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Beifall, denn die Phrasen klingen, dramatisch nnd theatralischbetrachtet aber ist es keinen Kreuzer werth". Beweis fürden alten wahren Satz: äs Zuotidus nou est, äia-putanäuin!
Eine bessere Zeit wollte 1824 für den Dichter be-ginnen mit seinen Vorlesungen über Shakespeare 'scheStücke, der Vortragssaal wurde zu klein, aber seineFrau kränkelte und dies „nagte selbst an meinem Leben",und als sie am 28. Januar 1825 an Herzbeutelentzündungstarb, war sein Schmerz, denn wir dürfen seinen eigenenBekenntnissen Glauben schenken, ein sehr großer. Diebeiden Kinder wurden in neue Pflege übergeben, derVater selbst wurde Direktionssekretär, Theaterdichter undRegisseur mit einem Jahreseinkommen von 800 Thalernbeim Königstätter Theater. Aber auch hier bald wiederUnzufriedenheit nach außen und innen, mit Gott, derWelt und sich selbst, so daß wir ihn bald in Paris sehen,Vorlesungen haltend und mit den Schöngeistern undTheaterdichtern der damaligen Zeit verkehrend u. a. mitScribe, Boieldieu , Rossini rc. Im Jahre 1820 ging'szurück nach Deutschland , wo sich der Dichter besonders inWeimar aufhielt und dann wieder in sein „geliebtes"Berlin zurückkehrte und von dort nach Breslau und wiederuach Berlin , wo er gnasi Zeitungsredacteur wurde undals solcher manchen gewaltigen Strauß zu bestehen hatte,wie dies ja das Schicksal der Redacteure aller Zeiten war,ist und sein wird. Sein „vielseitiges" Talent mag ausseinen eigenen Worten hervorgehen: „ich redigirte, schrift-stcllerte, correspondirte, dichtete, schwärmte, rasete, sang,trank, liebte, lebte und las vor" — Herz, was willstdu noch mehr? „Meine Posse Maberl als Robiuson°wurde ausgezischt und ausgepfiffcn", aber es ließ ihnkalt; er wollte Frankreich nachahmen, kam aber inDeutschland schlecht weg. Wohl aber mußte damals schonin allen Gesellschaften das „Mantellicd" ertönen:
„Und wenn die letzte Kngel kommt.
Jn's preußische Herz hinein!"
In Weimar machte er die Bekanntschaft Börne's,kam auch mit Göthe zusammen, wurde aber durch dasbrutale Wesen seines Sohnes August sehr verletzt. Dochgestaltete sich das Verhältniß später recht gut, so daß„der Sohn des Vater mich (Holtei) selbst bei seinemAbschied andichtete".
In Berlin wurde unseres Dichters Schauspiel„Leonore" mit sehr gutem Erfolg gegeben, der Dichterwurde gerufen und nachher von seinem Freunde Schwellemit den Worten empfangen: „wie kann man ein solchesStück geschrieben haben und so ein Schafsgesicht dazumachen, wie du jetzt eben gemacht hast?" „Ich hieltdies für eine ungeheure Schmeichelei." Mit seinem„Faust " prosperirte er desgleichen, sein „Stern" leuchtetewiederum, und eine zweite Frau Julie „verschönerte mirzudem das Leben", natürlich tvar es wieder „eine vomTheater". Wieder kommen Intriguen und wieder rast-und friedloses Wandern zwischen Darmstadt, Weimar undBerlin . Dankbar ist er, wenn Julie auftreten darf:
„Ja, noch im Tode will ich Euer denken!
Den tiefsten Gram habt ihr zum Glück geweiht.
Und wenn sie mich in kühlen Boden senken.
Versinken nie darf meine Dankbarkeit."
Er schrieb damals (gegen das Jahr 1833) seine„Erzählungen" und das Schauspiel „Der dumme Peter",das sich bis zum Tode Ludwig DevrientS auf dem Ne-pertorium erhielt. Sein „Trauerspiel in Berlin " fandebenfalls Beifall und mag als Kritik die Aeußerung einer !
