Ausgabe 
(27.1.1897) 4
 
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absolut einfach"), d. h. ohne jede Theilung oder Teil-barkeit in ihrem Wesen. Ebenso ist sie ewig?), d. h.ohne Anfang und Ende ihrer Existenz; schließlich kanndie existirende unendliche Vollkommenheit nur eine") seinund muß daher alles Bestehenden und mit ihr nichtIdentischen letzte absolute Ursache sein. Alles, was demnach inder Welt besteht und nicht dieses unendliche Wesen, Gott selbst ist, war einmal nichts und hat in letzter Linie vonGott sein Dasein empfangen. So war also der Ur-sprung der Welt auf ihrer Seite das Nichts, auf GottesSeite die schöpferische Allmacht. °)

Für den Ursprung der Welt war aber noch mehrals die Allmacht Gottes thätig. Schon eben sagten wir,daß Gott die existirende reine Wirklichkeit selbst ist.Dieser Begriff schließt den Gedanken ein, daß die gött-liche Wesenheit alle und jede irgend mögliche Vollkommen-heit in einem einfachen, unendlichen, reinen Acte um-schließt.'") Daraus folgt unmittelbar, daß alles, wasirgendwie Dasein und Vollkommenheit haben kann, inGottes unendlicher Wesenheit seinen Urtypus besitzt, denes in einer genau bestimmten Weise nachahmt.") Danun die göttliche Wesenheit unendlich vollkommen ist, sokann sie von den Dingen in unendlich mannigfalt gerWeise nachgeahmt werden, aber von keinem geschaffenenDinge so, daß nicht noch eine Kluft weiter als Plancten-fernen zwischen ihm und Gottes Unendlichkeit läge. In-dem nun ein jedes Ding in seiner Weise Gott nach-ahmt, würden schließlich umsomehr Seiten der göttlichenWesenheit wiedergespiegelt werden, je mannigfaltiger dieDinge im Einzelnen sind und je vollkommener sie sichzu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügen. Darumführt uns der Ursprung der Welt auf Gottes unendlicheWesenheit als auf ihr Urvorbild zurück. Dieses unerreich-bare Vorbild ahmt das Weltall schon in allen seinenTheilen, ein jedes Ding in seiner Weise nach, mehraber noch in der Gesammtheit seiner Existenz in Raumund Zeit.'?)

Zwischen der Wesenheit und Allmacht Gottes fehlenaber noch zwei verbindende Glieder, die göttliche Er-kenntniß und der göttliche Wille. Gerade sie sind aberAr unsere Auffassung des Anfanges und Bestandes derWelt von grundlegendster Bedeutung.

Wie die göttliche Wesenheit die ganze Fülle desSeins in einem reinen Acte vereinigt, so erstrahlt sievon Ewigkeit als die unendliche Wahrheit dem mit ihrdem Sein nach identischen göttlichen Verstände. Als diereine absolute Wahrheit, die keines Zuwachses, sei es anInhalt, sei es an Sicherheit des Wissens fähig ist. er-kennt und begreift Gott in unendlich vollkommener Weisedurch alle Ewigkeit sich selbst.'") Es muß ferner imgöttlichen Verstaube von Ewigkeit her alle und jede nurirgend mögliche Wahrheit ohne irgend welche Beschränk-

") 8. 1b. I. yrr. 3 a. 3.

') 8. o. §. üb. I. esp. XV; 8. 1b. I. q. 10.

') 8. o. §. lib. I. eap. 42; 8. 1b. I. ga. 11.

') 8. e. Ub. II. e. 68; 15, 16. 8. 1b. 1 gu. 4446.

")Kalla cls xsrleetioaibus ssssucU xotsst clsssss ei,huoä 68t jxsuill 6SS6 sul)sist6ii3". 8. 1. 4 a. 2

3; 8. e. Ub. I eax>. 28.

")Rolls ornuirro esse polest evtis ratio, in gaolibet:xsrrsrs, guallbstvs catsKoria, guas lorraaUssiras vonennstet spseiali gaoäai» illiitationsipsiasKsss sabsistsatis"tlmil. Killot, Ks I)so u»o. Komas 1693 p. 130). 8. Ibour.L. s. A. Ub. I cap. 29; 8. II-. 1 y. 4. a. 3.

") 8. o. A. Ub. III eap. 20; Ub. II eap. 45.

