Ausgabe 
(30.1.1897) 5
 
Einzelbild herunterladen

38

nng seines unendlichen Glückes zu erfahrend) Wenn da-her Gott sich frei entschlossen hat, der Schöpfung denMorgen der Geburt zu schenken, dann hat er es nichtaus Bedürfniß oder Eigennutz gethan, als hätte er etwadie Welt nöthig, um das zu haben, was ihm an seinemvollen Glücke noch fehlte. Nein, wer einem derartigenGedanken Raum gäbe, würde die unendliche Vollkommen-heit Gottes unerträglich erniedrigen. Findet doch schonder Psalmist gerade in der Unabhängigkeit Gottes vonäußeren Gütern das Kennzeichen seiner Gottheit:Dausmsn8 es tu, guia bonorum moorum non sZ68". Nurein Gedanke konnte Gott bewegen, die Welt aus demSchlafe des Nichts, den sie in seinen ewigen Ideen schlief,wachzurufen, der Gedanke, daß nun auch andere Wesenexistiren würden, die an seiner Herrlichkeit Antheil be-kämen und so in ihrer Weise glücklich wären. Darumgibt der hl. Thomas Gott den schönen Titel'Ip368o1u8 Maxims liboi'Llm"?) Gott allein ist wahrhaftfreigebig, weil er in seiner unendlichen Güte nur darumschenkt, weil er schenken kann und dadurch andere glück-lich macht. Darum will Gott von seiner Seite allenDingen nur Gutes?) Alle Dinge sollen seine unend-liche Herrlichkeit in sich nachbilden, indem sie die ihnengeschenkten Kräfte richtig gebrauchen, und sollen so demeinzig wahren Glück und Gut so nahe kommen, als esdie Schranken ihrer Natur erlauben.

Der Schöpfungsabsicht Gottes steht nun schließlichdie Schöpfungsaufgabe der Welt correlativ gegenüber;beide sind so naturgemäß verbunden, wie die Helle mitdem Lichte. Wenn ein Leonardo da Vinci aus reinsterFreude an seiner Kunst sein herrlichesAbendmahl"hinzauberte, wenn das Künstlergenie eines Michelangelo Wand und Decke der sixtinischen Kapelle mit den wunder-vollsten Fresken schmückte, und wir stehen nun vor diesenGemälden, was haben wir dann vor uns? Ein Abbilddes Riesengeistes dieser Künstler, einen immerwährendenLobhymnus auf ihr Genie haben wir dann vor uns.Könnte es nun mit dem großen Kunstwerk des Welten-domes anders sein? Unmöglich; die Welt offenbart jain allen Linien ihres Gebäudes Gottes unendliche Herr-lichkeit, deren Spiegel und Abglanz sie ist. Das ist alsoder große Endzweck der Schöpfung, der mit ihrer Naturunauflöslich verbunden ist, daß sie Gottes Größe nachaußen offenbare und so der äußeren Verherrlichung Gottesdiene?) Die Sterne darum, die am Abend sich amdunklen Himmelszelt entzünden, sie sind ebensoviele Gottes-lämpchen, die im Weltendom brennen vor dem einenAllerheiligsten, der in seiner erhabenen Sonnenhöhe inewiger Ruhe über ihnen thront und ohne Unterlaß indas ganze weite Universum Licht und Leben, Glück undVollkommenheit ausstrahlt. Und so soll die ganze Schöpf-ung von Morgen bis Abend ein großer Jubelhymnussein auf Gottes Pracht und Herrlichkeit; von Pol zu Polsoll immerfort das eine wunderbare Lied durch sie wiederklingen, von Mund zu Mund soll es schallen: Oüoria. in6 XL 6 I 318 Leo! Ehre, Lob, Preis und Ruhm sei Gott

H Sehr schön 8. 0 . §. Üb. I eap. 102.

H8ie j§itur O6U8 vult st ss st nlia; ssck ss utKllsm, atm vsro ut tiusm; tu Quantum oonäsostäivinarn bonitstein, stiam all» ipsaw partioipars".8. 1 b. I. 19 a. 2 ; 8. s. S. Ub. m cap. 19 ; 8. 1 d. 1 .4. 44 s. 4 . 0. st 1 .

°)Dtosnäum, yuock Heus oinnis, sxistsntia runat.