Dame angeführt sein, die lautete: „Es weint sich nlr»gends so gut, als in Ihren Stücken, und das .Trauer-spiel in Berlin ' geht noch über .Leonard." Auch sein„Lorbeerbaum und Bettelstab" fand Beifall, ja „ich selbstals Schauspieler" in Berlin, Hamburg und München ,in welch' letzterer Stadt nach seinem Geständniß dieTheaterverhältnisse damals mangelhaft waren. InMünchen verkehrte er besonders auch mit SophieSchröder und Charlotte Birch-Pfeifer. Wieder ging es
— ewiges Wandern! — nach Berlin . In den folgen-den Jahren wurden Brunn, Baden und Wien besuchtund die Schauspiele „Der Leiermann" und „Shakespeare in der Heimath" gedichtet und aufgeführt.
Bald finden wir Holtei als Theaterdirektor in Riga -,jetzt saß er trocken, gute Einnahmen, keine Sorgen, stetsBeifall, recht gute Freunde, „die Suppe ist gut ein-gebrockt". Aber es fehlte eben, wie immer auf die Zeitdie Zufriedenheit und das ruhige gute Leben behagte dem„Zugvogel " nicht, wieder ging er mit seiner Frau, durch-zog Oesterreich, Schlesien , gastirte, recitirte, und nunmußte er die magere Suppe wieder ausbrocken, Meubelverkaufen, es war ihm zu wohl oder wollte er neueLorbeeren holen, sie wurden ihm oft zu Theil, aber aufKosten eines oft harten täglichen Brodes. Keine Ruh. bei Tag und Nacht, gleichsam unstät und flüchtig durchzoger wieder einige Jahre die Welt!
1845 und folgende Zeit finden wir ihn wieder inseiner Vaterstadt, er machte neue Schauspiele, schreibt„große und kleine" Artikel und singt Kunstreiterinnen an
— welch' vielseitiges Talent! wie oft mißbraucht! Auchein Aufenthalt als „Großvater" bei den lieben Seinen be-bereitete ihm nur kurze Freude, bald zog er wieder vonbannen, er wurde öffentlicher Vorleser in Dresden , erbegann eine neue „Knustreise", Fortsetzung in Magdeburg und Halberstadt, Göttingen, Hannover , nie zufrieden undKünstlers Loos so oft — nie bei Kasse.
„Was ist denn all das Geschrei von der Kunst?
Ein eitler Scheiu ein blauer Dunst,
Ein täuschender Nebel, der bald verweht.
So lang die Knnst nach Brode geht."
In Bremen verdiente er sich durch Vorlesungen einvorzügliches Brod und noch nie hatte „ich so viel Geldbei einander, als da ich aus Bremen reisete".
Das Jahr 1848 läßt ihn kalt als Politiker, ermachte begeisterte Prologe auf den achtzehnten Oktober,den Tag bei Leipzig , und fand Beifall, dann zog erwieder in der weiten Welt herum. In Wien erfreute ersich der Bekanntschaft und Freundschaft Grillparzers, dener in mehreren Gedichten besang. Ein Vers aus einen:derselben sei hier citirt:
„Die Rosen hast du kühn gepflücktAus dem Dorngenist finsterer Tage,
Des göttlichen Greises Haupt geschmückt.
Daß Er blühend die blühenden trage."
Mit dem Jahre 1850 schließt Holtei seine Selbst-biographie, die 4 starke Bände faßt mit rund 3000 Seiten,so detaillirt, daß es oft langweilig ist, sie zu lesen trotzselbstverständlich vieles Interesse erregenden Details. Mit'ihr wollen auch wir schließen. — Der Dichter starb am12. Februar 1880 in Breslau .
Im Jahre 1870 sang der greise Dichter:
„Er (Napoleon ) wähnt es schlimm zu machen,
Gott hat es gut gemacht!"
Es steht fest, Holtei hat viel geleistet, fast zu viel.Wäre er nicht stets „fahrend" gewesen, seine Leistungen