) 8 . o. §. Ub. I cap. 44 48. 8. Ibor». 1. o. 10 a. 5 ;

rt. 14 a. 14.

ung ideelle Existenz haben. Gottes Verstand begreiftnämlich nothwendig absolut vollkommen die göttlicheWesenheit. In dieser sind aber gleichsam zwei Seitenzu unterscheiden. Auf der einen Seite erglänzt GottesWesenheit in ihrer eigenen absoluten Vollkommenheit,auf der andern Seite aber steht sie auch da als dasgroße Urbild, das in unendlich vielen Stufen der Voll-kommenheit von andern Dingen nachgeahmt werden kann.Daher gehört es zur unbegrenzten Vollkommenheit dergöttlichen Erkenntniß, daß sie die göttliche Wesenheit nichtnur in ihren eigenen Zügen durchschaut, sondern daß sieals zweiten Gegenstand in dieser Wesenheit und durchsie alle ihre möglichen Abbilder, d. h. die ganze möglicheWelt des Seienden, soweit und so groß sie ist, sowohlin jeder Einzelheit wie in allem möglichen Zusammen-hange ohne jede Dunkelheit, Beimengung oder Ungewiß-heit mit absoluter Klarheit ewig durchdrängt.") Wäredas nicht der Fall, so hätte Gott nicht von Ewigkeither die ganze Wahrheit gegenwärtig gehabt, wäre alsowenigstens seinem Verstände nach nicht unendlich voll-kommen. Alles also, was in der jetzigen Welt seinenPlatz hat, jeder Vogel in den Lüften, jedes Blümlein amGrunde, jedes Menschenherz, das in einer Menschen-brüst schlägt, ja jede freie Regung, die in diesem Herzenwach wird,'") die ganze physische und moralische Weltvorn Anfange bis zum Ende der Zeiten, in allen ihrenVerkettungen und Verzweigungen, in allen ihren Dis-sonanzen und Konsonanzen, dies alles stand mit abso-lutester Deutlichkeit und Gewißheit bis in die kleinstenDifferenzen des Seins ewig vor dem Sonnenauge desgöttlichen Verstandes. Aber auch dies ist nur ein kleinerBruchtheil der unendlichen göttlichen Erkenntniß. Auchalle die andern unzähligen möglichen Welten, jedes Blatt,das in dieser Welt auch anderswohin oder anderswannhätte fallen können, jeder freie Willensentschluß, der stattzum Bösen zum Guten sich hätte hinwenden können,alles, was irgend möglich ist, erstrahlt ewig mit derHelligkeit der Mittagssonne vor dem Geistesauge Gottes.'")Versuchen wir es, diese Hoheit der göttlichen Erkenntnißuns einigermaßen klar zu machen. Zwar werden wirnie hinter ihr ganzes Geheimniß kommen denn nichtunlsonst heißt es von Gott, daß er hinter den Wolkensein Zelt aufgeschlagen; aber auch das Wenige, waswir so erkennen, genügt vollständig, um uns zu zeigen,daß die heutige Welt nicht blind und aufs Gerathewohkentstanden ist, sondern nach dem Plane längst vorher,bis in die kleinsten Einzelheiten, genau bestimmter gött-licher Ideen.") Was aber ein vernünftiges Wesen nach

") 8. o. K. lib. I eap. 54; 8.1b. 1 tz. 14 a. S; tz. l>.äs Vsr. g. 3 a. 2.Heus esssrrtiar» «asm psrlsots eo-Anoseit. llncls eoZnosoit sarn ssoauclum oraasm raoäai»,guo coK»oseibiIis est. 'lotest autsm eoxaosei von solar»sseuaäum guocl i» ss sst, sscl sseaaäaor guoä sst par-tioipabiUs ssounclar» aligueai raoclui» siirrilitaäillis scrsaturis sie." l. g. 15 a. 2.

")Kivirrus illtsllsctas eomxrsbsaäsnclo ärviirar» ss-ssatiar», so ipso spserrlatrrr onrass possibilss tsrariuosiraits-bilitatis ipsirrs. Kirre, Osi iatuitus, prirao gaiclsr» Isrtur i»essential» suam; clsiaäs vsro,tra»s esssrrtiar» visarn,i» orrrrriapossibiUa st oruuss, gaotguot saut, moilos sillAalaritatiseorurn; Isrtur itagus irr oirrirsrri volurrtatsar ersabilsr»,sseulltturrr grrocl sst base irr incliviclrro volantas, ab omnialia xossibili voluatats äistineta ste.". Lillot I. o. p. 203.ol. 8. e. K. llb. I eap. 40, 54, 67, 68 ; 8.1b. I. g. 14 a. 13;tz. K. cls vsr. 4. 2 a. 12.

8. 1b. 1. grr. 14 a. 12.

") 8. 0. A. lib. I. cax. 64; lib. II. eap. 24.. 8. 1b.'

1. 0. 15.