Ausgabe 
(27.1.1897) 4
 
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vorher erkannter Idee ins Dasein ruft, das ist sein Kunst-werk. Darum ist denn das Weltall das wohlüberlegteKunstwerk des ewigen Künstlers über den Sternen, das 70 -: x-rr' der Abglanz der unendlichen Schön-

heit selbst.

(Fortsetzung folgt.)

Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweitenPalästinafahrt.

Erwerbung Kapharnaums für das katholischeDeutschland und des Johanniterspttals fürPreußen von Professor Dr. Sepp.

(Schluß.)

Ich wollte hier die Etymologien Sepps einer ge-nauern Besprechung unterziehen; aber ich will lieber dieTheologie Sepps beleuchten. Seine Vorrede schließt mitden Worten:Dieses Buch enthüll zugleich neueReligionsstudien auf dem Boden Palästinas . Ich fangeTheologie zu stndiren da an, wo gewöhnlich die Gottes-gelehrten aufhören." Es fällt mir natürlich nicht ein,alle theologischen Exkurse Sepps zu referiren, nur diehauptsächlichsten sollen zur Sprache kommen.

I, 59:Die Sage von der Empfängniß durch einBad verlautet schon in der Zendrcligion, wonach einereine Jungfrau im hl. See Kan^u den LebenSkcimZoroasters zur Geburt des Weltheilandes Saosios auf-genommen. Hierouimus aäv. llovin. I, 35 meldet vonder entsprechenden Menschwerdung Buddha's, aber Ephrcmder Syrer und Angustiu, von Späteren nicht zu reden,übertragen die wunderbare Lenreptio per aureiu un-beanstandet auf den Logos des Evangeliums, namentlichdas Brevier der Maroniten." Sepp scheint also nicht zuwissen, daß dieser Ausdruck coueeptiv per unrein nurein Tropus ist!!!!

Das war eine Probe aus der Patrologie.

1. 363:Aus solchen Beispielen mag man denAbstand des alten Testamentes von der Religion Christierkennen! Und diese politische Rachgier muß Jehovahgutheißen und mit seinem Namen decken! Gleichwohlzürnt uns der sehr gelehrte, vom Mosaismus herüber-bekehrte Paul Cassel (ülsmun IX, XII, XV), daß wirnicht den Geist des alten Testaments (tatet) im neuenwiederfinden (patet). Wir erwidern: Hat nicht Jesus in der Bergpredigt der alttestameutlicheu Moral wider-sagt und die neue Doktrin der alten entgegengesetzt?Daß Rom die Bibel den Laien lieber voreuthält, ver-dient keinen Vorwurf. Die in der biblischen Geschichtevorgetragenen Wunder von Moses, Josna, Simson, Ellasund Elisa usw. sind Legenden und verwirren den Verstandund die Phantasie der Jugend, ja wenn wir vom Juda-ismus uns nicht völlig bekehren, sind wir keine Christen.Ist eS doch Esra, den die Samariter als el Ozair (wieoben Kap. 55) charakterisiren, welcher den ältesten Bibel-kanon zusammenstellt und Sage und Dichtung nicht aus-geschieden hat." Das ist gnostische oder modern-anti-semitische Theologie; aber das Tridentiuum lehrt anders.

Sepp, der sich in der Vorrede noch einen Anfängerin der Theologie nennt, ist bereits II, 20 ein Meisterder Gottesgclehrtheit geworden und verkündet feierlichIlrbi ab Drill:

ll'u es ketrus! ,Drei Worte nenn' ich euch in-haltsschwer, sie gehen von Munde zu Munde, sie schreibensich aus der Bibel her, man deutet sie falsch bis zurStunde? Drei Worte sind es ferner, wodurch das Miß-

verständniß gehoben wird; es sollte Matth. 16,18 heißen:

