte Arbeit und harte Kämpfe, den gesteigertenAnsprüchen zu genügen, die Schulden allmählig ab-zutragen.
Und doch bald war das so trefflich gebaute Hauswieder viel zu klein. Der Präses sah sich genöthigt,das Nachbarhaus der Anstalt in der Dachauerstraße zuErwerben, das Austaltsgebäude um einen Flügel zu ver-längern und über das Ganze einen dritten Stock zubauen. Um den gegenwärtigen Raum für 70 Zöglinge,70 dienstthuende Mädchen und 54 alte Personen zu be-kommen, mußte die Bausumme von 170,000 Mark aus-gegeben werden. Und auch dieses stattliche Haus istgegenwärtig den täglich sich steigernden Bedürfnissen,namentlich den vielen dienstsnchenden Mädchen gegenüber,für welche kein Platz mehr ist und die mit schweremHerzen abgewiesen werden müssen, — also gegenübergroßstädtischen Verhältnissen — zu klein.
Ebenso ist die Filiale Warnbcrg, welche 1886 um170,000 M. erworben und fast neu gebaut wurde, zuklein. Es ist dort bereits eine Ziegelei errichtet, umdemnächst die Oekonomie- und dann die Wohngebäude zuerweitern.
Die prächtige Hauskapelle in der Münchner Anstaltwurde 1884 den 15. November von dem sel. Erzbischofvon Steichele eingeweiht, ebenso wie in Warnberg selbstdas äußerst zierliche Hauskapellcheu, welches, wenn auchvernachlässigt, so doch intakt von den ik?. Jesuiten intrefflicher Stuck-Arbeit herrührt.
In Warnberg ist seit 1888 eine Haushaltungs-schule von etwa 50 Zöglingen eingerichtet, in welcher dersel. Weis bis zu seinem Hingang der leitende Geniuswar, Unterricht nicht bloß in der Religion, sondern in derHaushaltung ertheilte. Für diese Anstalt wurde von demSeligen als Gehilfe der seit einer Reihe von Jahren fürdieselbe thätige und befreundete Pfarrer Wunibald Britzl-mayr, der jetzige Präses, gewonnen.
Nach langen vorbereitenden Arbeiten und der Be-seitigung mancher Hindernisse gelang es dem Dahin-gegangenen die Sanktion der Statuten der Anstalt vonSeiten der geistlichen und weltlichen Behörden zu er-Ltzlgen.
Alles dessen, was er bis jetzt auf eigene Gefahr
erworben, erarbeitet und erspart hatte, wollte er ledigwerden, ihm persönlich sollte nichts mehr eigen sein —obwohl er all sein Mühen und Arbeiten, seine bart er-sparten Pfennige der Anstalt geopfert hatte. Deßhalberrichtete er unter Aufsicht des Staates eine Stiftung.Für diese erbat er die landesherrliche Bestätigung.
In dem Kriegsjahre 1870 nahm er verwundet*Soldaten in sein Haus auf und entsendete einig*Schwestern zur Pflege der Verwundeten nach Frankreich .Er wurde in Folge dessen mit dem Verdienstkreuze aus-gezeichnet. Im Jahre 1878 wurde er zum kgl. geistl.Rathe ernannt und 1894 zum Geheimkämmerer Sr.Heiligkeit Papst Leo's Xlll.
Am 15. Juli 1893 feierte er das Freudenfest fürseine Anstalt, seine Schwestern, Kinder, Dienstboten,Freunde und die weitesten Kreise, nämlich das fünfzig-jährige Priesterjubiläum. Zwei Jahre später, am 13.November 1895, nahm ihn der Herr zu sich.
Während des Sommers 1895 begannen seine Kräftesichtlich abzunehmen. Ein lästiger Husten wollte nichtmehr weichen. Die sonst so rüstige aufrechte Haltungmachte der des Greisenalters Platz. Die Stimme warmatter geworden. Die Schwestern und Freunde batenihn, sich zurückzuziehen, sich zu schonen. Doch dafürfehlte dem Dahingegangenen jegliches Verständniß.
Mitten in den Sorgen und Arbeiten für die An-stalt wurde er am 6. November von einem schwerenAnfall überrascht. Es war noch Hoffnung, sein Lebenfür einige Zeit zu fristen. Am 13. November hauchteer die edle Seele aus.
Wenige Tage zuvor, etwa Ende Oktober, überraschteSchreiber dieses den Seligen mitten in dem zahlreichenGeflügel des Hühnerhofes stehend, das ihn umringte, daser mit den Brosamen von seinem Mittagstische mit eigenerHand fütterte. Die zutraulichen Thiere nahmen ihm dasFutter aus der Hand, eine schwarze Henne ließ sich'snicht nehmen, stets empor zu ihm zu flattern, um ja dieerste zu sein.
Erst nachdem ich, ohne bemerkt zu werden, bis aufzwei Schritt vor ihm stand und mit Geduld und Genußan dem Spiele mich ergötzt hatte — grüßte ich den viel-beschäftigten ehrwürdigen Greis, der mit freundlichemLächeln die Frage an mich stellte, ob er jetzt schließenmüsse. In dieser Situation ist er von befreundeterSeite, ohne daß er es ahnte, photographirt: es ist einherziges Bild, das die volle Liebenswürdigkeit des edlenMannes auch gegen die Thierwelt darstellt. Stets hatteer, wenn er durch die Ställe ging, ein Stückchen Brodfür dieses oder jenes Thier.
So sehr er den Schaden als Oekonom zu würdigenverstand, den auf den Feldern ein zahlreicher Wildstandanrichtet, so war er nicht unglücklich, wenn namentlich inWinterszeit ein Dutzend Rehe auf seinen Feldern ätzten.Seit Jahren hatte er vor seinem Fenster einen Käfig mitKanarieuvögeln, die ganz an ihn gewöhnt waren; dieTauben flogen auf ihn zu, wenn er vor die Hans-thüre kam.
Was wir an dem Dahingegangenen außer seinerMenschenfreundlichkeit und Opferwilligkeit bewundert haben,das war seine hohe pädagogische Befähigung. Magja in ihm vielleicht etwas von Vererbung von seinemVater, der, soviel wir wissen, ein. Schulmeisteren desWortes ursprünglicher, bester Bedeutung war, — mag esdie Folge oer jahrelangen Uebung und Selbstcrziehunggewesen sein: — die Gabe, zuerst sich selbst und vaun