8sck amor Osi sst iu tnnäens st orsans bonitntsin inrebu8." (8. 1 b. 1. g. 20 -r. 2; 8. 0. §. Ub. III oap. 16 .

') 8. e. x. Ub. III osp. 1 , 17 , 16 . 8. 1 b. 1 . 4 .103 a. 2 .

in der Höhe, der uns erdacht in seiner Weisheit, deruns gewollt in seiner Liebe, der uns geschaffen in seinerAllmacht. Mit diesem schönen Gedanken wollen wiruns jetzt vom Ursprünge der Welt ihrem Bestände zu-wenden.

II.

Wie das weiße Sonnenlicht durch das Prisma in *

die schillernden Farben des Spektrums zerstreut wird,so ist auch die eine unendliche Vollkommenheit Gottes indein blumenreichen Kranz der Weltdinge gleichsam in eingroßes Spektrum der verschiedensten Theilvollkommen-heiten ausgebreitet. Und wie das Spektrum nur alsGanzes das ganze Sonnenlicht wiedergibt, so bilden auchdie verschiedenen Wcltdinge erst zusammen das ganzeAbbild der göttlichen Vollkommenheit. Alan muß diesenGedanken der christlichen Philosophie wohl unterscheidenvon dem Gedanken des Pantheismus, dessen Spuren ober-flächliche Forscher wohl schon iu der Scholastik zu findenglaubten?) Nach dem Pantheismus machen die ver-schiedenen Weltdinge zusammen Gott aus, sie sind Gott .

So spricht Goethe:

In Lebensfluthen, in Thatensturm

Wall' ich auf und ab, .

Wehe hin und her! '

Geburt und Grab,

Ein ewig Meer,

Ein wechselnd Weben.

Ein glühend Leben.

So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit

Und wirke der Gottheit lebendig Kleid." (Faust.)

Aber in der Anschauung des hl. Thomas ist dieWelt zwar das Abbild Gottes, allein in ihrem Seinund Wirken sind Gott und die Welt innerlich und grund-wesentlich von einander verschieden?) Der Begriff Gottesliegt darin, daß Gott die in sich selbst subsistirende, reineWirklichkeit, das reine absolute Sein ist (aotns purns;ixsuw 6886 8us>8l8t6N8). Ein solches Wesen kaun nureines sein und absolut keinem Wechsel unterliegen. AllesAndere, was noch existirt, kann nur eine beschränkte Voll-kommenheit haben und kann namentlich nicht das reinesubsistirende Sein selbst sein. Vielmehr muß in allengeschaffenen Dingen eine substantielle Zusammensetzungaus Wesenheit und Dasein, wie aus Potenz und Akt an- ->

erkannt werden. Ebensowenig, wie nun etwas zu gleicherZeit reiner und zusammengesetzter, d. h. nicht reiner Aktsein kann, ebensowenig können Gott und die Weltidentisch sein?")

Indem wir diesen Gedanken dem Pantheismusgegenüber scharf betonen, müssen wir auch gleich einemandern Irrthum, der namentlich in Frankreich die Geisterverwirrte (Malebranche), nicht weniger energisch entgegen-treten. Wenn das Feuer das Holz anzündet, die Roseihren Duft aushaucht, der Mensch denkt und will, kürzwenn die Geschöpfe thätig sind, so ist dies nach diesenPhilosophen nur Schein. Im Grunde ist es so

°) Z. B- BarthSlemy Haursau, Paris 1672/81; in demAusdruck: rss sinansnt 2 vso.

Htzmäam kriv 0 lis r 2 t i 0 n i b u s äuoti vossusrunt,vsuin S88S äs substantia euiuslibst rsi sto? tz. O.äs vsr. g. 21 s. 4 ; 8. 0. §. lib. I 02p. 26 . 8. 1 b. 1 . g.4 L. 8.

")DZss rseixitur in aliguo ssounäuin moäum ipsiusst iäso tsrwinÄtnr siout gunsUbst 2U2 torms, guas äs8S communis 68t, st ssounäuw guoä rsoipitur in sligno,tsrininatur illuä: st kos inoäo 8olnm äivinum S88Snon S8t tsrininatuin; guia non sst reosptnm innliguo, guoä S8t äivisuin ab so? 1. äsnt.Oist.8 g. 2 a. 1; 8. e. A. Ub. I oam 21 29 ; 8. 1 b. 1. g. 3 a. 4 .

>