/roe oder ck -7 Nämlich auf das

Bekenntniß des Simon bar Jona: Du bist Christus,der Sohn des lebendigen Gottes! erwidert Jesus: ,Seligbist du, dein Fleisch und Blut haben dir dies nicht ein-gegeben, sondern mein Vater im Himmel, welcher zu mirspricht: Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche baue,und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen?Dies ist das richtige Bindeglied; denn gleich 5 Versedarauf kehrt sich der Herr zu Petrus mit den Worten:

,Hinweg von mir, Satan, du bist mir zu Aergerniß?In einem Athem kann nicht, der gegen die Hölle Standhält, selber vielmehr zum Stein des Anstoßes werdenund den Namen Satan verdienen, wie der Herr denVersucher in der Wüste gescholten. (Matth. IV, 10.)Unverkennbar steht das Wort des Herrn bildlich in Be-ziehung zum Tempelfels oder lapis kuuäameutalis, dernach der Idee der Schlußstein des Weltalls war und diePforten des Abgrundes schloß, die Theologen desneuen Bundes mögen sich das merken. Wie könnte Simonbar Jona der- Grundstein und daneben Christus der Eck-stein heißen?" Soweit Sepp.

Diese Worte Christi:Selig bist du, Simon barJona, denn nicht Fleisch und Blut hat es dir geoffenbart,sondern mein Vater im Himmel; aber auch ich sage dir,daß dn bist Petrus, und anf diesen Felsen werde ich meineKirche, bauen, und die Pforten der Hölle werden nichtsvermögen wider sie", haben schon den älteren protestant-ischen Exegcten Beschwerden verursacht, sie haben daherdiesen Felsen" bald auf Christus selbst bezogen, baldals Glauben des Petrus oder als christliche Predigt ge-deutet. Die neuere protestantische Exegese ist, wie Schegg(Matth. II, 355) schreibt,von dieser unwürdigen Artpolemischer Exegese in besonnene Bahnen zurückgekehrt".Sie anerkennt nach dem Vorgänge von Grotius jetztübereinstimmend, daßauf diesen Fels" zu Petrus ge-höre und daß jede andere Art der Verbindung undDeutung sprach- und denkwidrig nur in Folge dog-matischer Befangenheit gemacht worden sei, z. B. Banm-garteu:il-rp« (Fels) geht ohne Zweifel auf die Persondes Petrus. Andere Erklärungen entstanden ans be-fangener Scheu vor einem Primat des Petrus überhauptoder seinem angeblichen Nachfolger."

Diese Charakteristik paßt noch viel mehr auf dteProkrustcs-Exegese des Pros. Sepp. Er begnügt sichnicht hineinzulegen statt auszulegen, sondern er wirft ohnejeden ersichtlichen Grund als den dogmatischer Befangen-heit (wozu ich auch die Scheu vor einem gewissen Dogmarechne) ös c-c->. X- 70 , ans dem Texte heraus und er-setzt es durch sroe Xs-sTl, und der Lehrprimat istaus der Welt geschafft. Diese Methode ist sehr einfach,aber gewaltthätig. Sepp kann keinen Zeugen dafür auf-bringen, daß jemals die 3 Sepp'schen Worte im Textgestanden. Gleich auf der nächsten Seite II, 21 führter sogar einen Zeugen aus der 2. Hälfte des 2. Jahr-hunderts an, welcher sogar das Gegentheil beweist, nämlichdaß die Worte tu es petra eto. auf Simon gehen undnicht auf Christus. Sepp citirt nämlich unsere Stelleans dem Diatessarou, welche nach ihm dort also lautet:Leatus es Liiuou. Lt portas iukeri ts neu viuovut.1u es petra. Das te und tu kaun sich hier auf nie-mand andern als auf Simon beziehen.

Wenn Sepp daran Anstoß nimmt, daß einige Versespäter der Herr zu Petrus sagt:Hinweg von mir.Satan, du bist nur zum Aergerniß", und deducirt:In